Präsentiert von

Anzeige

Fachgeschäfte

Abschluss der OB-Sommertour in Wangen

Leere Kassen bremsen Vorhaben wie den Umbau des Kelterplatzes sowie das multifunktionale Sportfeld aus, während Frank Nopper die historische Weinlese besucht.

Zum Abschluss der OB-Sommertour gab es noch ein Gruppenfoto vor dem Wangener Jugendhaus.
Zum Abschluss der OB-Sommertour gab es noch ein Gruppenfoto vor dem Wangener Jugendhaus.

Im blauen Anzug, weißem Hemd und braunen Lederschuhen ist Oberbürgermeister Frank Nopper nicht unbedingt passend für die Weinlese und vor allem das Pressen in der historischen Kelter im Stadtbezirk Wangen ausgestattet. Deswegen hält er auch gebührend Abstand, wenn die Trauben in der Presse landen, ganz ohne den einen oder anderen Spritzer geht das nicht. Der OB ist zum Abschluss seiner Sommertour durch Stuttgarter Stadtbezirke aber auch nicht nach Wangen gekommen, um bei der Weinlese mitzuhelfen. Vielmehr will er sich über wichtige Projekte hier informieren lassen – und muss auch selbst über die Finanznöte der Stadt informieren.

Unternehmen aus der Region

Umbau des Kelterplatzes ungewiss

Weinernte und der OB als aufmerksamem Beobachter. Fotos: Jürgen Brand
Weinernte und der OB als aufmerksamem Beobachter. Fotos: Jürgen Brand

Beispiel Wangener Kelterplatz: Die historische Kelter aus dem Jahr 1713 ist schon vor etlichen Jahren saniert und restauriert worden und bildet einen unverzichtbaren Mittelpunkt im Stadtbezirksleben. Am Platz außen herum wird allerdings auch schon seit einigen Jahren geplant, aber passiert ist noch nichts. Der städtebauliche Entwurf sieht unter anderem durchlässige Pflastersteine, einen Trinkbrunnen und schattenspendende Bäume vor. Allein der Brunnen mit seinen technischen Einrichtungen würde rund 100.000 Euro kosten. Aber die Stadt hat aktuell bekanntlich kein Geld oder zumindest zu wenig Geld für ein Projekt wie dieses. Deswegen stellte OB Nopper vor den rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem kleinen Rundgang vor der Kelter die Frage: „Macht es Sinn, das Vorhaben nur halb umzusetzen, oder ist es besser zu warten, bis es ganz geht?“ Das Tiefbauamt der Stadt prüft gerade mögliche Teilabschnitte.

Beispiel „Wangen macht Welle“: Seit einigen Jahren träumen die Wangener und mit ihnen Bezirksvorsteher Jakob Bubenheimer von einem lang gestreckten urbanen Bewegungsraum zwischen der Weißensteiner Straße und der Flatowhalle. Dieser Grünzug ist die einzige Grünanlage Wangens in der Ebene, also im Ortskern. Vorgesehen sind ganz unterschiedliche Spiel-, Sport- und Aufenthaltsinseln für alle Generationen, auch ein multifunktionales Spiel- und Sportfeld und ein Kletterturm sollen entstehen. Mehr als fünf Millionen Euro würde alles zusammen kosten. Aktuell ist in einem Teilbereich beim Jugendhaus Baustelle, dort werden Rohre für die neue Wasserstoffpipeline vom Hafen bis nach Gaisburg verlegt. Aber sonst wartet auch diese besondere grüne Welle auf Bewegung im Planungsprozess.

Unternehmen aus der Region

Baubeginn der Welle nicht in Sicht

Eine Sprecherin des Jugendrats sagte dem OB, dass schon bei ihrer ersten Amtszeit, als sie 14 Jahre alt war, über das Projekt diskutiert worden sei. Jetzt sei sie 18 und immer noch nichts passiert. Für das Jahr 2027 sind ausschließlich weitere Planungsmittel vorgesehen. Ein Baubeginn ist nicht in Sicht. Wenn sich die Wangener zwischen neuem Kelterplatz und der Welle entscheiden müssten, ist für die Jugendrätin klar: die Welle.

In der Wangener Kelter selbst war der Oberbürgermeister vorher Zeuge einer Jahrhunderte alten Tradition in Stuttgart-Wangen geworden. Gerade läuft die Weinlese auf Hochtouren, die verbliebenen acht Wengerter-Familien im Nebenerwerb ernten, was auf den vier Hektar Steillagen am Wangener Berg in diesem trockenen und heißen Sommer gewachsen ist. Der für die Lese 2026 ernannte Kellermeister Jürgen Hohnecker erklärte dem Stadtoberhaupt, welche Trauben verarbeitet werden und zeigte ihm, wie die Trauben angeliefert und in der Presse weiterverarbeitet wurden. Einen Schluck Weißherbst aus früheren Jahrgängen probierte Nopper auch. Auf dem Weg zur Abschlussrunde konnte sich der OB selbst davon überzeugen, wie laut es ist, wenn die Stadtbahnen durch die Kurven entlang der Wasenstraße fahren. Das wurde notiert, die SSB wird informiert und soll Lösungen für das Lärmproblem suchen. Wer Fragen an den OB hatte, konnte ihn an diesem Spätsommerabend sowohl an der Kelter als auch im Jugendhaus und zum Abschluss im Gasthaus Löwenstube direkt ansprechen, bei Bedarf auch unter vier Augen. Lösungsansätze für die Finanzprobleme der Stadt sind dabei nicht gefunden worden – obwohl sicher der eine oder andere schon durchaus Sparmöglichkeiten bei anderen Projekten entdeckt hat.

Von Jürgen Brand