
Einen beeindruckenden Blick hatten die Gäste von der Eventebene im vierten Stock des Porsche Museums. Kaum weniger eindrucksvoll waren die Ausführungen der Vorstände der Volksbank Zuffenhausen eG Ansgar Schmid, Eric Hartung und Robert Wahl bei der Vertreterversammlung am vergangenen Donnerstag, die zum ersten Mal in dem skulpturalen Solitär am Porscheplatz stattfand. Unter weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen hat die Volksbank Zuffenhausen eG einen Jahresabschluss mit einem Überschuss von 1.045.032,70 Euro erzielt. Einstimmig folgte die Vertreterversammlung Vorschlag des Vorstands, 446.298,39 Euro für die Ausschüttung einer Dividende von 5 Prozent an die Anteilseigner zu verwenden, was „deutlich über dem Durchschnitt anderer Genossenschaftsbanken liegt“, erklärte Robert Wahl. dem
2025 war erneut durch viele Unsicherheiten geprägt
Das Jahr 2025 sei erneut durch viele Unsicherheiten geprägt gewesen, so Wahl. Internationale Konflikte, politische Spannungen, schwieriger werdende Handelsbeziehungen hätten die wirtschaftliche Entwicklung belastet. „Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland ist ein solches Umfeld besonders herausfordernd.“ Weitere Hürden bestünden im eigenen Land, sagte Robert Wahl. Die strukturellen Probleme der heimischen Autoindustrie, des Maschinenbaus und der energieintensiven Branchen, würden durch die klimapolitischen Anforderungen und stetig wachsende Bürokratie zusätzlich verschärft. „Das führt zu immer komplexeren Wettbewerbsbedingungen für unsere Unternehmen.“ Zwar habe sich die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr etwas stabilisieren können, „aber ein echter Befreiungsschlag blieb aus“.
In diesem gesamtwirtschaftlich schwierigen Umfeld habe sich die Volksbank Zuffenhausen eG erstaunlich gut behauptet. „Das genossenschaftliche Modell trägt auch in schwierigen Zeiten. Es steht für Nähe, Verlässlichkeit und Stabilität“, betonte betonte Wahl. „Sehr erfreulich“ seien in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Kundeneinlagen. „Diese stiegen im vergangenen Geschäftsjahr um 2,3 Prozent auf 611,3 Millionen Euro.“ Das zeige das große Vertrauen der Sparer in die Volksbank Zuffenhausen eG.

Genossenschaftliches Modell steht für Nähe, Verlässlichkeit und Stabilität
Ein wichtiger Kennwert sei die Kapitalausstattung, so Wahl. „Unsere Bank ist nach wie vor sehr solide aufgestellt.“ Die Bilanzsumme der Volksbank Zuffenhausen eG sei im Geschäftsjahr 2025 um ein Prozent, auf 805 Millionen Euro, angestiegen.
„Das Wachstum bleibt innerhalb unserer Planung.“ Das bilanzielle Eigenkapital, das sich aus dem Fonds für allgemeine Bankrisiken, dem gezeichneten Kapital der Mitglieder, den Ergebnisrücklagen und dem Bilanzgewinn zusammensetzt, konnte im Geschäftsjahr 2025 durch die Zuweisung zu den Rücklagen und den Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken gestärkt werden. Der Anteil des bilanzierte Eigenkapital habe mit dem Bilanzwachstum mithalten können, betrage 82.88 Millionen und liege damit unverändert bei 10,3 Prozent. „Unsere anrechenbaren Eigenmittel von der Gesamtkapitalquote liegt im Berichtsjahr bei 22,5 Prozent. Die Aufsicht fordert von unserer Bank 15,39 Prozent. Strategisch haben wir eine Mindestquote von 18 Prozent festgelegt. Das bedeutet, wir verfügen über eine hervorragende Kapitalkraft und über eine Risikotragfähigkeit, die uns auch in Zukunft sicheres und gesundes Wachstum ermöglicht.“
Die Perspektiven für das laufende Geschäftsjahr bewertete Robert Wahl vorsichtig positiv. Wirtschaftsforschungsinstituten sowie insbesondere der „Kompass 2026“ des genossenschaftlichen Finanz-Verbundes gingen von einem moderaten Aufschwung als wahrscheinlichste Szenario aus. Gewisse Unsicherheiten bestünden jedoch weiterhin insbesondere aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage, des andauernden Konflikts zwischen den USA und dem Iran mit den weltweiten Folgen für die Rohstoffversorgung und der zeitweisen Schließung der Straße von Hormus, die sich weltweit auf die Volkswirtschaften auswirkten. In der Planung geht die Volksbank Zuffenhausen eG für das Jahr 2026 von einem Wachstum im bilanziellen Kundenkreditgeschäft von 3 Prozent aus, was rund 10.500.000 Euro entspreche. Im bilanziellen Kundeneinlagengeschäft werde ein Anstieg von 2,5 Prozent, bzw. rund 15.000.000 Euro angestrebt, bei der Bilanzsumme plane man mit 825.700.000 Euro.
Motto: „Genossenschaften gestalten eine bessere Welt“
Ansgar Schmid berichtete über das Internationale Jahr der Genossenschaften 2025, das die Vereinten Nationen unter dem Motto „Genossenschaften gestalten eine bessere Welt“ ausgerufen hatten. Die zentrale Rolle von Genossenschaften bei der Förderung nachhaltiger, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Entwicklung sei gewürdigt und ihre Bedeutung als zukunftsfähige Wirtschaftsform unterstrichen worden. „Wir, die Volksbank Zuffenhausen eG, übernehmen als genossenschaftliche Bank Verantwortung für die Menschen und Region, in der wir tätig sind“, betonte Schmid. Die Mitgliedschaft in der Volksbank sei dabei weit mehr als ein formaler Status. „Sie steht für echte genossenschaftliche Teilhabe und wird durch konkrete Vorteile, persönliche Ansprache und Veranstaltungen erlebbar gemacht“, sagte Schmid. Gleichzeitig sei sie Ansgar verbunden mit Exklusivität, Mitbestimmung und Zugehörigkeit.
Ein weiteres zentrales und emotionales Thema von Ansgar Schmid war die geplante Generalsanierung der Unterländerstraße 58, dem Hauptsitz der Volksbank Zuffenhausen eG, in dem die Genossenschaftsbank im Januar 1922 in damals noch gemieteten Räumen eröffnet hat. „Wir sprechen dabei nicht nur von einem Gebäude, wir sprechen von der Zukunft unserer Bank, über die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeitenden und die langfristige Werthaltigkeit unseres Unternehmens“, so der Vorstand. Es sei verständlich, dass die geplanten Investitionen bei einigen Mitgliedern zunächst Sorgen auslösten, doch die Sanierung sei nicht nur sinnvoll, sondern unverzichtbar, erklärt Ansgar Schmid. Die Immobilie sei über einen Zeitraum von rund 42 Jahren nur sehr begrenzt modernisiert worden. Inzwischen seien einige Bereiche des Gebäudes nicht mehr zeitgemäß. „Viele technische und bauliche Einrichtungen stammen aus einer Zeit, in der die Anforderungen an Arbeitsplätze, Energieeffizienz und Sicherheit völlig andere waren als heute.“ Die Folgen seien inzwischen deutlich sichtbar und spürbar. Die grundlegende Erneuerung der elektronischen Infrastruktur sei nach Einschätzung des Elektrofachplaner im Zuge der Sanierungsmaßnahme „nicht nur empfehlenswert, sondern erforderlich“.
Die Immobilie muss dringend saniert werden
Das Gebäude befinde sich auch energetisch in einem schlechten Zustand. „In den Sommermonaten steigen die Temperaturen insbesondere in den oberen Stockwerken auf ein kaum mehr zumutbares Niveau an. Gleichzeitig klagen unsere Mitarbeitenden im Winter über Kälte und Zugluft“, so Schmid. Auch die sanitären Anlagen entsprächen nicht mehr den heutigen Standards. „Teilweise tritt sogar rostiges Wasser auf, ein Zustand, den wir langfristig nicht akzeptieren können.“ Deshalb sollte die Sanitärtechnik grundlegend erneuert wurde. Die bestehenden Büroflächen seien zudem auf die Arbeitswelt vergangener Jahrzehnte ausgerichtet und erfüllten die Anforderungen moderner Bankarbeit nur noch eingeschränkt. Die Generalsanierung, die im Oktober beginnen soll und bis Dezember 2028 dauert, sei deshalb kein Luxusprojekt. „Sie dient der Erfüllung unserer Fürsorgepflicht, der Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz, der Reduzierung von Energieverbrauch und Betriebskosten sowie der Schaffung moderner und attraktiver Arbeitsplätze“, sagte Ansgar Schmid.
Der Bankbetrieb werde während der Bauphase uneingeschränkt weitergeführt, betonte der Vorstand. Durch den Bezug von zwei Ausweichquartieren in fußläufiger Entfernung im Stadtgebiet bleibe die Erreichbarkeit für Kunden und Mitglieder vollständig gewährleistet. „Wir investieren nicht in Beton, Stahl und Technik. Wir investieren in die Menschen, die den Erfolg unserer Bank ausmachen. Wir investieren in unserer Wettbewerbsfähigkeit, in die Zukunftsfähigkeit unseres Hauses. Wir wollen, dass die Volksbank Zuffenhausen eG ein attraktiver Arbeitgeber, ein verlässlicher Partner und ein solides Institut in unserer Region bleibt. Lassen Sie es uns gemeinsam als Chance betrachten. Eine Chance unsere Volksbank Zuffenhausen eG sicherer, moderner, nachhaltiger und attraktiver zu machen.“
Das Kreditteam freut sich über Wachstum
Vorstand Eric Hartung hatte seinen Vortrag in drei Teile gegliedert - in einen Rückblick auf 2025, eine Bestandsaufnahme 2026 und eine Prognose für 2027.
In einer Zeit nachlassender Nachfrage habe das Kreditteam um Sascha Paar und Vincenzo Palmese ein Wachstum von 4,4 Prozent hinbekommen, „,deutlich über unseren Planungen“.
Dass vieles durch Weiterempfehlung zustande kamen, freue ihn ganz besonders, sagte Hartung. „Wir müssen nicht groß akquirieren, die Kunden kommen von alleine.“ Herausforderungen in diesem Jahr seien die Mitgliederentwicklung bedingt durch die demografische Entwicklung und den Wettbewerb durch Direktbanken, Bankinfluencer und ausländische Mitbewerber, die durch fragwürdige Angebote und aggressives Marketing auf junge Kunden zugingen. „Unsere einzige, aber riesengroße Chance ist, wir sind anfassbar. Wir schaffen emotionale Bindungen.“ Auch durch Mitgliederreisen, in diesem Jahr nach Paris und im nächsten Jahr nach Venedig.
In 2027 und den Folgejahren werde es viel um Kryptowährung, um Wero, der Bankenalternative zu PayPal, um Altersvorsorgereformen und Frühstartrente sowie sogenannte „Beyond-Banking-Themen“ gehen, erklärte Eric Hartung. „Das sind Lebensbereiche, die wir bei den Kunden ansprechen wollen abseits von reinen Bankgeschäften, die Lebensmodelle des Kunden unterstützen.“ Und natürlich werde man sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen. „Die KI ist keine Konkurrenz zu uns. Sie schafft es, uns Freiräume zu schaffen, damit wir für menschliche Begegnungen wieder deutlich mehr Zeit haben.“ Und Hartung verriet augenzwinkernd, was die Autoschmiede Porsche vielleicht von der Volksbank Zuffenhausen eG lernen könne. „Wir sind mehr als eine Bank. Wir sind Teil einer Gemeinschaft, die Verantwortung übernimmt. Seit über einem Jahrhundert trägt uns die Idee der genossenschaftlichen Zusammenarbeit, Solidarität, Fairness, Partnerschaftlichkeit und persönliche Nähe, diese Werte bleiben der Kompass des Handelns damals wie heute.“
Von Eva Herschmann