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Bürgernähe ist unverzichtbar: Obertürkheimer Bezirksvorsteher Kevin Latzel im Interview mit der Stuttgarter Zeitung

Pandemie und Krieg auf der einen Seite, Verkehrsprobleme und Vermüllung auf der anderen. Ein Gespräch mit dem Obertürkheimer Bezirksvorsteher Kevin Latzel.

Bürgernähe ist unverzichtbar: Obertürkheimer Bezirksvorsteher Kevin Latzel im Interview mit der Stuttgarter Zeitung

Für ihn der schönste Arbeitsplatz Stuttgarts: Bezirksvorsteher Kevin Latzel vor dem Bezirksamt Obertürkheim. Fotos: z/André Zweifel

Seit Frühjahr 2021 sind Sie im Amt in Obertürkheim: Welches Jahr war schwieriger? Das erste oder das zweite?Das erste Jahr stellte zweifelsohne die größeren Herausforderungen an mein Team und mich. Dies insbesondere wegen der Bewältigung der Aufgaben, die durch die Corona-Krise an uns gestellt wurden. Beispielhaft hierfür war die rasche Einrichtung des Test- und später dann des Impfzentrums im Bezirksrathaus. Dies waren keine alltäglichen Aufgaben und hatte auch seine Tücken. Persönlich schade fand ich zudem, dass ich die Vereine nicht von Anfang an so kennenlernen konnte, wie es üblich ist. Aber da hole ich gerade auf.Sie kamen in der Hochzeit der Pandemie ins Amt. Corona scheint als Thema immer kleiner zu werden, dafür beherrscht ein Krieg mit seinen Folgen von Geflüchteten bis Energieknappheit das aktuelle Leben: Sind sie als Bezirksvorsteher im Dauer-Krisenmodus?Nun ich sage es mal so, jeder der derzeit für die Bürgerinnen und Bürger im Dienst ist, befindet sich wahrscheinlich im „Krisen-Modus“. Das gilt unter anderem für den medizinischen Bereich, für die Mitglieder der sogenannten Blaulichtfraktion sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und Einrichtungen. Neue Vorschriften und Verordnungen und das politische Tagesgeschehen verlangen seit Monaten rasches Verwaltungshandeln. Unterm Strich aber, sind wir in Obertürkheim und Uhlbach mit unseren aktuellen Themen glücklicherweise in keiner Krise.

Thema Energieknappheit: Was wird aktuell im Stadtbezirk bereits getan, um Energie einzusparen? Wo sehen Sie aktuell noch Luft nach oben?

In den öffentlichen Gebäuden, also unter anderem im Bezirksrathaus wird Energie zum Beispiel durch Absenkung der Heiztemperatur in den Büroräumen gespart. Darüber hinaus wurden, wo noch nicht bereits geschehen, sparsamere Leuchtmittel eingesetzt. Es werden derzeit verstärkt Wege aufgezeigt, wo und wie man Energie sparen kann. Wo es möglich ist, tun wir es auch. Das gilt im Dienstbetrieb ebenso wie im privaten. Wussten Sie eigentlich, dass eine eingesteckte Waschmaschine im Standby-Modus pro Jahr bis zu 30 Euro Strom kosten kann?

Auf welche Themen im Bezirksvorsteher-Dasein waren sie gut eingestellt? Welche haben Sie überrascht?

Ich bin 43 Jahre alt und bin knapp 22 Jahren bei der Landeshauptstadt beschäftigt. In der Zeit war ich in verschiedenen Bereichen der Verwaltung eingesetzt und habe viele Erfahrungen machen und zahlreiche Kontakte in Verwaltung und Politik knüpfen können.

Dies ist mir bei meiner Arbeit als Bezirksvorsteher sehr nützlich und beschleunigt so manchen Arbeitsgang, weil ich weiß, an wen ich mich wenden und wen ich ins Boot nehmen kann und muss, um ein Ziel zu erreichen. Als ich mich auf das Amt beworben habe, wusste ich auch im Großen und Ganzen was auch mich zukommt. Gemäß dem Ausspruch des ersten Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Stuttgarter Ehrenbürgers Reinhold Maier: „Es sind die kleinen Sorgen und Nöte, die große Politik machen“, beschäftigt einen als Bezirksvorsteher zum Beispiel der Hundekot in den Weinbergen ebenso intensiv, wie die Umsetzung von millionenschweren Bauprojekten.

„In Obertürkheim und Uhlbach sind wir mit unseren aktuellen Themen glücklicherweise in keiner Krise.“

Erst vor kurzem war ihre erste Einwohnerversammlung als Bezirksvorsteher: Welche lokalpolitischen Themen sind für die Bürger im Stadtbezirk gerade besonders präsent?

Ganz oben auf der Liste stehen die Verkehrsprobleme, wie Schleichverkehr, notwendige Temporeduzierungen oder die Sicherheit im Straßenverkehr. Aber auch die zunehmende Vermüllung im Bezirk, der ich seit meinem Amtsantritt verstärkt den Kampf angesagt habe, beschäftigt die Menschen sehr. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Erste Schritte sind gemacht: Die Kehrmaschinen fahren häufiger und die Zäune am Neckarersatzbach zeigen auch Wirkung. Ich finde, da sind wir auf einem guten Weg. Gerade beim Müll ist es so, dass ich auch nur appellieren kann: „Mensch, Leut‘ nehmet Euren Müll doch au wieder mit“. Denn dort wo nichts rumliegt, will auch niemand was rumliegen lassen.

Passend hierzu: Am 3. Dezember findet in Obertürkheim um 9.30 Uhr eine gemeinsame Putzaktion mit unserem Stadtoberhaupt, OB Frank Nopper statt. Start ist am Bahnhof.

„Wir konnten gemeinsam mit dem Gemeinderat in den letzten anderthalb Jahren gute kommunalpolitische Pflöcke setzen“

Auf welche Höhen und Tiefen blicken Sie im Jahr 2022 gerne beziehungsweise nicht so gerne zurück?

Ein besonderes Highlight in diesem Jahr war sicher, dass wir alle wieder gemeinsam im Ort ein Teil unserer Feste feiern konnten. Den Menschen hat diese Art der Begegnung gefehlt. Das habe bei meinen Festbesuchen auch immer wieder gemerkt und gesagt bekommen. Als Tiefschlag empfand ich wie viele andere den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Seit dem Tag Ende Februar ist nichts mehr so wie es war.

2023 steht vor der Tür: Auf welche Highlights freuen Sie sich, welche harten Nüsse bereiten Ihnen am meisten Sorgen?

Besonders freue ich mich unter anderem auf die weitere Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeirat. Obertürkheim verfügt über einen sehr aktives und in der Sache stets zielorientiertes Gremium. Wir konnten gemeinsam mit dem Gemeinderat in den letzten anderthalb Jahren gute kommunalpolitische Pflöcke setzen, wie die Sanierung des Alten Rathauses in Uhlbach oder die Sanierung der Toilettenanlagen auf dem Friedhof in Obertürkheim. Auch freue ich mich auf die weiteren Begegnungen mit den Menschen im Stadtbezirk. Bürgernähe ist für einen Bezirksvorsteher unverzichtbar. Harte Nuss? Da habe ich mal keine Sorgen. Meine Mutter ist eine waschechte Kölnerin ist. Von ihr habe ich die rheinische Frohnatur geerbt und halte es mit den Jecken: „Et kütt wie et kütt“. Thomas Graf-Miedaner

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