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Die Gastgeber von Colours mit neuen Uraufführungen zum Festival

Zur Festival-Eröffnung kreiert Starchoreograf Akram Khan mit „Turning of Bones“ erstmals für Gauthier Dance. Mit Barak Marshalls „Barker“ bekommt die Company ihr erstes Stück

Die Gastgeber von Colours mit neuen Uraufführungen zum Festival

Barak Marshall (Mitte) wird„Barker“ für die Gauthier Dance Juniors choreografieren. Foto: Jeanette Bak/

Mit den beiden Uraufführungen, welche die Haupt-Company von Gauthier Dance und die Juniors zum Colours International Dance Festival beitragen, erfüllen sich für Companychef Eric Gauthier gleich zwei Träume: Der eine war es, dass der Choreograf Akram Khan erstmals ein abendfüllendes Programm nicht - wie bislang immer - ausschließlich für seine eigene Company schaffen würde, sondern für Gauthier Dance. Der andere, dass die Company ein eigenes Kinderstück bekommt. Von Akram Khan wird „Turning of Bones“ seine Uraufführung im Rahmen des Festivals erleben. Barak Marshall, Artist in Residence, wird „Barker“ mit den Juniors beisteuern.

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Ins Gespräch gekommen waren Eric Gauthier und Akram Khan vor vier Jahren beim Festival. Dabei kam das madagassische Ritual der Erinnerung zur Sprache - Famadihana. Der Titel „Turning of Bones“ spielt auf diese Tradition an, wonach die Menschen die eingehüllten Überreste der Vorfahren aus den Gräbern holen, um sich neu mit ihren Ahnen und ihrem Erbe zu verbinden. Sie frischen die Namen auf den Tüchern auf, tragen die Knochen über ihren Köpfen und tanzen mit ihnen. Dieser Idee folgend wird nun die erste Hälfte des neuen Stückes Elemente bereits bestehender Werke von Akram Khan enthalten, beispielsweise aus „Jungle Book reimagined“ und „iTMOI (In the Mind of Igor)“, entstanden 2013 zum 100. Jubiläum von Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, dem frappierenden „Kopftanz“ aus dem abendfüllenden Solo „Desh“ über das Heimatland seines Vaters, Bangladesh, sowie den ergreifenden Pas de deux „Mud of Sorrow“, digital uraufgeführt im Pandemie-Winter 2021. Allen gemeinsam ist das Gefühl des Unbehagens und die Suche nach Sinn, welche die zunehmend orientierungslose Gesellschaft bestimmen. Die Ausschnitte werden über eine neu komponierte Musik von Aditya Prakash miteinander verwoben und münden in eine Neukreation, die titelgebend ist: „Turning of Bones“. Als Inspirationsquelle dient Khan sein Kurzfilm „Insirgents“ von 2023, der sich mit dem Phänomen des Mobs auseinandersetzt und damit, wie Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Ein Stück für Kinder? Für Barak Marshall heißt das vor allem: Sich einem Publikum zu stellen, das aufgrund seiner Ehrlichkeit womöglich besonders anspruchsvoll ist. Aber das sieht er vor allem positiv, hat Integrität doch für ihn und seine Arbeit einen sehr hohen Stellenwert. Was „Barker“ vermutlich von anderen, bisherigen Stücken unterscheiden wird, sind die interaktiven Anteile, die es auf jeden Fall haben soll. Warum überhaupt der Titel „Barker“? Das kann übersetzt ins Deutsche so viel wie „Marktschreier“ oder „Kläffer“ bedeuten. Im Tanzstück soll der Begriff aber nur indirekt aufscheinen. Denn die Juniors schlüpfen hier in die Rolle von Bediensteten, die von ihrer Herrschaft ziemlich wüst herumkommandiert werden - wie Hunde oder dressierte Zirkustiere. Das birgt allerhand Potenzial für komische Momente, zumal auch die Sprache, wie in vielen von Marhalls Stücken, eine Rolle spielen wird.

Das Stück spielt in den 1920-er Jahren, nicht lange nach der Russischen Revolution, in einem Klima der Paranoia vor dem Roten Terror. Inspiriert von den wilden Plots des Varieté-Theaters, dem Werk des jüdischen Autors und Zeichners Bruno Schulz („Die Zimtläden“) und Jean Genets „Die Zofen“, erzählt das Stück die Geschichte einer Rebellion: Denn die sechs Bediensteten proben den Aufstand gegen ihre - für das Publikum stets unsichtbare Herrschaft. Aber keine Sorge: „Barker“ soll alles andere als ein düsteres Sozialdrama werden, vielmehr eine witzig überzeichnete, hoffnungsvolle Reise in die Freiheit, untermalt von der lebhaften Musik des Balkans, wie beispielsweise Balkan Beat Box, aber auch der energiegeladene Sound von Tommy Dorsey oder Shye Ben Tzur könnte zu hören sein.

„Barker“, sagt Barak Marshall, sei für ihn eine Art Schwesterstück zu seiner früheren Arbeit „Monger“ (Krämer), in dem er auf andere Weise ebenfalls die Dynamik erforscht, die durch Hierarchie, Macht, freien Willen und den Kompromissen entsteht, die man eingeht, um zu überleben. „Barker“ soll aus mehreren verschiedenen Episoden zusammengesetzt sein. Denn es wird zwar primär für ein junges Publikum geschaffen, aber natürlich richtet es sich an Menschen aller Generationen. Durch seine märchenhafte Erzählweise, Zauber- und Puppentricks sowie reichlich Interaktion mit den Zuschauerinnen und Zuschauern können Menschen allen Alters Freude an dem knapp einstündigen Werk haben. Über den kritischen Inhalt kann man nachdenken, muss es aber nicht.

Von Gabriele Metsker


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