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WIRTSCHAFTSREPORT

Aktuelles aus der Region Stuttgart

WIRTSCHAFTSREPORT

Foto: Adobe Stock/Merklicht

Den ökologischen Fußabdruck reduzieren

Höhere Energiebeschaffungskosten erhöhen den Druck auf Unternehmen, sich Alternativen einfallen zu lassen. Eine Umstellung der Energieversorgung und die Steigerung der Effizienz können sich für Unternehmen auch finanziell lohnen. Firmen wie Trumpf, Bosch und Porsche arbeiten beständig an ihrer Klimastrategie.

Der Krieg in der Ukraine und die drastische Verteuerung und Verknappung etwa von Gas treffen nicht nur Privathaushalte, sondern auch Unternehmen hart. Die Krise erhöht den Druck auf die Wirtschaft, die Transformation bei der Energieversorgung noch stärker voranzutreiben.

Die Unternehmen im Großraum Stuttgart handeln dabei nicht erst jetzt. Beim Werkzeugmaschinenbauer Trumpf in Ditzingen etwa existiert seit zwei Jahren eine Klimastrategie, in der wir uns damit beschäftigen, wie wir unsere Emissionen reduzieren, welche Energie wir nutzen oder wie wir die Energieeffizienz verbessern können", sagt Susanne Hartlieb, bei Trumpf verantwortlich für Nachhaltigkeit: ,,Die aktuelle Krise hat dazu geführt, dass wir die geplanten Maßnahmen beschleunigt haben."

So sei im Sommer der Gasverbrauch um 50 Prozent gesenkt worden, teilweise indem Büros weniger gekühlt worden seien, teilweise durch den Einsatz einer Wärmepumpe. Und: ,,Wir haben einen großen Bedarf an Prozesskälte, etwa zur Kühlung von Lasern, und nutzen gezielt das Potenzial von Abwärme - zum Beispiel aus der Kälteerzeugung - für die Beheizung von Gebäuden." Trumpf investiert demnach 80 Millionen Euro zur Verbesserung der Energieeffizienz und in erneuerbare Energien und bemüht sich darum, den CO₂-Ausstoß der Produkte sowie beim Einkauf von Rohstoffen und Vorprodukten zu reduzieren. ,,Wir wollen die CO₂-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent senken, zu 100 Prozent Grünstrom einkaufen und, wo immer möglich, Fotovoltaik oder Geothermie an unseren Standorten nutzen. Bis zum Jahr 2027 wollen wir zehn Prozent unseres Strombedarfs aus eigenerzeugter erneuerbarer Energie decken", sagt Hartlieb. „Bei unseren Zielen orientieren wir uns an wissenschaftsbasierten Zahlen und folgen dem Reduktionspfad des Pariser Klimaabkommens, der eine maximale Erd-Erwärmung von 1,5 Grad vorsieht."

Der Technologiekonzern Bosch hat nach eigenen Angaben durch die 2020 erreichte weltweite Klimaneutralstellung ,,bereits ein hohes Maß an Energieeffizienz“ erreicht. Nur 20 Prozent des Energiebedarfs werde mit Gas gedeckt. „Unser Hauptenergieträger ist Strom, den wir im Wesentlichen als Grünstrom beziehen. Das hilft uns als Unternehmen auch in der aktuellen Situation", heißt es in der Hauptverwaltung in Gerlingen.

Bosch baut die regenerative Eigenerzeugung von Energie gezielt aus. Allein 2021 seien 29 neue Installationen mit einer jährlichen Erzeugungskapazität von 19 Gigawattstunden (GWh) hinzugekommen. Unter der Überschrift „New Clean Power" soll dieser Kurs fortgesetzt werden - sowohl durch Eigenerzeugung an den Standorten als auch über langfristige Bezugsverträge, die den externen Bau neuer Fotovoltaikanlagen oder Windparks erst ermöglichen".

400 Gigawattstunden (GWh) des jährlichen Energiebedarfs will der Bosch-Konzern bis zum Jahr 2030 regenerativ selbst produzieren.

Bis 2030 sollen 400 GWh des jährlichen Energiebedarfs an den Standorten regenerativ selbst erzeugt werden. Ende 2021 seien 23 Prozent dieses Zielwertes erreicht gewesen. Im Zentrum bei Bosch steht die Fotovoltaik, aber am Standort Blaichach betreibt der Konzern sogar ein Wasserkraftwerk. Parallel dazu habe man in vielen Ländern, darunter Deutschland, langfristige Bezugsverträge mit Energieversorgern geschlossen und so den Bau neuer Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung ermöglicht.

Außerdem setze man viele Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz um, um weiter CO₂ einzusparen. Bosch wolle die Energieeffizienz durch kurzfristige Maßnahmen weiter optimieren und habe durch ,,energieoptimiertes Verhalten im Jahresvergleich einen geringeren Verbrauch von knapp 15 Prozent verzeichnet“. Dieses Niveau wolle man halten und die bisherigen Gaseinsparungen "in Abhängigkeit des Winters" steigern. Ziel sei es, an den Standorten Maßnahmen mit einem Einsparpotenzial von insgesamt 1,7 Terawattstunden (TWh) zu realisieren". Dafür habe Bosch bis 2030 ein Jahresbudget von 100 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Autobauer Porsche arbeitet auf eine bilanziell CO₂-neutrale Wertschöpfungskette 2030 hin. Das bezieht sich nicht nur auf eine Elektrifizierungsstrategie, sondern auch auf die „Reduzierung der Emissionen des Unternehmens und seiner Produkte entlang des kompletten Lebenszyklus"", so das Unternehmen: ,,Einen wesentlichen Teilbereich im Dekarbonisierungsprogramm bildet die Produktion und die Vision einer Zero Impact Factory." Porsche verstehe Nachhaltigkeit ganzheitlich-,,wirtschaftlich, ökologisch und sozial". Die Zero Impact Factory ziele darauf ab, den ökologischen Fußabdruck stark zu reduzieren.

Bis 2030 sollen die so genannten „Umweltbelastungspunkte", die es erlaubten, Ziele zu messen, an den Standorten Stuttgart-Zuffenhausen und Leipzig um 95 Prozent gesenkt werden. Das bezieht dem Unternehmen zufolge Ressourcen-, Material- und Energieeffizienz sowie effiziente Wassernutzung, aber auch die Logistik, ein.

An beiden Standorten sowie im Entwicklungszentrum Weissach würden die Fahrzeuge „vollständig bilanziell CO₂-neutral gefertigt", teilt Porsche mit. Bilanziell sei der CO₂-Ausstoß in der Produktion seit 2014 um 90 Prozent reduziert worden. So werde 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen genutzt oder in Zuffenhausen Wärme mit eigenen Blockheizkraftwerken erzeugt, die kohlendioxidneutral mit Biomethan betrieben würden.

Interessanter Nebenaspekt: Die Maßnahmen wirkten nicht nur positiv auf die Umwelt aus, sondern sind darüber hinaus auch kostensenkend. Gerhard Bläske


Auf dem Weg zum nachhaltigen Computer

Der ganz grüne Rechner ist es nicht, aber ein paar kleine Schritte in diese Richtung. Hersteller setzen bei Computern stärker auf recycelte Materialien oder auf leicht zu entsorgende Verpackungen. Ein Trend? Für die Konsumenten ist Nachhaltigkeit jedenfalls ein Thema.

Beim Anblick von Lenovos neuen Thinkpads Z13 und Z16 sprießen nicht unbedingt Bäume oder der pazifische Müllstrudel verschwindet. Aber die im Rahmen der Technikmesse CES vorgestellten Business-Notebooks bestehen immerhin zu einem Teil aus wiederverwerteten Materialien. Auch der Hersteller selbst verkauft die Notebooks nicht als grün. Man nennt das recycelte Aluminium oder das recycelte schwarze Kunstleder zutreffend ,,nachhaltigere Materialien".

Im Netzteil sind laut Hersteller 90 Prozent Bestandteile aus Post-Consumer Content hergestellt. Soll heißen: Da stecken zum Beispiel recycelte PET-Flaschen aus dem Müll drin, Metalle aus dem Elektroschrott oder andere in neue Form gebrachte Werkstoffe. Die Verpackung der Thinkpads besteht aus kompostierbarem Bambus und Zuckerrohr. Neben Lenovo zeigte auch Asus im Rahmen der CES neue Notebooks mit Verpackungen, die sich entweder leicht recyceln lassen oder aus wiederverwerteten Materialien bestehen. Oder die Packung hat einen Zweitnutzen: Bei der Space Edition des Asus ZenBook 14X OLED wird die Packung zum geneigten Notebookständer.

Wiederverwendbare Verpackungen

Lenovo und Asus sind nicht die einzigen Hersteller, die in Sachen Materialeinsatz einen nachhaltigeren Weg gehen. Auch Apple setzt in der Produktion teils auf recycelte Metalle und andere Werkstoffe. Auch Samsung arbeitet seit einigen Jahren mit Verpackungen, die sich entweder leicht recyceln oder auch teils wiederverwenden lassen. Bei neuen Smartphones legen die Koreaner, wie auch Apple, kein Netzteil mehr bei - durch die kleineren Verpackungen werden Materialien eingespart.

Wie weit und schnell nachhaltigere Produktion in der Branche Fuß fassen wird, lässt sich laut Lewis Ward vom Marktanalysten IDC bislang schlecht objektiv messen. „Der Klimawandel ist ein externes Problem, und wenige Unternehmen verstehen bislang die positiven Langzeiteffekte einer nachhaltigeren Produktion", sagt er. Er erwartet Veränderungen eher durch politische Anreize.

Für die Käuferinnen und Käufer ist Nachhaltigkeit bereits ein Thema. Das zeigt der Nachhaltigkeitsreport 2021 der Unternehmensberatung Simon-Kucher. Rund vier von fünf Befragten halten Nachhaltigkeit für wichtig und würden gern nachhaltiger leben. Immerhin für jeden Zweiten (50 Prozent) ist die Nachhaltigkeit ein wichtiges Kaufkriterium - aber eben auch nicht das einzige.

Die Marktforscher der GfK sehen die Nachhaltigkeit als Konsumenten-Trend für 2022. Zwei Drittel (69 Prozent) der befragten Teilnehmer des Consumer Panel Deutschland fordern etwa von Unternehmen möglichst umweltbewusstes Verhalten. Zum Beispiel durch den Einsatz umweltfreundlicher Materialien.

Grünere Produkte sind teurer

„Die schmutzige Wahrheit", so sagt IDC-Analyst Lewis Ward, sei aber auch, dass eine „grünere" Produktion zu einem höheren Preis führe. Nicht umsonst sind etwa Lenovos Notebooks mit Recycling-Aluminium, aber auch Samsungs in Ökopappe verpackte Fernseher oder die Smartphones ohne Netzteil eher nicht im Niedrigpreissegment angesiedelt. Zum Aufpreis für die Nachhaltigkeit sind laut Simon-Kucher-Report erst rund ein Drittel der Befragten (34 Prozent) bereit. Bei Lenovo ist das zum Teil bald möglich. Wer den CO₂-Fußabdruck seines Notebooks kompensieren möchte, kann dies bei den neuen Yoga- und Legion-Modellen tun. Wählt man beim Kauf über den Onlineshop den optionalen Offset, wird eine Zusatzgebühr erhoben. Sie errechnet sich laut Lenovo aus den typischen Emissionen der durchschnittlichen Gerätelaufzeit. Das Geld fließt in mehrere Climate-Action-Projekte der Vereinten Nationen.

Neben solchen Initiativen haben Käufer elektronischer Geräte die Möglichkeit zum freiwilligen Ausgleich von Emissionen. Das Umweltbundesamt hat einen kostenlosen Ratgeber veröffentlicht. In dem wird erklärt, wie man seriöse Anbieter und sinnvolle Projekte findet. dpa/tmn

www.umweltbundesamt.de

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