Cannstatts Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler und Jürgen Mutz, der Leiter des Stuttgarter Tiefbauamts, haben am 12. Dezember die neue Behelfsbrücke über den Neckar freigegeben. Die Querung steht an der gleichen Stelle, an der die Rosensteinbrücke über den Fluss führte. Doch allzu viel Verkehr herrscht an diesem Januartag dort nicht. Die Fußgängerinnen und Fußgänger, aber auch Radfahrer, nutzen lieber die nur wenige Meter östlich gelegene Wilhelmsbrücke, die eigentlich aufgrund ihres schlechten Bauwerkszustands für jeglichen Verkehr gesperrt ist.
Die Umleitung ist ausgeschildert, doch kaum jemand hält sich an die Anweisungen und läuft die rund 150 Meter zur behelfsmäßigen Brückenkonstruktion. Allein, in Gruppen, zu Fuß und auf dem Rad passieren die Menschen die zur Seite geschobene Absperrung und nehmen den Weg über die Wilhelmsbrücke.
Aus rechtlichen Gründen habe die Stadt die Wilhelmsbrücke schließen müssen, die Standfestigkeit könne nicht überprüft und somit nicht gewährleistet werden“, erklärt Bezirksvorsteher Löffler. „Bisher hat man mit schlechtem Gewissen offen gelassen, doch jetzt ist die Behelfsbrücke da.“ Dem Bezirksvorsteher ist der Schleichverkehr über den seit dem 16. Dezember gesperrten Flussübergang aber nicht entgangen. Die Barrieren würden täglich wieder eingerichtet und seien genauso schnell wieder weggeräumt, erklärt Bernd-Marcel Löffler. Doch durch die Sperrung sei die Stadt nun auf der sicheren Seite.„Wer darüberläuft oder mit dem Rad fährt, tut es auf eigenes Risiko.“
Die Übergangsbrücke wird vier, fünf Jahre im Einsatz sein

Die Stadt hat viel Geld für die neue provisorische Flussüberquerung in die Hand genommen. Der Rückbau der baufälligen Rosensteinbrücke war nicht nur ein Kraftakt mit vielen Hindernissen, sondern mit rund zehn Millionen Euro auch nicht gerade billig. Im Juli 2024 hatte ein riesiger Raupenkran das letzte, rund 90 Tonnen schwere Reststück des rund 70 Jahre alten Bauwerks herausgehoben und auf ein Binnenschiff zum Abtransport verladen. Danach klaffte lange eine Lücke
Die Stadt hat viel Geld für die neue provisorische Flussüberquerung in die Hand genommen. Der Rückbau der baufälligen Rosensteinbrücke war nicht nur ein Kraftakt mit vielen Hindernissen, sondern mit rund zehn Millionen Euro auch nicht gerade billig. Im Juli 2024 hatte ein riesiger Raupenkran das letzte, rund 90 Tonnen schwere Reststück des rund 70 Jahre alten Bauwerks herausgehoben und auf ein Binnenschiff zum Abtransport verladen. Danach klaffte lange eine Lücke zwischen der Cannstatter Altstadt und dem Vorfeld des Wilhelma-Theaters.
Weil klar war, dass die Wilhelmsbrücke ebenfalls abgerissen werden muss, die wichtige Wegeverbindung zwischen der Neckarvorstadt und der Altstadt von Bad Cannstatt nicht unterbrochen werden soll, musste ein Interimsbauwerk her. Die Gesamtkosten dafür wurden vom Tiefbauamt im Jahr 2023 auf 2,1 Millionen Euro beziffert. Doch die Ausschreibung war erfolglos, es kam kein adäquates Angebot. Jetzt steht die Behelfsbrücke, die allerdings wesentlich teurer war als zunächst veranschlagt. Rund 5,3 Millionen Euro hat die 70 Meter lange und rund 5 Meter breite Übergangsbrücke gekostet, die aus einem vollverzinkten Stahlfachwerk besteht und mit einem glasfaserverstärkten Belag ausgestattet ist. Doch die Investition sei nötig gewesen, so Löffler, um die Cannstatter Altstadt nicht komplett abzuhängen. Vier, fünf Jahre wird sie im Einsatz sein. Der Beginn für den Bau einer neuen Stahlbrücke ist nach derzeitiger Planung für 2028 vorgesehen.
In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll die Wilhelmsbrücke abgerissen werden. Vielleicht müsse man aber bis zum geplanten Rückbau gemeinsam mit dem Tiefbauamt eine andere Lösung für die Absperrung finden, so Bernd-Marcel Löffler.
Von Eva Herschmann