Cordula Polster ist mit Leib und Seele Schauspielerin und hat schon in vielen Städten auf den unterschiedlichsten Bühnen gestanden, unter anderem auch auf der im Stuttgarter Schauspielhaus. Doch nachhaltig beeinflusst haben ihr Leben die Auftritte mit „Mondscheintarif“ und „Gretchen 89ff“ auf dem Theaterschiff in Heilbronn.
„Danach hatte ich eine Idee im Kopf“, erzählt Cordula Polster. Sie hat einen ehemaligen Futtermittelfrachter zur Theaterbühne mit Bar und Gastronomie umbauen lassen. Seit 2008 liegt das beliebte „Theaterschiff Stuttgart“ am Cannstatter Neckarufer Mühlgrün vor Anker. Jedes Mal, wenn ein anderes Schiff beim Vorbeifahren Wellen auf dem Neckar macht, wird auch das Theaterschiff in leichte Bewegungen versetzt. Für die Besucherinnen und Besucher im fensterlosen Theatersaal kommt das leichte Schwanken während der Vorstellungen ohne Vorwarnung, erzählt die Schiffseignerin.„Das hat schon was ganz Besonderes.“ Und es ist nicht das einzige, was auf dem ehemaligen Güterschiff auf dem Fluss besonders ist.


Cordula Polster, die in der Nähe von Heilbronn lebt, hat lange nach einem geeigneten Schiff gesucht. Doch das Schicksal half. Ein Bekannter von ihr kannte ein Binnenschiffer-Ehepaar, das in Rente gehen und seinen fahrbaren und schwimmenden Untersatz namens Frauenlob verkaufen wollte. Auf dem mittlerweile fast 100 Jahre alten, 69 Meter langen und sieben Meter breiten Frachtschiff mit Heimathafen Heilbronn, lebt sie nun ihren Traum vom eigenen Theaterschiff. Verwirklicht hat sie ihn mit viel Eigenleistung und Einsatz, mit vielen Stunden Autofahrt und oft genug mit dem Pinsel in der Hand.
Der Bauch des alten Frachters wurde zu einem Theatersaal mit 160 Sitzplätzen und einer rund 35 Quadratmeter großen Bühne umgestaltet. „Bei Bedarf haben wir sogar eine Drehbühne, die wir einbauen können“, sagt die Theaterschiff-Intendantin und -Regisseurin in Personalunion, die im Falle eines Ausfalls von Kolleginnen immer mal wieder auch selbst auf der Bühne steht. Ein Teil der Wohnung der ehemaligen Eigner wurde zur Maske umfunktioniert, und Regie-Raum und Technik eingebaut, und das Schiff wurde an die Kanalisation angeschlossen. Es gibt eine stilvolle Frauenlobbar mit Gastronomie, in der die Gäste vor der Vorstellung in gemütlichem und stilvollem Ambiente mehr als nur eine Kleinigkeit zu sich nehmen können. Außerdem lädt das Schiff im Sommer zum Aperitif vor dem Theaterstück auf sein 400 Quadratmeter großes Sonnendeck ein. „Ich liebe das Schiff und bin beseelt davon“, sagt die Intendantin, Regisseurin und Schauspielerin. Erst Anfang März startete das Stück „Der letzte der feurigen Liebhaber“. Die Komödie von Erfolgsautor Neil Simon spielt noch bis Ende April auf der Schiffsbühne. Das Stück zählt zu den Klassikern auf dem Theaterschiff Stuttgart. „Das haben wir schon oft gespielt, achtmal insgesamt, das ist eine Laufzeit von 1,6 Jahren, und die Leute feiern das Stück jedes Mal“, sagt Cordula Polster, die wie fast immer auch beim „Letzten der feurigen Liebhaber“ Regie geführt hat.
Zeit für Theater
Sechs Produktionen im Jahr - ausschließlich Komödien - werden auf der Bühne des Theaterschiffs immer sieben Wochen lang gespielt.„Und bei Erfolgsstücken wiederholen wir auch“, sagt Cordula Polster. In der Zeit, in der ihre Kolleginnen und Kollegen auf dem Theaterschiff gastieren, sind sie fest angestellt. Sie hat auch ein Team an Mitarbeitern, alles Mini-Jobber, die „wie eine große Familie sind“. Fördermittel bekommt sie keine. „Aber das Boot trägt sich zum Glück selbst, ich kann gut satt werden.“
In diesem Jahr wird sie auch zum ersten Mal eine Sommerpause einlegen.„Und zwar im Juli und August“, sagt Cordula Polster, die zudem zwei Kapitäne aus Heilbronn in der Hinterhand hat, falls das Schiff bewegt werden, muss.
Denn alle fünf Jahre muss das Frachtschiff, obschon es nicht auf Flüssen unterwegs ist, sondern fest auf dem angemieteten Liegeplatz in Bad Cannstatt vor Anker liegt, auf die Werft in Neckarsteinach. Dort wartet der Schiffs-Tüv auf das Boot, die ZSUK-Prüfung der Zentralen Schiffuntersuchungskommission, denn das Theaterschiff muss im Falle eines Hochwassers fahrbereit sein.