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Demenzfreundliches Bad Cannstatt: Für Teilhabe und Verständnis

Demenz-Netzwerk hat Infostand beim Niklasmarkt am 9. Dezember mit Mitmachaktionen, Demenzsimulator und Notfalldosen mit Flyern in verschiedenen Sprachen.

Demenzfreundliches Bad Cannstatt: Für Teilhabe und Verständnis

Menschen mit Demenz sowie ihre Angehörigen werden unterstützt. Fotos: Eva Herschmann

Rund 1,8 Millionen Deutsche sind von Demenz betroffen. In Baden-Württemberg sind es rund 215 000 Menschen, das heißt, etwa jede oder jeder Dritte der über 90-Jährigen. Stuttgart hat rund 7 000 Bürgerinnen und Bürger, die diese Diagnose erhalten haben, und mehr als 1 000 von ihnen leben in Bad Cannstatt. Für sie wurde das Netzwerk „Gemeinsam für ein demenzfreundliches Bad Cannstatt“ gegründet, das Betroffenen ein abwechslungsreiches Programm und Unterstützung bietet.

Nur ein Drittel der Menschen mit Demenz leben in stationären Pflegeheimen, die Mehrheit wohnt zuhause und rund 80 Prozent davon werden von Angehörigen versorgt. Für sie alle haben sich verschiedene soziale Träger, Einrichtungen und Dienste in Bad Cannstatt zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie Menschen mit Demenz sowie ihre Angehörigen unterstützen und eine demenzfreundlichen Umgebung in Bad Cannstatt schaffen.

„Unser Anliegen ist es, eine Umgebung in Bad Cannstatt zu schaffen, in der sich Menschen mit Demenz willkommen, sicher und unterstützt fühlen“, sagt Bettina Oehl, Diplom-Sozialarbeiterin beim Caritasverband für Stuttgart und Anlaufstelle für gerontopsychiatrische Beratung, kurz Gerbera, im Cannstatter Netzwerk. „Und wir arbeiten auch daran, das Stigma abzubauen und das Verständnis für Demenz zu fördern.“ Dies geschehe zum einen über eine Sensibilisierung der Gesellschaft – zum Beispiel mit einem Leitfaden für Einzelhändler zum Umgang mit Demenzkranken – und über Begegnungen. Aber auch durch die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements. Denn bis 2030 wird es im Vergleich zu heute 40 Prozent mehr Menschen mit Demenz geben, das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Studie prognostiziert, die im vergangenen Herbst veröffentlicht wurde.

Das Netzwerk „Gemeinsam für ein demenzfreundliches Bad Cannstatt“ bietet eine Vielzahl von Aktivitäten und Programmen, die dazu beitragen, dass Menschen mit Demenz aktiv und in der Gemeinschaft eingebunden bleiben. Dazu gehören regelmäßige Workshops, Unterstützungsangebote und soziale Veranstaltungen. Und natürlich treffen sich die Kooperationspartner regelmäßig an runden Tischen und in Arbeitsgruppen, um sich auszutauschen, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. „Wir haben auch in diesem Jahr wieder den historischen Stadtspaziergang in Kooperation mit der Begegnungsstätte Cannstatter Brücke und dem Verein Pro Alt Cannstatt durchgeführt“, erzählt Bettina Oehl. Das Format, eine etwa einstündige barrierefreie kleine Stadtführung mit anschließendem Beisammensein in der Begegnungsstätte, habe sich bewährt. Die Themen seien auch abwechslungsreich gewesen: Fachwerkhäuser in Bad Cannstatt, Friedenskirche, Brunnenführung oder ein Rundgang zu alten Cannstatter Firmen standen unter anderem auf dem Programm. „Aufgrund der großen Nachfrage soll es auch im nächsten Jahr wieder weitergehen“, sagt Bettina Oehl. Beim Lauftreff beziehungsweise beim flotten Spaziergang für Ältere, eine Kooperation mit dem Turnverein Bad Cannstatt immer freitags von 10 bis 11 Uhr, seien weitere bewegungsfreudige Interessierte herzlich willkommen.

Ein neues Format seit rund einem Jahr ist die Besichtigung eines ungewöhnlichen Ortes wie Feuerwehrhaus, Sommerrain, altes Rathaus in Bad Cannstatt, Travertinpark und Liebfrauenkirche mit anschließendem Beisammensein im jeweiligen Quartier. „Zum einen sollen die Besuche bei den Betroffenen Erinnerungen wecken, aber auch den Angehörigen etwas bringen, etwa wenn sie wissen, an wen sie sich zum Beispiel im Rathaus wenden können“, sagt Bettina Oehl.

Infostand beim Niklasmarkt

Lebensretter: Die Notfalldose.
Lebensretter: Die Notfalldose.

Auch auf dem Niklasmarkt am Samstag, 9. Dezember, ist das Netzwerk mit einem Infostand vertreten. „Dort gibt es Mitmachaktionen, den Demenzsimulator und unsere Notfalldosen mit Flyern in verschiedenen Sprachen, die es auch in allen Apotheken gibt“, so Bettina Oehl. Wichtig für ein demenzfreundliches Bad Cannstatt ist auch die Quartiersarbeit. Dazu gehöre das Verteilen von Infomaterial durch Schlüsselpersonen und Kooperationspartner vor Ort, erklärt Bettina Oehl. Und auch die Organisation von inklusiven Besichtigungsangeboten und Infoveranstaltungen in den Quartieren. „Wir suchen Ehrenamtliche, die uns dabei unterstützen.“

Doch jetzt freuen sich alle im Netzwerk Engagierten erst einmal auf das „1. Stuttgarter Filmfest der Generationen“. Zur Premiere wird an diesem Freitag, 10. November, im Sitzungssaal des Bezirksamts Cannstatt „Der Geschmack von Apfelkernen“ gezeigt, ein, wie es heißt, „bewegender Film über die Liebe, den Tod und das Vergessen“. Die Vorführung beginnt um 17 Uhr. „Leider ist der Saal in diesem Jahr nicht barrierefrei, weil der Aufzug kaputt ist“, bedauert Bettina Oehl, die sich dennoch – ebenso wie die anderen Demenz-Netzwerker – auf viele Zuschauer freut. Eva Herschmann

Mehr Infos gibt es auf der Website www.demenzfreundliches-bad-cannstatt.de

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