Das SSB-Zentrum, die Dekra, ein großer Baumarkt, das Regierungspräsidium, die großen Unternehmen Scharr und Lapp - das fällt einem auf die Schnelle ein, wenn man an das Gebiet Wallgraben denkt. Wer zwischen der Nord-Süd-Straße und Vaihingen schon mal zu Fuß etwas gesucht hat, weiß, dass die Fläche, auf der die Bezirke Vaihingen und Möhringen aufeinandertreffen, nicht klein ist. „Ein typisches Industriegebiet“, so ordnen die meisten den Bereich rund um den Sindelbach ein.
Tatsache ist, dass das Gewerbegebiet Vaihingen / Möhringen das größte Gewerbegebiet der baden-württembergischen Landeshauptstadt ist. Und dass hier Traditionsunternehmen angesiedelt sind. „Ich kenne die Gegend aus meinen Kindheitserinnerungen sehr gut“, sagt beispielsweise Andreas Lapp, Aufsichtsratsvorsitzender der U.I.Lapp GmbH und Vorstand des Vereins Werk-Quartier Stuttgart e.V. In seiner Kindheit habe er zwischen Kabeltrommeln und am Schwarzbach zwischen den Streuobstwiesen gespielt und dort jeden Stein umgedreht.
Heute beschäftigt Lapp am Standort etwa 1200 Mitarbeitende. „Mein Ziel ist es, dass sich die Menschen, die hier leben und arbeiten, wohl fühlen, dass sie sicher herkommen und auch sicher wieder wegkommen“, so Andreas Lapp weiter. „Ich könnte mir vorstellen, dass das Werk-Quartier zu einem Vorzeigegebiet werden könnte für Stuttgart und für Baden-Württemberg.“ Das Gebiet stehe für 50 Prozent der Gewerbesteuer der Landeshauptstadt. Andreas Lapp ist auch der Gründer des Vereins Werk-Quartier Stuttgart. Er ist der Motor des Projekts und sein Anliegen ist es, nicht ein weitläufiges Industriegelände ohne räumlichen Zusammenhang zu haben. Mit vielen weiteren Projektpartnern arbeitet er an einem Konzept, das Orientierung bietet, eine Aufenthaltsqualität mit sich bringt, das sich infrastrukturellen Gegebenheiten anpasst, aber so transparent ist, dass bauliche Veränderungen möglich sein müssen.
In einer Skizze, die auf der Homepage des Vereins zu finden ist - unter www.am-wallgraben.de - findet man Bausteine, was sich die Initiatoren des Werk-Quartiers vorstellen können. Da ist eine „Grüne Schiene“ vorgesehen, ein Loop, eine WallAllee oder Oasen. „Gemeinsam mit renommierten Stadt- und Verkehrsplanern und ortsansässigen Firmen wurde ein Gesamtkonzept für das Gebiet entwickelt, das ein Zukunftsbild aufzeigt“, sagt Andreas Lapp. Darin berücksichtigt sind folgende Punkte: sichere und attraktive Radwege, mehr Begrünung, ein kleines Zentrum und Bildungsangebote, darunter eine Kindertagesstätte. Kurzum: Ein vielseitiger Ort, an dem Leben und Arbeiten eins werden.
Und es hat sich ja auch schon einiges in den vergangenen Jahren getan: so ist beispielsweise die Stadtbahnlinie U12 Richtung Dürrlewang verlängert worden. „Die Bauaktivitäten von Daimler und Allianz schreiten voran“, sagt Lapp. 40 000 Beschäftigte haben sich bereits im Gebiet angesiedelt beziehungsweise werden im wünschenswerten„Werk-Quartier“ tätig sein.
Nicht zu vergessen sind außerdem zahlreiche Sportplätze und Vereinsgelände, die sich an das Quartier anschließen. „Viele Vaihinger und Möhringer schicken ihre Kinder bereits in Sportvereine, Tanz- oder Musikschulen im Gebiet, viele Menschen verdienen bei ortsansässigen Unternehmen im Quartier ihre Brötchen.“
„Ein starker Katalysator für die Veränderung des Gewerbegebiets Vaihingen/Möhringen war die Corona-Zeit“, sagt Dominic-Marc Siegesmund, Geschäftsführer VELS und Vorstand Werk-Quartier Stuttgart. 2021 gründete sich der Verein Werk-Quartier Stuttgart. Manche Zustände nach der Pandemie seien wie zuvor: „Die alten Probleme, wie die Erreichbarkeit ins Gebiet und die allmorgendliche Suche nach freien Parkmöglichkeiten gewinnen an Dringlichkeit und Wichtigkeit.“ Im engen Kontakt stehe man mit den Partnerbüros für Städteplanung (MESS Stadtplaner) und Verkehrsplanung (Durth Roos Consulting GmbH). Durch Mitgliedschaften in Projekten wie der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA27) findet ein Austausch mit anderen Vereinen, Architekten und Fachplanern statt. Von Katrin Schenk