Anzeige
Bauen & Wohnen

Wenn die Heizung schlappmacht

Heizung. Spätestens wenn nichts mehr geht, lohnt es sich, über einen Heizungsaustausch nachzudenken. Nicht nur, um nicht zu frieren, sondern auch, weil vielleicht manches Ersatzteil schwer zu beschaffen ist.

Foto: LBS/Taubert

22.11.2021

Jetzt ist die richtige Zeit, die Renovierung oder Sanierung der eigenen Immobilie zu planen und dann im kommenden Frühjahr umzusetzen.

„Nicht jede Heizung passt für altes Gemäuer,“ sagt Bauingenieurin Tina Götsch. Als freie Energieberaterin für Wohn- und Nichtwohngebäude ist sie unter anderem auch für die Verbraucherzentrale tätig und weiß: „Im besten Fall geht einer neuen Heizung die energetische Sanierung des Hauses voraus, aber das klappt eben nicht immer.“ Wer bislang mit Gas oder Öl geheizt hat, kann mit einem neuen Gas- und Ölkessel mit Brennwerttechnik, bei dem auch noch die im Abgas enthaltene Wärme zum Heizen benutzt wird, weitaus höhere Wirkungsgrade erreichen als mit der alten Heizung. „Aufgrund des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes in Baden-Württemberg ist nachzuweisen, dass zusammen mit dem Heizungstausch auch 15 Prozent erneuerbare Energie eingesetzt wurden,“ erklärt Tina Götsch. Mittels Solarthermie oder Fotovoltaik lässt sich dies beispielsweise erreichen, wie gegebenenfalls durch einen bestimmten Anteil an Bio-Heizöl bzw. Bio-Heizgas. „Der Umstieg auf Heizungen mit Holz und Pellets bietet sich in allen Altbauten zum umweltfreundlichen und effizienten Heizen an“, fährt Götsch fort. Ein Lagerplatz für das Heizgut ist hier allerdings wichtig.

Erdgas Südwest

Nur bedingt geeignet für nicht energetisch sanierte Altbauten sind Wärmepumpen, die die Wärme aus der Umwelt nutzen. Tina Götsch: „Strombetriebene Wärmepumpen arbeiten nur wirtschaftlich bei einer geringen Vorlauftemperatur, wie etwa bei einer Fußbodenheizung oder groß dimensionierten Heizkörpern gegeben.“

Die innovativen, modernen Heizsysteme, Brennstoffzelle und Blockheizkraftwerk (BHKW), produzieren sowohl Strom als auch Wärme. Für die Brennstoffzelle ist ein Gasanschluss Voraussetzung oder ein Biogas-Tank, BHKWs können auch mit Hackschnitzeln betrieben werden. „Da das BHKW nur ab einer bestimmten Größe rentabel ist und üblicherweise im Dauerbetrieb läuft, eignet es sich für ein Einfamilienhaus oft nicht“, sagt die Fachfrau in Sachen Energie. Es gibt auch Fördermittel. So etwa für die Brennstoffzellenheizung von der KfW-Bank oder für den Heizungsaustausch allgemein vom Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle). Auch Nebenarbeiten werden gefördert, wie etwa der Einbau einer Fußbodenheizung, die eine Wärmepumpe erst effizient arbeiten lässt. Wichtig ist es, die Förderanträge vor Beginn der Heizungserneuerung einzureichen.

„Holen Sie den Rat unabhängiger Energieberaterinnen und -berater ein,“ rät Tina Götsch. Die Energieberater der Verbraucherzentralen etwa bieten einen Eignungscheck Heizung an und informieren vor dem Heizungswechsel über die besten Möglichkeiten. Julia Alber

https://verbraucherzentrale-energieberatung.de/beratung/zu-hause/eignungs-check-heizung/


Denkmalschutz: Teuer, aber auch gefördert

Förderung. Alte, geschichtsträchtige Gebäude haben ein ganz besonderes Flair.

Um mit alter Bausubstanz richtig umzugehen, sind Profis gefragt. Zum einen Handwerksbetriebe, die firm im Umgang mit alten Techniken sind, sich für Aufgaben in der Denkmalpflege qualifiziert haben. Und zum anderen Bausachverständige, die zusätzliche Qualifikation für die Sanierung von unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden erworben haben. Aufgrund der Vorschriften bei denkmalgeschützten Gebäuden hinsichtlich der baulichen Veränderungen, wie etwa auch der Baustoffauswahl, ist mit weit mehr Zeitaufwand und höheren Kosten zu rechnen als bei herkömmlichen Baumaßnahmen dieser Art. Dagegen kann ein Baudenkmal zu erhalten, aber auch mit Steuervorteilen einhergehen, und denkmalgeschützte Gebäude haben eine Sonderstellung bei der Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen.

ENERGIEKOSTEN IM FOKUS

Bei alten Gebäuden mit schlechter oder gar nicht vorhandener Dämmung und veralteten Heizungsanlagen ist es essenziell, gegen hohe Energie- und Heizkosten vorzugehen. Eine komplette Sanierung zum Effizienzhaus wie bei „normalen Gebäuden“ stößt an Grenzen. Die Fördervoraussetzungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind daher auch vereinfacht. Das wichtigste Förderprogramm der KfW für denkmalgeschützte Gebäude ist die sogenannte KfW-Effizienzhaus Denkmalschutz Förderung. Fünf Effizienzhaus-Stufen gibt es, die für den Energiebedarf eines Gebäudes stehen. Um eine Förderung im Rahmen der KfW-Effizienzhaus Denkmalschutz Förderung zu erhalten, darf der Primärenergiebedarf des Gebäudes in einem Jahr maximal 160 Prozent des Wertes betragen, der für ein vergleichbares Referenzgebäude nach dem Gebäudeenergiegesetz gilt, das heißt, der Energiebedarf darf also 60 Prozent schlechter sein.

EFFIZIENZHAUS DENKMAL

Über die Förderung „Effizienzhaus Denkmal“ gibt es je Wohneinheit einen Kredit in Höhe von maximal 120 000 Euro mit 25 Prozent Tilgungszuschuss, um den sich der zurückzuzahlende Darlehensbetrag gegebenenfalls reduziert und die Laufzeit des Darlehens verkürzt, oder einen Investitionszuschuss über 30 000 Euro. Etwas höher fällt die Förderung beim „Effizienzhaus Denkmal Erneuerbare Energien Klasse“ aus. Der Kredit je Wohneinheit kann hier maximal 150 000 Euro betragen mit 30 Prozent Tilgungszuschuss, oder es gibt auch einen Investitionszuschuss von maximal 45 000 Euro. Die Voraussetzungen hierbei: Mindestens 55 Prozent des Energiebedarfs des Gebäudes müssen durch den Einsatz erneuerbarer Energie erbracht werden oder gegebenenfalls auch durch Abwärme, die sich nicht vermeiden lässt. Ob Förderkredit oder Zuschuss, die Abwicklung der KfW-Förderung erfolgt über Bank, Bausparkasse, Sparkasse oder Versicherung. Entscheidend, damit es mit der Förderung klappt: einen anerkannten Sachverständigen suchen, der bestätigt, dass er die Sanierungsmaßnahmen begleitet.

Diese Energieeffizienz-Experten können die Einsparpotenziale eines Gebäudes identifizieren, wissen um die sinnvolle Planung und Umsetzung energetischer Sanierungsmaßnahmen wie auch um deren Förderung. Bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) sind sie in der Expertenliste des Bundes für Förderprogramme unter dem Stichwort „Effizienzhaus Denkmal“ aufgeführt. Bei der Denkmalschutzbehörde die Erlaubnis für das Vorhaben einholen und keinesfalls mit irgendwelchen Bauarbeiten vor dem Antrag auf Förderung beginnen.

Steht das denkmalgeschützte Gebäude in einem städtebaulichen Sanierungsgebiet, dann könnte es auch Zuschüsse über die Städtebauförderung geben. Durchaus lohnend kann auch eine Nachfrage bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg sein, die Eigentümer von besonderen Baudenkmalen bei deren Erhalt und Pflege unterstützen. Julia Alber