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Frauen, die Geschichte schrieben

Anlässlich des Weltfrauentags am Sonntag, 8. März, rücken die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg Frauen in den Fokus, die das Land über Jahrhunderte prägten: als Herrscherinnen, Regentinnen, Äbtissinnen, Bauherrinnen und Reformerinnen.

Frauen, die Geschichte schrieben

Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden zählte zu den bedeutendsten Bauherrinnen und Regentinnen des Landes. Ausgestellt ist dieses Bild von ihr aus dem Jahr 1720 im Rastatter Schloss. Im Schloss Weikersheim wirkten Fürstin Elisabeth von Oettingen-Oettingen (kleines Bild) und Gräfin Magdalena maßgeblich an der Ausgestaltung der hohenlohischen Residenz mit. Fotos: z

Viele Monumente des Landes sind nicht nur Kulissen großer Geschichte, sondern konkrete Orte weiblicher Gestaltungskraft – von der keltischen Fürstin auf der Heuneburg bis zu Königin Katharina von Württemberg. Der Weltfrauentag gibt Anlass für einen Perspektivwechsel: Die Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten sind mehr als beeindruckende Architektur und historische Kulisse. Hier lassen sich weibliche Rollen und Einflussformen über Jahrhunderte hinweg nachzeichnen. Patricia Alberth, Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser und Gärten, sagt: „Wer unsere Schlösser, Klöster und Gärten besucht, entdeckt neben den bekannten Herrschern viele beeindruckende Frauen , die politische Verantwortung trugen, Gemeinschaften führten, Kultur förderten oder durch Stiftungen und Reformen Wirkung entfalteten.“ Mal stehen sie im Zentrum der Macht – als Regentin oder strategisch vernetzte Dynastin -, mal wirken sie im klösterlichen Wirtschafts- und Verwaltungsbetrieb oder durch soziales Engagement.

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Frühe Zeugnisse weiblicher Macht

Die Geschichte weiblicher Autorität beginnt im Südwesten lange vor der Zeit der Residenzschlösser. Auf der Heuneburg belegt das reich ausgestattete Grab einer Frau aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. eine herausgehobene Stellung in der keltischen Gesellschaft. Der Fund steht für die frühe Präsenz weiblicher Führung und setzt den Auftakt einer langen Linie von Frauengeschichten, die sich in den Monumenten des Landes ablesen lässt. Im Kloster Heiligkreuztal steht Äbtissin Veronika von Rietheim für weibliche Leitungsmacht innerhalb einer klösterlichen Gemeinschaft. Als Vorsteherin trug sie Verantwortung für Verwaltung, Wirtschaft und geistliches Leben. Neben der geistlichen Leitungsmacht im Kloster zeigt sich weibliche Gestaltungskraft auch an den Höfen des Landes: Im 15. Jahrhundert prägte Herzogin Mechthild von der Pfalz die Residenz in Urach als kulturelles und politisches Zentrum mit und steht für die Verbindung von Frömmigkeit, Bildung und fürstlicher Repräsentation.

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Renaissance und höfische Repräsentation

An die Tradition weiblicher Einflussnahme knüpfen die Residenzen der Renaissance an. Im Schloss Weikersheim wirkten Fürstin Elisabeth von Oettingen-Oettingen und Gräfin Magdalena maßgeblich an der Ausgestaltung der hohenlohischen Residenz mit. 

In einer Zeit religiöser und politischer Umbrüche standen sie für dynastische Kontinuität, konfessionelle Positionierung und repräsentative Hofkultur. Wie stark Höfe dabei über Landesgrenzen hinaus vernetzt waren, zeigt später auch Liselotte von der Pfalz: Als Pfälzer Prinzessin am französischen Hof machte sie über ihre umfangreiche Korrespondenz politische Kultur und Alltagswirklichkeit ihrer Zeit bis heute nachvollziehbar.

Weibliche Regentschaft und Bauherrschaft

Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden zählte zu den bedeutendsten Bauherrinnen und Regentinnen des Landes. Nach dem Tod ihres Mannes Ludwig Wilhelm im Jahr 1707 übernahm sie die Regierung der Markgrafschaft – in politisch wie wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Über zwei Jahrzehnte führte sie das Land verantwortungsbewusst, ordnete die Finanzen neu und übergab die wiederaufgebaute Markgrafschaft schließlich an ihren Sohn - inklusive detaillierter Abrechnung ihrer Regentschaft.

Netzwerke der „Schwiegermutter Europas“

Der Lebensweg von Markgräfin Amalie von Baden ist eng mit Schloss Bruchsal verbunden: Als klug vernetzte Dynastin und Mutter mehrerer europäischer Königinnen ging sie als „Schwiegermutter Europas“ in die Geschichte ein. Ihre Töchter heirateten in führende Herrscherhäuser, unter anderem nach Russland, Schweden, Bayern und Hessen, und machten das kleine Baden zu einem bedeutenden Knotenpunkt europäischer Politik. Schloss Bruchsal steht damit nicht nur für barocke Architektur, sondern auch für weibliche Außenpolitik im Zeitalter der Umbrüche.

Gesellschaftliche Verantwortung im 19. Jahrhundert

Der Blick auf die Frauen in den Monumenten führt auch zur Frage gesellschaftlicher Verantwortung. Franziska von Hohenheim steht in Kirchheim unter Teck für ein Rollenbild, das moralische Orientierung und soziales Engagement betont. Königin Katharina von Württemberg verband Herrschaft mit Reformanspruch: Sie setzte Impulse in der Armenfürsorge, Bildung und Landwirtschaft. Die Grabkapelle auf dem Württemberg macht ihre Geschichte bis heute sichtbar – als Erinnerungsort an eine Frau, deren Wirken weit über den Hof hinausreichte. Auch kulturell übernahmen Frauen im 19. Jahrhundert gesellschaftliche Verantwortung. Annette von Droste-Hülshoff, eine der bedeutendsten Dichterinnen der deutschen Sprache, prägte mit ihrer Literatur das moralische und gesellschaftliche Selbstverständnis ihrer Zeit. Das Fürstenhäusle in Meersburg steht damit nicht nur für künstlerische Produktivität, sondern für weibliche Teilhabe am öffentlichen Diskurs des 19. Jahrhunderts. Großherzogin Luise von Baden engagierte sich nachhaltig im Bildungswesen und im Roten Kreuz. Über den von ihr mitbegründeten Badischen Frauenverein schuf sie konkrete Strukturen für Bildung und Erwerbsmöglichkeiten von Frauen von Ausbildungswegen etwa in Krankenpflege und Erziehung bis zur kommunal organisierten Armenfürsorge, und trieb zugleich den Aufbau des badischen Roten Kreuzes und die Schwesternausbildung voran.

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Besondere Angebote zum Weltfrauentag

Mit Sonderführungen und thematischen Angeboten laden ausgewählte Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten am Sonntag, 8. März, zu einer Zeitreise durch die Geschichte starker Frauen ein. Im Schloss Bruchsal beleuchtet die Sonderführung „Zwischen Wirklichkeit“ Tugend und weibliche Figuren der allegorischen Deckenmalerei und den Kontrast zur historischen Lebensrealität von Frauen. Im Residenzschloss Rastatt steht „Sibylla Augusta als Regentin der Markgrafschaft“ im Mittelpunkt – mit Blick auf die politischen Herausforderungen ihrer Regentschaft. In der Sammlung Domnick setzt das Gesprächskonzert „Paysage intime - Zum Internationalen Weltfrauentag“ einen musikalischen Akzent. Alle Informationen zu den aktuellen Veranstaltungen finden sich im Veranstaltungskalender unter www.schloesser-und-gaerten.de.red


Gleichstellung braucht Männer, die handeln

Chancengleichheit liegt nicht in der Verantwortung von Frauen sondern in der Verantwortung von Führung.

"Solange Männer die meisten Machtpositionen besetzen, entscheidet ihre Haltung darüber, wie schnell sich Strukturen verändern. Gleichstellung ist keine Frauenfrage. Sie ist eine Führungsfrage.“ Mit dieser klaren Position richtet sich Alexander Kronenberg, Geschäftsführer des Kölner Beratungsunternehmens „Female Resources“, zum Weltfrauentag bewusst nicht an Frauen – sondern an Männer in Führung. Während am 8. März Frauen vielerorts Sichtbarkeit erhalten, setzt „Female Resources“ darüber hinaus einen weiteren Impuls: Nicht Spotlight verändert Organisationen, sondern Entscheidungen. Und die werden in vielen Unternehmen nach wie vor überwiegend von Männern getroffen.

Der Weltfrauentag als Realitätstest für Führung

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Nur 29,1 Prozent der Führungskräfte in Deutschland sind weiblich. Mehr als zwei Drittel der Führungsrollen liegen damit weiterhin in männlicher Hand, in technischen Bereichen deutlich mehr. Gleichzeitig bleibt der Anteil von Frauen in Vorständen und auf oberster Managementebene niedrig. Für Alexander Kronenberg, einen Mann in einem Beratungsunternehmen, das sich auf echte Gleichstellung und für moderne Führungskultur etabliert hat, ist das kein Zufall, sondern eine strukturelle Frage: „Wenn wir über Gleichstellung sprechen, sprechen wir über Zugang zu Entscheidungen. Und dieser Zugang wird mehrheitlich von Männern gestaltet – bewusst oder unbewusst.“

Daher ist die Rolle der Männer gerade an einem solchen Tag entscheidend. Denn wer Entscheidungen trifft, prägt Kultur, Karrieren und Geschwindigkeit von Veränderung. Es reicht deshalb nicht, Gleichstellung zu begrüßen oder zu unterstützen. Es geht darum, zu gestalten und unbewusste Vorurteile offen zu adressieren – auch dann, wenn es unbequem wird. Es geht nicht um symbolische Solidarität. Es geht um strukturelle Mitverantwortung.“ Gerade in starken Wirtschaftsregionen wie Stuttgart oder Köln mit starken Konzernen, Mittelstand und öffentlicher Verwaltung kommt männlichen Führungskräften eine besondere Rolle zu: Sie sind nicht das Problem, sie sind der Hebel für die Entwicklung der Zukunft.

Für Kronenberg ist dieser unumgängliche Schritt kein bloßes Imageprojekt: „Es ist die bewusste Entscheidung, Macht nicht zu verteidigen, sondern fair zu verteilen und sich als Führungskraft daran messen zu lassen.“ Und weiter: „Der 8. März ist kein Anlass für Blumen, er ist ein Gradmesser für Verantwortung.“ Unternehmen ruft dazu auf, den Weltfrauentag nicht als symbolischen Fixpunkt zu behandeln, sondern als strategischen Prüfstein, z.B. wo man weibliche Talente verliert und warum, welche Karrieren im Unternehmen ermöglicht wurden – und welche nicht.

So setzt beispielsweise die Zurich Gruppe Deutschland die Programme seit Jahren erfolgreich um. Auch Uwe Schöpe, Personalvorstand der Zurich Gruppe Deutschland, sieht dabei die männlichen Führungskräfte klar in der Pflicht: „Gleichstellung entsteht nicht durch Aktionstage, sondern durch konsequente Entscheidungen im Alltag: Wen fördern wir? Wen lassen wir führen? Wen hören wir wirklich? Male Allyship heißt, als Führungskraft sichtbar Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn es unbequem wird.“ Auch Claus van der Velden, CFO NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH, beschreibt Male Allyship als kontinuierliche Führungsarbeit: „Es geht darum, eigene Routinen zu hinterfragen, Privilegien zu reflektieren und Barrieren aktiv abzubauen. Wir Männer sind hier besonders gefragt, mit sichtbaren Schritten voranzugehen.“ 


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