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30 Jahre Schwäbische Tafel Stuttgart

Im neuen Lager in Wangen ist am Wochenende Jubiläum gefeiert worden.

30 Jahre Schwäbische Tafel Stuttgart

30 Jahre Schwäbische Tafel Stuttgart: Zum Fest kamen: Andreas Steppuhn von der Tafel Deutschland, Sozialbürgermeisterin Alexandra Suẞmann und Stefan Spatz.

An der Straße Heiligenwiesen im Gewerbegebiet zwischen Wangen und Hedelfingen herrscht normalerweise vor allem dann großer Andrang, wenn im LKA Longhorn abends mal wieder ein Konzert einer mal mehr, mal weniger bekannten Band über die Bühne geht. Am vergangenen Samstag suchten wieder viele Menschen ihren Weg dorthin - allerdings tagsüber. Grund dafür war nicht etwa ein Konzert, sondern das 30-jährige Bestehen der Schwäbischen Tafel Stuttgart e.V., die dort, direkt neben der Konzertlocation, gerade ein neues Lager einrichtet. Zum richtig gut besuchten Fest kamen viele Kundinnen und Kunden, langjährige Unterstützer der Tafel und natürlich die Verantwortlichen des so wichtigen Tafel-Projekts.

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Hier an der Straße Heiligenwiesen in Wangen ist das neue Lager der Schwäbischen Tafel. Fotos: Brand
Hier an der Straße Heiligenwiesen in Wangen ist das neue Lager der Schwäbischen Tafel. Fotos: Brand

In Stuttgart und Umgebung leben mehr als 65.000 Menschen am Rand des Existenzminimums. Die zum Teil exorbitanten Preissteigerungen vor allem bei Lebensmitteln in den vergangenen Jahren treffen vor allem sie. Genau dafür gibt es die inzwischen vier Tafelläden an der Hauptstätter Straße mitten in Stuttgart, der Steinhaldenstraße in Bad Cannstatt, der Plieninger Straße in Möhringen und der Wernerstraße in Fellbach.

Ziel und Zweck der Schwäbischen Tafel ist, noch brauchbare Lebensmittel, die sonst auf dem Müll landen würden, einzusammeln und in den Tafelläden an von Armut betroffene Menschen gegen einen kleinen Kostenbeitrag weiterzugeben. Zum Angebot gehören zum Beispiel Brot von gestern, Joghurt mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum oder nicht verkauftes Obst und Gemüse. Dafür arbeitet die Tafel beispielsweise auch mit Aldi oder den Cap-Märkten zusammen, zu den Unterstützern gehören beispielsweise die Weihnachtsaktionen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, die Bürgerstiftung Stuttgart oder auch die VfB-Stiftung.

In den Tafelläden können von Armut betroffene Menschen einkaufen, die das auch entsprechend nachweisen können, also beispielsweise, wer eine Bonuscard der Stadt Stuttgart hat, wer in der Grundsicherung ist oder von Sozialhilfe lebt. Die Nachweise werden vor Ort geprüft, Betroffene können sich dann auch in den Tafelläden eine Kundenkarte ausstellen lassen, mit der in allen vier Läden eingekauft werden kann.

Die Idee für die Tafel hatte der Diakoniepfarrer Martin Friz, der damalige Pfarrer der Stuttgarter Leonhardskirche. „Sein Ziel war es, ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft zu setzen, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken und armutsbetroffene Menschen dadurch mit günstigen Lebensmitteln zu versorgen“, heißt es in der aktuellen Tafel-Broschüre. Die Betroffenen sollten dabei eben nicht Almosenempfänger sein, sondern als Kunden im Laden selbst entscheiden, was sie einkaufen möchten. Gleichzeitig sollte arbeitslosen Menschen durch Mithilfe in den Läden eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit gegeben werden.

Der Verein Schwäbische Tafel e.V., der heute Schwäbische Tafel Stuttgart e.V. heißt, wurde im März 1995 gegründet. Im Dezember 1995 startete die Tafel ihr Wirken mit zwei Regalen im Vogelsangdepot im Stuttgarter Westen. Der erste richtige Tafelladen wurde im Februar 1996 unter dem Namen Leoladen am Leonhardsplatz eröffnet. Weitere Stationen waren die Eröffnung eines zweiten Ladens am Bihlplatz in Heslach 1997, der Umzug des Leoladens in neue Räume am Rathaus 1999, der erneute Umzug 2003 an die Hauptstätter Straße. Der Bad Cannstatter Tafelladen wurde im September 2004 eröffnet, die Fellbacher Tafel im Juli 2007.

Politische Entscheidungen und Weltgeschehnisse aller Art hatten immer wieder gravierende Auswirkungen auf die Tafel. Als 2009 die „Grüne Plakette“ eingeführt wurde, mussten 15 neue Fahrzeuge angeschafft werden, was großzügige Spender ermöglichten. Als 2012 der Bund bei den geförderte Beschäftigungsmaßnahmen sparte, musste der Tafelladen in Heslach schließen. 2020 stellte die Corona-Pandemie die Tafel vor riesige Aufgaben. „Trotz der schwierigen Bedingungen und der angespannten Lage konnten die Tafelläden in Stuttgart und Fellbach als eine der wenigen Tafeln in der Region ohne Schließtage weiterhin ihren Dienst leisten und so viele armutsbetroffene Menschen unterstützen“, hieß es in der kleinen Ausstellung zur Geschichte der Tafel, die bei dem Fest in Wangen gezeigt wurde. 2022 schließlich stiegen die Kundenzahlen durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine rasch an. Die unbürokratische Lösung in dieser Zeit: Ein ukrainischer Pass berechtigte übergangsweise zum Einkauf in der Tafel.

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Die neuen Lagerräume in Stuttgart-Wangen wurden im vergangenen Jahr gemietet. Die Umbau- und Einrichtungsarbeiten sollen im Laufe dieses Frühjahrs beendet sein. Zum Feiern des Jubiläums waren sie jetzt schon gut geeignet. Zu den Gästen gehörten unter anderem Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Alexandra Suẞmann, die ehrenamtlichen Vorstände Stefan Spatz und Gabriele Ehrmann und Andreas Steppuhn, der Geschäftsführende Vorstand der Tafel Deutschland. Die Schwäbische Tafel Stuttgarte.V. sucht gerade dringend eine neue Ladenfläche. Das Haus am Österreichischen Platz, in dem sich der größte Tafelladen befindet, soll abgerissen werden. Idealerweise sollte die Fläche 600 bis 800 Quadratmeter groß sein und möglichst zentral in einem der Stuttgarter Innenstadtbezirke liegen.

→ Weitere Infos dazu und zur Tafel selbst unter www.tafel-stuttgart.de

Von Jürgen Brand


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