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Start in die Berufsausbildung

Viele Fragen an sich selbst stellen

Berufsfindung. Herauszubekommen, was sie wirklich gerne tun, fällt Jugendlichen schwer. Aber sie sollten Zeit und Mühe darauf verwenden, um den passenden Beruf zu finden.

11. Februar 2019 - 08:00 Uhr
Es gibt viele gute Gründe für eine duale Ausbildung, egal mit welchem Schulabschluss. Praxis steht an erster Stelle, man verdient gleich Geld, hat gute Übernahme- und Karrierechancen. Es gibt über 300 Ausbildungsberufe. Die große Frage ist: Welcher Beruf passt?
Foto: jozsitoeroe / Adobe Stock
Foto: jozsitoeroe / Adobe Stock
Je näher der Schulabschluss rückt, desto notwendiger wird es für Jugendliche, sich für einen Beruf zu entscheiden. Doch vielen fällt es schwer, die Frage nach dem Berufswunsch zu beantworten. Jugendliche sollten sich deshalb intensiv mit ihren eigenen Stärken und Vorlieben, aber auch Schwächen auseinandersetzen. Denn diese Selbstreflexion ist eine gute Grundlage, um den Beruf zu finden, der zur eigenen Persönlichkeit passt. 

Informationen sind bei der Berufsorientierung wichtig. Aber ohne Nachdenken über sich selbst ist eine gelungene Berufswahl kaum möglich. Doch es reicht oft nicht, sich mal kurz Gedanken zu machen. Sinnvoller ist es, sich Zeit zu nehmen und einige zentrale Fragen schriftlich zu beantworten. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass die jungen Leute ihre Antworten später noch einmal durchlesen können. Außerdem haben sie so die Gelegenheit, ihre schriftlich festgehaltenen Denkergebnisse zu einem Beratungstermin mitzunehmen. Sie sind dann eine gute Basis für ein konstruktives Gespräch mit einem Berufsberater.

Erfolg und Zufriedenheit im Job stellen sich in der Regel dann ein, wenn Berufstätige das machen, was sie gut können und was ihnen obendrein auch noch Spaß macht. Schüler sollten sich deshalb überlegen, was sie wirklich gerne tun. Diese Fragen sind dabei sinnvoll:

Welche Hobbys habe ich?
Wie verbringe ich meine Freizeit?
Bei welchen privaten Beschäftigungen vergesse ich die Zeit?
Für welche Aktivitäten bin ich bereit, am Sonntagmorgen früh aufzustehen?

Ein guter Hinweisgeber auf persönliche Interessen ist außerdem die Bereitschaft, freiwillig zu lernen.

Vielleicht hat es der eine oder andere Schüler schon erlebt, dass er sich ohne Druck von außen über ein Thema informiert hat. Wer zum Beispiel im Gespräch mit einem Erwachsenen Neugier für dessen Beruf zeigt, sollte dieses Interesse als möglichen Hinweis auf eigene Vorlieben verstehen. Auch wer sich inhaltlich mit dem Beruf seiner Lieblingsstars auseinandersetzt, hat oft ein tiefer liegendes Interesse. Vielleicht eifert er sogar seinem liebsten Youtube-Star nach, indem er selbst lernt, Videos zu drehen, zu schneiden und auf Youtube hochzuladen.

Wem es schwerfällt, Fragen nach den eigenen Interessen zu beantworten, der sollte seinen ganz konkreten Alltag vor dem inneren Auge vorbeiziehen lassen. Dabei kann er überlegen:

Was mache ich nach der Schule am liebsten?
Wie verbringen meine Freunde und ich die Freizeit? Was unternehmen wir?
Wo, wann und wie werde ich aktiv?

Um herauszufinden, wie der Alltag tatsächlich abläuft, kann es Sinn machen, mehrere Tage hintereinander Protokoll zu führen und alle Aktivitäten aufzuschreiben.

Besonders wichtig ist es, sich im Vorfeld der Berufswahl auch über seine eigenen Stärken klar zu werden. Deshalb ist die Beantwortung folgender Fragen hilfreich:

Was kann ich ganz besonders gut?
Bei welchen Aktivitäten bekomme ich von anderen immer wieder Lob und Anerkennung?
Wann bitten mich Freunde und Mitschüler um Hilfe?
In welchen Fächern bin ich gut?
Bin ich schon mal bei schulischen oder außerschulischen Projekten besonders erfolgreich gewesen?

Auch ein Blick in den Alltag lohnt sich: Übernehme ich bestimmte Aufgaben in der Familie, weil ich sie besser kann als andere?
Freunde können bei der Einschätzung der eigenen Persönlichkeit helfen. Foto: Racle Fotod. / Adobe Stock
Freunde können bei der Einschätzung der eigenen Persönlichkeit helfen. 
Foto: Racle Fotod. / Adobe Stock
Doch Schüler sollten nicht nur ihre Stärken, sondern auch ihre Schwächen kennen. Zwar sind diese oft sichtbarer als die Stärken, dennoch lohnt es sich, auch hier zu reflektieren:

In welchen Schulfächern bin ich schlecht?
Welche Aufgaben im Alltag fallen mir besonders schwer?
Was schiebe ich immer wieder auf?
Für welche Tätigkeiten ernte ich oft negatives Feedback?
Was macht mir überhaupt keinen Spaß, obwohl ich es einigermaßen beherrsche?

Wer so eine Negativliste führt, hat zumindest eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sein Arbeitsalltag nicht aussehen sollte.

Persönliche Eigenschaften sollten bei der Berufsfindung ebenfalls eine große Rolle spielen. Einem Extrovertierten fällt zum Beispiel der Umgang mit anderen Menschen leichter als einem Introvertierten. Deshalb sollten Schüler herausfinden, wie sie selbst ticken.

Bin ich eher extrovertiert oder introvertiert?
Bin ich kreativ und ideenreich?
Arbeite ich ordentlich und verantwortungsbewusst?
Bin ich ein Teamplayer oder ein Einzelkämpfertyp?

Wer sich nicht sicher ist, sollte auch in diesem Fall seinen Alltag betrachten. Meist finden sich dort sicherlich eindeutige Anhaltspunkte.

Weitere Hinweise auf ein passendes Tätigkeits- und Berufsprofil erkennen Jugendliche, wenn sie ihre Lebenserfahrungen zurate ziehen:

Was hat mir im Schulpraktikum und Job gefallen und was nicht?
Was waren die bisherigen Highlights in meinem Leben und warum?
Welche aktive Rolle habe ich dabei gespielt?

Vielleicht erkennen Schüler bei der Beantwortung dieser Fragen, welche Fähigkeiten sie bei einem bestimmten Ereignis unter Beweis stellen konnten. Doch Jugendliche sollten nicht nur überlegen, wie sie sich selbst einschätzen, sondern auch mit anderen über ihre Stärken, Schwächen und Eigenschaften sprechen – zum Beispiel mit Eltern und Freunden. Denn oft unterscheidet sich ihr Selbstbild von der Außenwahrnehmung. Es kann sein, dass Schüler bestimmte Fähigkeiten gar nicht richtig erkennen, während andere sie deutlich sehen.

Für solche Fragen sollten sich Eltern und Jugendliche Zeit nehmen und etwa nach dem gemeinsamen Abendessen miteinander reden. Idealerweise liegen Stift und Papier bereit, um die gemeinsamen Denkergebnisse aufzuschreiben. Natürlich kann man dafür auch das Smartphone und eine Notiz-App nutzen. Anja Schreiber

» INFO

Hilfreiche Internetadressen

www.planet-beruf.de – Online-Portal, das die Bundesagentur für Arbeit betreibt, mit Selbsterkundungsprogramm und interaktivem Bewerbungstraining.

www.berufenet.de – beschreibt Berufe von A bis Z

Ausbildungplus.de – liefert Informationen zum dualen Studium und Zusatzqualifikationen

www.stuttgart.ihk24.de – Seite der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) mit Lehrstellenbörse

www.hwk-stuttgart.de – Seite der Handwerkskammer (HWK) der Region Stuttgart mit Lehrstellenbörse
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