Die Anspannung ist gut spürbar in den letzten Tagen vor dem großen Spiel der Frauen des VfB Stuttgart vor einer gewaltigen Kulisse in der MHP-Arena. Bereits mehr als 21.500 Tickets wurden verkauft. „Die meisten von den Mädels haben noch nie ein Spiel in dieser Größe erlebt“, sagt Heiko Gerber, Trainer des Tabellenführers. Schon jetzt sind so viele Tickets verkauft worden, dass ein neuer Rekord sicher ist (siehe unten): Nie zuvor sind so viele Menschen zu einer Partie der 2. Frauen-Bundesliga gekommen.
Große Erwartungshaltung im ganzen Verein zu spüren
Aber das ist nicht der einzige Grund für die Nervosität: Zu Besuch wird so etwas wie der Angstgegner der Stuttgarterinnen sein. Zuletzt flog der VfB zwei Mal im DFB-Pokal gegen Mainz 05 aus dem Wettbewerb, und das Hinspiel in der Liga wurde zu einem unvergessenen Drama. 0:4 lagen die Favoritinnen aus Stuttgart zwischenzeitlich zurück, bevor die Mannschaft doch noch mit 5:4 gewann. „Bei uns gibt es oft ein offensives Spektakel zu sehen“, sagt der Trainer Heiko Gerber, der aber auch ein wenig hadert mit torreichen Spielen dieser Art: „In der Defensive sollten wir einen Tick stabiler werden.“ Schließlich hat der Klub Großes vor. Das Ziel ist der Aufstieg in die Bundesliga, und diese Erwartungshaltung ist spürbar. „Ich habe ja ein paar Jahre in der ersten Liga gespielt“, berichtet Fabienne Dongus, die im Sommer von der TSG Hoffenheim nach Stuttgart wechselte.
„Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung kann ich sagen: Der Selbstanspruch, der hier beim VfB vorhanden ist, ist schon sehr groß.“ Es ist ein komplexes Vorhaben, das der frühere Präsident Claus Vogt und der Geschäftsführer Alexander Wehrle vor gut fünf Jahren in Bewegung gesetzt haben und das Angebot des Klubs vervollständigen soll. Entstanden ist das Projekt nach 127 Jahren ohne im Trikot mit dem Brustring spielende Frauen in enger Kooperation mit dem VfB Obertürkheim, dessen Platz in der viertklassigen Oberliga das Stuttgarter Team 2022 übernommen hat. Inzwischen ist der Klub in der zweiten Liga angekommen, führt dort die Tabelle an und ist Favorit auf den Aufstieg. „Wir haben einige Spielerinnen dabei, die schon in der Bundesliga und in der A-Nationalmannschaft für Deutschland gespielt haben“, sagt Sascha Glass, der General-Manager der VfB-Frauen. „Da können wir jetzt nicht anfangen und sagen: Wir wollen als Aufsteiger in der zweiten Liga im Mittelfeld mitspielen.“
Kader und Spielweise werden immer wieder neu angepasst
Das Entwicklungstempo ist rasant und damit auch eine große Herausforderung, denn in jedem Sommer muss ein neuer Umbruch bewerkstelligt werden. Der Kader muss dem nächsten höheren Niveau angepasst werden, ebenso wie die Spielweise. Im vorigen Sommer hat der VfB Stuttgart zehn neue Spielerinnen unter Vertrag genommen, darunter die österreichische Nationalspielerin Nicole Billa, die 2021 Bundesligatorschützenkönigin und Fußballerin des Jahres in Deutschland war. Wichtige Verstärkungen waren außerdem Janina Hechler, die in der vergangenen Saison noch beim 1. FC Köln in der Bundesliga spielte, und Fabienne Dongus von der TSG Hoffenheim, die zehn Jahre lang im Kraichgau aktiv war und die ihre Zwillingsschwester Tamar mitbrachte.
Auch das Publikum profitiert von neuen Möglichkeiten
Für die frühere Nationalspielerin ist der Schritt zum VfB in gewisser Weise eine Rückkehr. Die Dongus-Schwestern stammen aus Böblingen, spielten bis 2013 in Sindelfingen und verließen Schwaben anschließend, weil es in ihrer Heimat keinen Klub mit einem passenden Niveau gab. „Viele Talente aus Württemberg sind früher nach Freiburg, Hoffenheim oder München gegangen, weil sie hier einfach keine Anlaufstelle hatten, um professionellen Fußball zu spielen“, sagt Sascha Glass. „Das ist jetzt anders.“
Aber nicht nur die Spielerinnen, auch das Publikum profitiert von neuen Möglichkeiten. „Der Besuch eines Frauenfußballspiels ist familienfreundlich“, sagt Sascha Glass. Beim Duell gegen Mainz in der MHP Arena werde es „verschiedene Eventmodule und Stationen geben, zum Beispiel ein Fußballcamp für Kinder“. Und auch während des Spiels gibt es unterschiedliche „Bewegungsmöglichkeiten“ für die Jüngsten im Publikum. Die teuersten Tickets kosten 20 Euro, Kinder sind für fünf Euro dabei. Wenn alles klappt, sollen die Stuttgarterinnen ihre Heimspiele dann ab der kommenden Saison im Gazi-Stadion in Degerloch austragen, als Bundesligateam. Wobei drei Jahre mit Aufstiegen nacheinander bis auf die höchste Stufe trotz der guten Ausgangslage etwas ganz Besonderes wären.
Beim Blick nach Dortmund, wo der BVB ebenfalls daran arbeitet, eine Frauenmannschaft für die Bundesliga zu entwickeln, wird erkennbar, dass in der Regel irgendwann größere Widerstände auftauchen. Nach vier Aufstiegen nacheinander ist der Revierklub mittlerweile in der drittklassigen Regionalliga angekommen und arbeitet dort mit vergleichsweise gut bezahlten Toptalenten sowie einigen ehemaligen Bundesligaspielerinnen am nächsten Schritt. Im Moment liegen die Dortmunderinnen dennoch lediglich auf dem zweiten Platz, drei Punkte hinter der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln. Da ist der VfB Stuttgart als Tabellenführer der 2. Frauen-Bundesliga schon einen großen Schritt weiter.
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Sensationell großer Zuspruch
„Der Zuspruch zu unserem Highlightspiel ist einfach sensationell“, wird der VfB-Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle auf der Webseite des DFB zitiert. Schon mehrere Tage vor dem Anpfiff stand der neue Rekord mit 20.150 abgesetzten Tickets fest. Und inzwischen sind es mit Sicherheit noch viel mehr geworden. Die bisherige Bestmarke (20 132 Zuschauer) hatte Union Berlin in der vergangenen Saison erzielt. Wehrle ist sehr optimistisch: „Gemeinsam wollen wir jetzt im Endspurt noch einen draufsetzen. Ich kann allen nur zurufen: Lasst uns zusammen als VfB-Familie ein großes Fußballfest in der MHP Arena feiern.“
Karten für das Highlight-Spiel am 21. März, 14 Uhr, in der MHP Arena sind über den Online-Shop des VfB Stuttgart erhältlich: www.shop.vfb.de
Oder man scannt den QR-Code hier mit dem Handy, das geht ganz einfach und schnell.
Von Daniel Theweleit