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Initiative für die Bernhardskirche

Erhalt des ältesten Rohracker Gebäudes, Spendenaktionen und Ideen-Workshop für eine vielseitige Nutzung der Kirche als Ort der Gemeinschaft

Initiative für die Bernhardskirche

Wie kann man noch mehr Leben in die Kirche bringen? Im Mai ist ein erster Ideen-Workshop geplant. Fotos: Jürgen Brand

Die Bernhardskirche leidet. Am ältesten Gebäude Rohrackers nagen die Zeit, die Sparmaßnahmen der evangelischen Kirche in Form der Restrukturierung von Kirchengemeinden, das Zu-wenig-Genutzt-Werden. Deswegen hat die Bernhardskirche jetzt einen eigenen Förderverein. Sein in der Satzung erklärtes Ziel ist, das älteste Gebäude des Ortes zu erhalten, unabhängig davon, wie die Kirchengemeinde die Kirche aktuell und künftig nutzt. Für Mai ist ein erster Ideen-Workshop geplant.

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Beschwerlicher Weg fürs Gebet

Cornelia Schwab vom neuen Förderverein und Mitinitiator Hans-Peter Seiler auf der Empore der Bernhardskirche.
Cornelia Schwab vom neuen Förderverein und Mitinitiator Hans-Peter Seiler auf der Empore der Bernhardskirche.

Die Gläubigen aus Rohracker hatten es einst nicht leicht. Mangels eigener Kirche, mussten sie sonntags auch bei Wind und Wetter den beschwerlichen Weg über den Wangener Berg machen, von Wangen aus dann weiter neckarabwärts bis zur Nesenbachbrücke, von dort zur Altenburg. Auch Wangen hatte damals noch keine eigene Kirche, wer zur Messe wollte oder musste, dem blieb nur die Altenburgkirche. Die Sillenbucher hatten eine noch weitere Strecke dorthin zu bewältigen. Die Hedelfinger dagegen gingen ganz andere Wege, die gehörten damals zur Probstei Nellingen, also andere Richtung.

Die Siedlung Rohracker entstand vermutlich schon um das Jahr 1000 herum und war ein typisches Straßendorf. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Rohracker aber erst 1282. Zu dem Zeitpunkt mussten die Rohracker Gläubigen schon nicht mehr so weit laufen, war um 1250 doch in Wangen die Michaelskirche gebaut worden. Der Weg über den Berg war trotzdem hart, vor allem auch, wenn Särge zur Beerdigung dorthin getragen werden mussten.

Um 1400 wurde dann in Rohracker eine kleine Kapelle mit Begräbnisstätte erbaut. Es wird vermutet, dass sie da stand, wo später die Bernhardskirche errichtet wurde, Nachweise dafür gibt es aber nicht. 1447 schließlich, nachdem viele Rohracker Bürger eine entsprechende Eingabe verfasst hatten, gab der Bischof in Konstanz die Erlaubnis, eine eigene Gemeinde gründen zu dürfen und eine eigene Kirche zu errichten.

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Der Taufstein in der Bernhardskirche stammt von Hans Dieter Bohnet.
Der Taufstein in der Bernhardskirche stammt von Hans Dieter Bohnet.

Wann genau die Bernhardskirche tatsächlich fertig war, ist nicht bekannt. In einer Jubiläumsschrift aus dem Jahr 1947 wird die Fertigstellung auf 1450 datiert, ein ehemaliger Kunstsachverständiger der württembergischen Landeskirche geht eher von 1490 aus. Am Gebäude selbst gibt es nur Hinweise jüngeren Datums: Steinmetz- und Zimmermannszeichen am Turmfenster mit der Jahreszahl 1604 und am Kanzelaufgang in der Sakristei mit dem Jahr 1699. Unstrittig ist aber, dass die Bernhardskirche heute das älteste Gebäude Rohrackers ist, da kann kein anderes mithalten. Sicher ist auch, dass die Sillenbucher sich über die dem heiligen Bernhard von Clairvaux gewidmete Kirche gefreut haben - ihr Weg zur Messe war dadurch noch einmal deutlich kürzer geworden. Die Kirche hat viel mitgemacht über die Jahrhunderte. Erst war sie katholisch, dann wurde sie evangelisch. 

Das Kreuz stammt aus dem Jahr 1692, der Gemeinderaum wurde 1934 hinten integriert, den Taufstein hat der bekannte Stuttgarter Künstler Hans Dieter Bohnet 1966 geschaffen. Die bunten Fenster wurden 1934 von dem Kunst- und Glasmaler und Mitbegründer der Stuttgarter Sezession Walter Kohler entworfen und von der Stuttgarter Kunstwerkstatt Saile ausgeführt. Die Kirchengemeinde selbst ist auch immer wieder im Wandel. Rohracker und Frauenkopf waren schon immer eine Gemeinde, weil Frauenkopf ursprünglich eine Landhaussiedlung von Rohracker war.

Erst 1948 wurde der Stadtteil Frauenkopf dem Stadtbezirk Stuttgart-Ost zugeordnet. Der Frauenkopf-Pfarrer oder die -Pfarrerin war immer Rohracker unterstellt. 2021 schlossen sich Rohracker-Frauenkopf und Hedelfingen zu einer Gesamtkirchengemeinde zusammen. Und voraussichtlich 2026, vielleicht auch etwas später, wird Wangen neuer Teil dieser Gesamtkirchengemeinde.

Erhalt des Bauwerks

Durch diese Zusammenschlüsse wurden und werden Kosten gespart - auch durch eine seltenere Nutzung der einzelnen Kirchen. Das tut den oft denkmalgeschützten Bauwerken aber gar nicht gut. Das trifft auch die Bernhardskirche, in der es jetzt im Winterhalbjahr ganz schön frisch werden kann und in der auch Schimmelbefall entdeckt wurde. Und auch deswegen gibt es jetzt den Förderverein zum Erhalt des Bauwerks.

Die Initiative für den Förderverein ging vom ehemaligen Hedelfinger Bezirksvorsteher Hans-Peter Seiler und von Michael Wieẞmeyer, dem Vorsitzenden des Fördervereins Altes Haus Hedelfingen und bekannten Ortshistoriker, im Jahr 2019 aus. Am 30. Januar 2025 wurde der Verein schließlich offiziell von bemerkenswerten 32 Gründungsmitgliedern Wirklichkeit. Bei der Gründungsversammlung wurde Dr. Elmar Just einstimmig zum Vorsitzenden gewählt, seine Stellvertreterin ist Gabriela Krieger, Kassiererin Cornelia Schwab, Schriftführerin Dr. Jutta Metzger und Kassenrevisoren Prof. Dr. Paul-Georg Becker und Michael Wejda.

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Neue Ideen für vielseitige Nutzung

Hauptziel des Vereins ist, die Bernhardskirche als ältestes Gebäude in Rohracker zu erhalten. Die Kirche soll wieder stärker wahrgenommen werden, deswegen werden Ideen gesucht, wie sie künftig genutzt werden kann. Der Verein hat sich bewusst unabhängig von der Kirche aufgestellt, um möglichst vielfältige Nutzungen zu ermöglichen. Die Kirche soll für alle Menschen in Rohracker unabhängig von Kultur oder Glaubensrichtung geöffnet werden. Gleichzeitig sammelt der Verein Spenden, um Erhaltungsund Sanierungsmaßnahmen in der Kirche finanziell zu unterstützen.

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Ein erster Ideen-Workshop zum Thema „Leben in die Kirche bringen“ ist für Freitag, 16. Mai, ab 17 Uhr im Kirchgarten der Bernhardskirche geplant. „In einer offenen und kreativen Atmosphäre wollen wir Ideen sammeln, diskutieren und neue Projekte entwickeln, die unsere Bernhardskirche zu einem lebendigen Ort der Gemeinschaft machen“, heißt es in der Einladung. „Bringen Sie Ihre Ideen, Ihre Leidenschaft und Ihre Visionen mit! Gemeinsam können wir viel bewegen.“

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www.bernhardskirche.de

Von Jürgen Brand


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