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Der Eselflüsterer von Mühlhausen

Rolf Müller bietet geführte Touren mit seinen liebenswerten Grautieren an. Den Erlös spendet er ans Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart.

Der Eselflüsterer von Mühlhausen

Am liebsten ist Rolf Müller mit seinen Eseln draußen in der Natur unterwegs. Fotos: Eva Herschmann

Vor 18 Jahren ist Rolf Müller auf den Esel gekommen. Mit Lilly und Rico, der bereits im Eselhimmel weilt, hat alles angefangen. Heute stehen vier Grautiere auf der Weide oberhalb von Mühlhausen unweit des Sonnenhofs: Lilly, die 21-jährige Anführerin, grast gemeinsam mit dem elfjährigen Alex. Auf der Nachbarwiese tummeln sich Raya, fünf Jahre, sowie Tonie, vier Jahre, die Rolf Müller erst Anfang des Jahres mit seinem Eselanhänger aus einem Hochwassergebiet bei Hannover geholt hat. „Ich habe sie aus Mitleid übernommen. Die zwei gehen noch nicht auf Touren, sondern werden gerade eingelernt.“ Und lernfähig seien Esel. „Aber man kann sie zu nichts zwingen, es geht nur über Vertrauen.“

Rolf Müller ist ein Mühlhäuser Urgestein. 21 Jahre war er Vorsitzender des BdS Mühlhausen, den er 1994 zusammen mit Johannes Schlichter ins Leben rief, und ist heute dessen Ehrenvorsitzender. Der Musik- und Theaterliebhaber ist Mitglied im Bürgerverein, hat die Kirbe Mühlhausen initiiert und das Naturtheater im Hanfäcker 5 gegründet. Doch sobald er bei seinen geliebten Eseln ist, kehrt Ruhe bei dem umtriebigen Macher ein. Innere wie äußere. Esel könnten bis zu 40, 45 Jahre alt werden, erzählt Müller, und sie seien keinesfalls stur, störrisch, eigenwillig oder gar dumm. „Ganz im Gegenteil. Sie sind wunderbare, intelligente Tiere und treue Kameraden.“

In Kanada werden die Tiere eingesetzt, um Rinderherden vor Wölfen zu schützen.
In Kanada werden die Tiere eingesetzt, um Rinderherden vor Wölfen zu schützen.

Als Sohn eines Pferde- und Viehhändlers, wuchs Rolf Müller inmitten von Huftieren auf. Auch einen Esel namens Jogi gab es in der heimischen Herde. „Mit ihm bin ich damals überhaupt nicht klar gekommen. Ich wollte, dass er galoppiert und über Hindernisse springt“, erzählt Müller, der früher begeisterter Reiter war. Heute weiß er, warum es mit ihm und Jogi nicht geklappt hat. Esel, sagt der 72-Jährige, könne man mit Katzen vergleichen. „Sie lassen sich nicht dressieren, und sie entscheiden immer nach Bauchgefühl.“ Einem Pferd könne man befehlen, mit einem Maultier müsse man verhandeln, einen Esel aber müsse man bitten. Und anders als ein Pferd, das ein Fluchttier sei, entscheide der Esel je nach Situation, ob er fliehen oder angreifen soll. „In Kanada werden sie eingesetzt, um Rinderherden vor Wölfen zu schützen.“

Stundenlang könnte Rolf Müller von seinen Eseln schwärmen, aber noch lieber ist er mit ihnen draußen in der Natur unterwegs. Während die beiden Neulinge aus dem Norden gerade erst an das Spazierengehen gewöhnt werden, ist er mit den beiden erfahrenen Älteren, Zwergeselin Lilly und Alex, der die Gene eines Thüringer Waldesels in sich trägt, fast jedes Wochenende im Schwäbischen Wald. Meistens begleiten ihn Jutta Maier, die evangelische Pfarrerin von Mönchfeld ist eine ausgemachte Eselfreundin, und Hans-Werner Schif, ein „Waldmensch und Kenner des Schwäbischen Waldes“. Lilly laufe immer vorneweg, oft sogar ohne Halfter und Leine, sagt Müller. Ihr und Alex sei kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch und keine Schlucht zu tief. „Je nach Wetterlage sind wir fünf bis acht Stunden unterwegs.“ Da sie meist auf Nebenwegen wanderten, begegneten ihnen nicht so viele Menschen. „Aber alle, die uns mit den Eseln sehen, fangen an zu lächeln.“

Ganz so lang wie die privaten Wanderungen im Freundeskreis dauern die Goldesel-Touren nicht, die Rolf Müller in Mühlhausen anbietet. 8,5 Kilometer lang ist seine Hausstrecke, die vom Naturtheater Mühlhausen über das Feuerbachtal zur herrlichen Aussicht in die Weinberge über dem Max-Eyth-See führt, weiter auf den Spuren des „4-Burgen-Weges“ durch den Schlosspark, vorbei an der berühmten Veitskapelle zurück zum Heimatstall der Esel im Hanfäcker 5. Rund zweieinhalb Stunden dauere die Tour, und sie sei für Menschen, die „ernstes“ Interesse für die Esel und die Natur mitbringen, erklärt Rolf Müller. „Gaudi-Touren, Junggesellinnen-Abschiede oder ähnliches, mache ich nicht.“ Dafür bekommen die Teilnehmenden auch eine Menge geboten. Zum einen engen Kontakt mit den liebenswerten Eseln und jede Menge Informationen über sie, zum anderen Geschichte und Geschichten, etwa, wie der Begriff Eselsbrücke entstand. „Das hängt damit zusammen, dass Esel nicht durch Wasser gehen, weil ihr Fell nicht wasserdicht ist“, erklärt Rolf Müller.

Mit Eseln zu wandern, tut nicht nur denen gut, die mit Langohren unterwegs den sind. Denn Rolf Müller spendet einen Großteil des Geldes, das die Touren einbringen, an das Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart. Einmal im Jahr werden Lilly und Eselwallach Alex zu Goldeseln und überbringen das Geld in goldenen Säcken, die sie auf ihren Rücken tragen. Fast 2900 Euro waren es in diesem Januar, die aus den Müllerschen Eseltouren und seinem Scheunen-Trödelmarkt, den weihnachtlichen Kirchenkonzerten, die Jutta Maier organisiert, und dem Verkauf der von Uwe Ottlinger gestalteten Kalender zusammengekommen waren. Eva Herschmann

www.goldesel-touren.de

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