Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder: Dieses geflügelte deutsche Wort - kombiniert aus der ersten und der letzten Zeile des Gedichts und Volkslieds „Die Gesänge“ von Johann Gottfried Seumes - hatten wohl auch die Gründerväter des Männergesangvereins Hofen, der ehemalige Schulmeister Peter Anton Keilbach und Pfarrer Philipp Ade, anno 1933 im Hinterkopf.
Heute geben rund 70 Sängerinnen und Sänger dem Gemischten Chor und den Beathofens ihre Stimmen - und der 190. Geburtstag des Vereins wird am Samstag, 21. Oktober, mit einem Jubiläumskonzert in der Turn-und Festhalle Mühlhausen gefeiert.
Mit ihrem umtriebigen Dirigenten Dimitri Prokorhenko, der seit 1997 und damit schon mehr als 25 Jahre den Chorleitet, proben die Frauen und Männer seit Monaten für den Auftritt im Herbst. Bei schönem Wetter wird gerne auch im Höfle der alten Musikschule gesungen, in der sie – zusammen mit dem Musikverein Hofen - ihre Heimat haben, und in dem sie am vergangenen Wochenende, wie immer einmal im Jahr, ihre Höfleshocketse veranstalt haben. „Wir haben in der Musikschule unseren Probesaal und unser Stüble mit Küche, in dem wir uns nach den Proben bei Brezeln, Bier, Wein und Wasser zusammensetzen“, sagt Ute Kamer-Kowalczyk, die stellvertretende Vorsitzende des Gesangvereins Stuttgart-Hofen.
Für das Geburtstagskonzert im Herbst haben sich die Sängerinnen und Sänger mit ihrem Dirigenten ein anspruchsvolle und abwechslungsreiches Programm vorgenommen. Es reicht von „Hallelujah“ über „Musik, Musik, Musik“ bis zu einem Abba-Medley und „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Unterstützt werden die Hofener dabei von befreundeten Gesangvereinen, dem Liederkranz Botnang, der Concordia Wolfschlugen und dem Liederkranz Sindelfingen. Der Chor aus Sindelfingen hatte eigentlich schon im November vergangenen Jahres sein Abschiedskonzert gegeben, da sich der Traditionsverein, gegründet 1830, aufgelöst hat. Doch in Mühlhausen steht er noch einmal auf der Bühne.

Auch die Hofener blicken auf eine lange Geschichte zurück und die engagiert Singenden hoffen, dass ihre Zeit noch lange nicht vorbei ist. Der Gesangverein sei eine der ältesten Chorgruppierungen im Großraum Stuttgart und als reiner Männerchor gegründet worden, erzählt Ute Kamer-Kowalczyk. Heute umfasse das Repertoire den traditionellen Volksliedsatz ebenso wie klassische Chöre, Filmund Musical-Melodien und Kunstlieder. „Wir können auch Opern- und Operettenchöre sowie zeitgenössische inund ausländische Chorvertonungen.“ Dass auch moderne Stücke darunter sind, liegt an den Beathofens, deren Name nicht nur originell ist, sondern die mit ihrer Liederauswahl - mehrstimmig, queerbeet, modernen und international - Menschen ansprechen, die gerne singen, dem klassischen Chorrepertoire aber nicht so zugeneigt sind. „Wir hoffen, dass der Gesangverein dank der Beathofens überlebt“, sagt die stellvertretende Vorsitzende, die wie auch Vorsitzender Michael Harrer sowohl im Gemischten Chor als auch bei den Beathofens mitsingt. Unternehmungslustig sind alle Sängerinnen und Sän-ger aus Hofen. Auch wenn sich die aktuellen Reiseziele nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, auf Brasilien, Nordamerika, Südafrika oder Italien erstreckten, erklärt Ute Kamer-Kowalczyk. „Aber wir haben jedes Jahr sehr interessante, meist zweitägige Ausflüge im Veranstaltungsprogramm.“ Sie erinnert sich an viele konzertante und unterhaltsame Highlights in der Ferne und in der Heimat.
Denn das Programm ist groß. Neben Hocketsen, Ausflügen und Wanderungen gibt es Chorauftritte im regionalen Umfeld, Konzerte im Stadtbezirk Mühlhausen oder auch Gastchorauftritte bei befreundeten Chören in der näheren und weiteren Umgebung, Auftritte bei Chortagen oder auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt.
Schleusen-Kammer-Konzert im Rahmen des Hofener Kultursommers
Vermutlich weltweit einzigartig sei das so genannte Schleusen-Kammer-Konzert im Jahr 2003 gewesen, berichtet Ute Kamer-Kowalczyk. Im Rahmen des Hofener Kultursommers - und anlässlich des 170-Jahr-Jubiläums des Gesangvereins - hätten sie einen vielbeachteten Auftritt auf einem Personenschiff in der neckaraufwärts linken Schleusenkammer der Staustufe Hofen gehabt. „Das war ein einmaliges Erlebnis“, sagt die Solo-Sopranistin. Nicht nur für die Akteure, sondern auch für die zahlreichen Zuhörer, die sich gespannt lauschend auf einem zweiten Schiff unmittelbar daneben aufhielten.
Ganz so spektakulär ist der Rahmen für das Jubiläumskonzert zum 190. in der Turn- und Festhalle in Mühlhausen nicht. Aber dabei sein lohne sich, sagt Ute Kamer-Kowalczyk.
Karten im Vorverkauf werde es nach den Sommerferien in der Fein-Bäckerei Rau, im Gasthaus Ochsen sowie bei den einzelnen Chormitgliedern geben.
Mehr unter www.gesangvereinstuttgart-hofen.de
Eva Herschmann