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Friederike von Bünau: „Stiftungen sind ein, Must-have' für unser Land“

Im Gespräch mit Generalsekretärin des Bundesverbands Deutscher Stiftungen

Friederike von Bünau: „Stiftungen sind ein, Must-have' für unser Land“

Stiftungen leisten mit ihrer Arbeit einen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Foto: stock.adobe.com/Yurakrasil

Stiftungen sind im wahrsten Sinne des Wortes antik: Bereits Platon hatte mit seiner Akademie eine Stiftung gegründet. Sind sie aus heutiger Sicht verstaubt? Nein, sie sind unverzichtbar, ist Friederike von Bünau überzeugt. Sie leitet die Geschäftsstelle des Bundesverbands Deutscher Stiftungen (BVDS) in Berlin. 

Frau von Bünau, der BVDS hat im Mai sein 75-jähriges Bestehen gefeiert. Wie ist es um die Stiftungslandschaft bestellt?

Das Interesse am Stiften ist in Deutschland nach wie vor groß: In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist der Stiftungssektor kontinuierlich gewachsen. Auch in unserem Jubiläumsjahr werden voraussichtlich wieder einige hundert Stiftungen gegründet. Die Neugründungen sprechen dafür, dass hierzulande noch immer ein stiftungsfreundliches Umfeld herrscht - mit Blick auf andere Länder in Europa keine Selbstverständlichkeit. 

Friederike von Bünau
Friederike von Bünau

Unter welchen Vorzeichen wurde der BVDS 1948 gegründet?

Der Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg war auch für die Stiftungen schwierig. Zunächst waren es vor allem Stiftungen mit sozialer Zweckbestimmung, die sich zusammenschlossen, um mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen und die Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit von Stiftungen zu schaffen.

Am 20. September 1948 fand in Würzburg die Gründungsversammlung statt. Unter anderen war die Fuggersche Stiftung in Augsburg dabei, eine der ältesten Stiftungen Deutschlands. Auch Würzburger Stiftungen wie das Juliusspital und das Bürgerspital zum Heiligen Geist waren mit an Bord. Schon bald hat sich der Kreis um Stiftungen mit anderen Stiftungszwecken und um Stiftungen außerhalb Bayerns erweitert - der Beginn der 75-jährigen Erfolgsgeschichte des BVDS. 

Inwiefern hat sich in den 75 Jahren die Stiftungsarbeit verändert?

Standen vor 75 Jahren vor allem soziale Zwecke und Wohlfahrt im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit, hat sich die Stiftungslandschaft in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ausdifferenziert. Ein Blick auf die satzungsmäßigen Zwecke von Stiftungen aus dem Mai 2023 zeigt: Soziale Dienste stehen mit 46,1 Prozent zwar immer noch an der Spitze, doch 33,1 Prozent der rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts beschäftigen sich mit Bildung und Erziehung und 29,2 Prozent mit Kunst und Kultur. Auch das Thema Umwelt gewinnt weiter an Bedeutung.

Seit 75 Jahren unverändert ist, dass sich Stiftungen mit ihrem Vermögen langfristig für einen festgelegten Zweck einsetzen. Da Stiftungen in der Regel auf Ewigkeit angelegt sind, können sie Projekte dauerhaft fördern, die anderweitig nicht oder nur unzureichend realisiert werden können. Stiftungen sind wichtige Akteure der Zivilgesellschaft. Sie schaffen einen Mehrwert für unsere Gesellschaft, wobei sie staatliches Handeln nicht ersetzen, sondern ergänzen. Das war früher schon so, und das wird auch so bleiben.

Welche Rolle spielen Stiftungen in einer Gesellschaft, die auseinanderdriftet?

Die Krisen und Umbrüche unserer Zeit verunsichern viele Menschen; es gibt ein spürbares Bedürfnis nach Orientierung, Sinnstiftung und kultureller Begleitung. Hier ist die Kernkompetenz der deutschen Stiftungen gefragt, die den gemeinsamen Anspruch haben, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und bürgerschaftliches Miteinander zu fördern. Stiftungen leisten wertvolle Arbeit auch dort, wo sich der Staat vielleicht gerade nicht ausreichend engagieren kann – etwa in der Demokratieförderung oder bei Bildung und Erziehung.

Stiftungen können neue Ideen und Konzepte für Probleme und Herausforderungen ausprobieren und aufgrund ihrer Unabhängigkeit unterschiedliche Akteure auch parteiübergreifend zusammenbringen. 

Also sind Stiftungen heute immer noch zeitgemäß?

Stiftungen sind nicht nur zeitgemäß, sie sind zeitlos und gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen extrem wichtig für unsere Gesellschaft. Denn sie haben ein besonderes Potenzial, sich mit ihrem Wirken für die Probleme unserer Zeit - etwa für die Integration Geflüchteter, für mehr Bildungschancen oder für mehr Nachhaltigkeit - einzusetzen. Eine Gesellschaft ohne Stiftungen möchte ich mir nicht vorstellen. Sie wäre um viel Engagement, soziale Unterstützung und neue Ideen ärmer. Denken Sie etwa an die vielen Alters- und Pflegeheime, bei denen die Träger Stiftungen sind. Oder die vielen Museen, die von Stiftungen getragen werden.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die deutsche Stiftungslandschaft?

Die globalen Herausforderungen und Krisen beschäftigen auch den Stiftungssektor. Gleichzeitig sind Themen wie die überbordende Bürokratie, die Ertragslage an den Kapitalmärkten und die Nachfolgeproblematik in den oftmals ehrenamtlichen Gremien wichtig. 

Und welche Chancen gibt es?

Die Chancen bestehen darin, dass Stiftungen mit ihrer Arbeit freier und flexibler punktuelle Initiativen anstoßen können. Stifterinnen und Stifter finden innovative Formen des philanthropischen Engagements und ermöglichen Experimentierfelder von Gesellschaft. Nicht zu vergessen sind die Bürgerstiftungen, die mittlerweile in vielen Regionen zu finden sind. Sie stellen eine neue, gemeinschaftliche Form des Stiftens dar, an der sich jeder mit seinem Engagement und seinen Ideenbeteiligen kann. Mittlerweile gibt es mehr als 400 Bürgerstiftungen in Deutschland.

Sie selbst haben Ihr Amt beim BVDS neu angetreten. Was sind Ihre Hauptanliegen?

Als Generalsekretärin ist es meine Aufgabe, den Bundesverband zu einer starken Stimme in Politik und Gesellschaft zu machen. Wir sind eine Mitgliederorganisation mit einer Vielzahl von Services und Vernetzungsmöglichkeiten. Wir möchten zeigen, welchen Mehrwert Stiftungen für das bürgerschaftliche Miteinander haben.

Stiftungen sind kein Nice-to-have für unser Land, sondern ein Must-have zur Förderung des Gemeinsinns. Deshalb brauchen wir gute Rahmenbedingungen für das Stiften in Deutschland. Mit der Stiftungsrechtsreform, die im Juli in Kraft getreten ist, sind wir ein großes Stück weitergekommen. Als nächstes möchten wir die Reform des Gemeinnützigkeitsrechts vorantreiben. Wir sehen enormen Handlungsbedarf, etwa bei der Bürokratieentlastung.

Was muss die Politik ändern, um die Rahmenbedingungen zu verbessern?

Stiftungen benötigen vom Staat kein Geld, sondern die richtigen Rahmenbedingungen. Hier gibt es aus unserer Sicht großes Potenzial. Mit kleinem Aufwand kann eine große Wirkung erreicht werden, da eine praxisgerechtere Gestaltung des Gemeinnützigkeitsrechts kostenneutral und mit sehr geringem Erfüllungsaufwand umsetzbar wäre. So ist für Stiftungen eine Entbürokratisierung unterschiedlicher Regelungen wichtig, die bislang in ganz erheblichem Maße die Kräfte in den Stiftungen binden, die viel besser zur gemeinnützigen Zweckverwirklichung eingesetzt werden könnten.

→ Die Fragen stellte Nicole Spiegelburg.

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