Tag der Pflegenden

Tag der Pflegenden

8.05.2022

Foto: Yakobchuk Olena / Stock Adobe

Der Internationale Tag der Pflegenden am 12. Mai würdigt die Arbeit der Menschen, die Kranken und alten Menschen helfen. Gut ausgebildete und motivierte Pflegerinnen und Pfleger sind händeringend gesucht.

Mit und für die Menschen arbeiten

Respekt. Alle Bereiche der Pflege, von den Kliniken über die Langzeit- und ambulante Pflege bis zu Reha-Einrichtungen, sind von Fachkräftemangel betroffen. Der Beruf ist anspruchsvoll, verantwortungsvoll, abwechslungsreich und sinnstiftend. Nach einer abgeschlossenen Pflegeausbildung können sich Fachkräfte weiter spezialisieren. Auch eine akademische Laufbahn ist möglich.

Blutdruck messen und dabei Worte wechseln – Pflegekräfte haben medizinisches Verständnis und hohe kommunikative Kompetenzen. Foto: txn/belchonock/ randstad
Blutdruck messen und dabei Worte wechseln – Pflegekräfte haben medizinisches Verständnis und hohe kommunikative Kompetenzen. Foto: txn/belchonock/ randstad

Alljährlich am 12. Mai soll mit dem „Internationalen Tag der Pflegenden“ deren Arbeit gewürdigt werden. In Deutschland wird dieser Tag seit 1967 begangen und erinnert an die britische Pflegerin Florence Nightingale, die als Pionierin der modernen Krankenpflege gilt und am 12. Mai Geburtstag hatte. In diesem Jahr lautet das Motto „Nurses: A Voice to Lead. In die Pflege investieren – Rechte respektieren für globale Gesundheit“. Es geht darum, dass die Pflegenden mehr Investitionen benötigen, damit sie gute Pflegequalität für alle leisten und ihre wichtige Rolle im Gesundheitssystem ausfüllen können. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, muss in allen nationalen Gesundheitssystemen der Welt die Rolle der professionell Pflegenden deutlich verstärkt werden. Denn gute gesundheitliche Versorgung und hochwertige Pflege erfordern vor allem eines – gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte.

Gerade in Zeiten der Pandemie hat sich der Personalmangel verstärkt, insbesondere im Bereich der Intensivpflege haben viele Mitarbeitende die Konsequenzen aus der Dauerbelastung gezogen. Laut einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft fehlen daher in jeder dritten Klinik zwischen fünf und zehn Prozent des Pflegepersonals. „Der Fachkräftemangel ist bundesweit ein Problem und betrifft alle Bereiche der Pflege, von Kliniken über die Langzeitpflege und die ambulante Pflege bis hin zu Reha-Einrichtungen“, erklärt Andrea Kiefer, Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) Südwest e.V. „Eine Ursache ist, dass viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Beruf ausgestiegen sind.“ Die aktuelle, von der Hans-Böckler Stiftung geförderte Studie „Ich pflege wieder, wenn . . .“ ergibt ein Potenzial von rund 300 000 bis 660 000 zusätzlichen Vollzeit-Pflegekräften durch Rückkehr in den Pflegeberuf und Aufstockung von Stunden bei Teilzeitkräften, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.

Es gibt jedoch auch Argumente, die für einen Beruf im Gesundheitswesen sprechen. „Ein wesentliches Element der Pflegetätigkeit ist Beziehungsarbeit und Kommunikation“, erklärt Andrea Kiefer. „Natürlich bekommt man von Patienten und Patientinnen und oft auch von Angehörigen viel zurück. Zudem eröffnet die interprofessionelle Arbeit im Team Perspektiven, die in anderen Berufen so nicht gegeben sind. Professionelle Pflege ist ein Beruf mit Sinn und einfach schön.“ Zudem bietet die Branche zahlreiche Einsatzmöglichkeiten in vielen Feldern der gesundheitlichen Versorgung. Einsatzorte sind beispielsweise Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen der häuslichen Krankenpflege, Rehabilitation, Palliativpflege oder Psychiatrie. Pflegekräfte sind je nach Einsatzgebiet gesundheitsfördernd, präventiv, kurativ, rehabilitativ, begleitend oder palliativ tätig.

Ein Beruf wie jeder andere ist die Pflege vor diesem Hintergrund definitiv nicht. „Man sollte Freude an und mit der Arbeit am Menschen haben“, betont Andrea Kiefer. „Dazu sollte man Offenheit, Flexibilität, Kreativität und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein mitbringen.“ Wichtig sind auch ein naturwissenschaftlich-medizinisches Verständnis, Stressresistenz, eine hohe Reflexionsfähigkeit sowie die Bereitschaft, im Schichtwechsel zu arbeiten. „Pflege ist eine Profession“, bringt es Kiefer auf den Punkt. „Pflegefachpersonen sind mit ihrer dreijährigen Ausbildung oder durch ihr primärqualifizierendes Pflegestudium hoch qualifiziert und viele professionell Pflegende sind durch Weiterbildungen beziehungsweise weiterführende Studiengänge mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet. Profis eben!“

Mit einer abgeschlossenen Pflegeausbildung an einer Fachschule oder Hochschule können sich Fachkräfte spezialisieren und Schritt für Schritt Karriere machen. Beispiele sind die Krankenhausbereiche Operationsdienst, Intensivpflege oder Anästhesie. Zudem gibt es Weiterbildungen in der Psychiatrie, Hospiz- und Palliativpflege oder Gerontopsychiatrie. Im Pflegealltag begegnen den Fachkräften zum Beispiel immer mehr Patientinnen und Patienten mit Diabetes, aktuell gibt es etwa 8,5, Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. In Weiterbildungen können sich Pflegekräfte in der Gesundheits- und Altenpflege entsprechende Kompetenzen in der Diabetologie aneignen. Auch eine akademische Laufbahn mit Promotion und Professur ist möglich. Nicht zu vergessen bei der Berufswahl ist die Tatsache, dass Pflegefachkräfte durch die Digitalisierung nicht wegfallen können und das gilt längst nicht für alle Berufe.

Vielmehr soll die Digitalisierung zum Beispiel helfen, Pflegerinnen und Pfleger bei der Schreibarbeit zu entlasten und ihnen so wieder mehr Zeit für die eigentliche pflegerische Tätigkeit zu verschaffen. So wurden kürzlich Gründer, die eine App entwickelt haben, mit der Pflegekräfte per Sprachassistent etwa Vitalwerte, Allgemeinzustand und geleistete pflegerische Arbeit mündlich dokumentieren können, von der Deutschen Gesellschaft für Innerer Medizin (DGIM) ausgezeichnet. Brigitte Bonder