Hallschlag

SWSG Stuttgart: Viel Grün auch im neuen Wohnquartier in Hallschlag

Im Bereich Düsseldorfer/Bottroper Straße auf dem Hallschlag sind die meisten Mieter schon ausgezogen. Der Abbruch beginnt Mitte 2023.

4.08.2022

So viel Grün wie in dem Wohngebiet Düsseldorfer/Bottroper Straße findet man nicht oft in Stuttgart. Fotos: Jürgen Brand

Das Wohnquartier Düsseldorfer/Bottroper Straße im Stadtteil Hallschlag gleich neben dem Römerkastell wirkt in diesem Sommer auf den ersten Blick fast idyllisch. Überall viel Grün mit hohen Bäumen und Büschen, kaum Verkehrslärm, angenehme Ruhe. Es sind allerdings auch kaum Menschen zu sehen zwischen den Häusern, an den Fenstern.

Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH

Der Grund dafür offenbart sich erst auf den zweiten, genaueren Blick: Inzwischen stehen viele der deutlich in die Jahre gekommenen Wohnungen leer, nur noch etwa ein Fünftel davon ist nach Angaben des Eigentümers des Quartiers, der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), bewohnt. Mitte des kommenden Jahres, also 2023, soll mit dem Abbruch der nicht mehr zeitgemäßen Gebäude begonnen werden, ein ganz neues Viertel mit deutlich mehr Wohnungen soll dort entstehen. Der Hallschlag hatte einst einen wirklich schlechten Ruf. Aber seit der Stadtteil im Jahr 2006 zum Sanierungsgebiet erklärt wurde, hat sich viel zum Positiven verändert, ist aus dem Problembezirk fast schon ein Vorzeigestadtteil mit attraktiven Wohnungen und guter Infrastruktur geworden. Nur der Bereich Düsseldorfer/Bottroper Straße fehlte noch. In dem Gebiet mit idyllisch anmutendem Gartenstadt-Charakter gibt es zurzeit 114 Wohnungen in lang gestreckten, durchnummerierten Gebäuden, in denen allerdings weder die Statik noch die Heizungstechnik oder der Wärme- und Schallschutz auch nur ansatzweise den heutigen Standards entsprechen. Einer der wenigen verbliebenen Mieter klopft zwar auf die Hauswand und sagt: „Diese Wand atmet, das machen Betonwände nicht.“ Wenn die Wand allerdings in kalten Winter zu viel atmet, dürfte die Nebenkostenabrechnung bei den aktuellen Energiepreisen seine Rente deutlich schmälern. Er würde trotzdem gerne bleiben, hat Angst vor deutlichen Mietsteigerungen in den Neubauwohnungen. Aber jetzt wartet er erst einmal auf ein Angebot der SWSG.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat schon länger beschlossen, dort auf dem Hallschlag ein neues Wohnquartier zu bauen. Der städtebauliche Wettbewerb dafür war im März 2021 vom Gemeinderat gebilligt worden, die Entscheidung der Jury war vor fast genau einem Jahr im Sommer 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Der Siegerentwurf des Düsseldorfer Büros Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner mit faktorgruen Landschaftsarchitekten sieht ebenfalls viel Grün in dem Bereich vor, gibt dem Gebiet aber ein ganz anderes Gesicht: Vorgesehen sind 319 zum Teil öffentlich geförderte und bezahlbare Wohnungen, die in mehrgeschossigen Winkelgebäuden mit Flachdach angeordnet sein werden.

Die Gebäude mit offenen Durchgängen sind zum Teil zu Rechtecken gegeneinander gesetzt und bilden so intime Innenhöfe mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

„Das Leben im öffentlichen Stadtraum ist uns wichtig”, hatte der Architekt Thomas Schüler vor einem Jahr bei der Präsentation seines Entwurfs gesagt. Die Baukörper seien einfach gehalten, die Fenster raumhoch, die unterschiedliche Fassadengestaltung könne zu einer ganz abwechslungsreichen Anmutung führen.

Der Entwurf sieht auch eine Quartierstiefgarage, einen Nachbarschaftsplatz, ein Familienzentrum, Möglichkeiten für betreutes Wohnen und ein Mobilitätskonzept vor. An dem Wettbewerb hatten 18 Architekturbüros teilgenommen.

Der Siegerentwurf bildet die Grundlage für das Bebauungsplanverfahren, das gleich nach der Preisgerichtssitzung vor einem Jahr eingeleitet worden war und Ende 2023 abgeschlossen sein soll. Parallel dazu wird die Planung weiter verfeinert und vervollständigt. Die sogenannte Entmietung, also der Auszug der bisherigen Bewohner in andere SWSG-Wohnungen, läuft bereits seit vielen Monaten.

Die verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner sollen spätestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres in andere Wohnungen umziehen. Gleich danach werden die Abrissbagger anrollen. Nach dem bisherigen Zeitplan sollen die neuen Wohnungen spätestens 2026 bezugsfertig. Jürgen Brand