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Interview mit dem Oberbürgermeister: „Wissenschaft spielt eine herausragende Rolle in Stuttgart“

Frank Nopper über das Wissenschaftsfestival, MINT-Förderung, Forschung, Innovation und die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in Stuttgart

Interview mit dem Oberbürgermeister: „Wissenschaft spielt eine herausragende Rolle in Stuttgart“

Rundgang beim Wissenschaftsfestival 2024: Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (3. von rechts) und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (4. von rechts). Foto: LHS/Max Kovalenko

Herr Oberbürgermeister, die Landeshauptstadt Stuttgart ist Wissenschaftsstadt. Welchen Beitrag leistet das StuttWissenschaftsfestival? garter

Stuttgart ist eine der führenden Wissenschaftsstädte in Deutschland. Stuttgart ist in einigen Bereichen sogar die führende deutsche Wissenschaftsstadt. Da wir diesbezüglich unser Licht viel zu sehr unter den Scheffel stellen, ist dies leider viel zu wenig bekannt. Deswegen ist man fast versucht zu sagen: Stuttgart ist die heimliche Wissenschaftshauptstadt, oder anders formuliert: In Stuttgart stehen viele Kathedralen der Wissenschaft, aber keiner merkt's. Das Wissenschaftsfestival soll den Blick schärfen und für Stuttgart als Wissenschaftsstandort werben. Gleichzeitig stärken wir die Vernetzung innerhalb der Wissenschaftslandschaft sowie die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und fördern auch den Austausch mit Gesellschaft und Politik. Es ist unser erklärtes Ziel, den starken Wissenschaftsstandort Stuttgart gerade auch mit dem Wissenschaftsfestival zu stärken und ihn noch bekannter und sichtbarer zu machen in Stuttgart, in der Region, in Deutschland und weit darüber hinaus.

Stuttgart gilt deutschlandweit als forschungsstarker Standort. Was steckt dahinter, und welche Bedeutung haben Wissenschaft und Forschung für die Wirtschaft?

Die Wissenschaftsstadt Stuttgart ist in der Tat einer der stärksten Forschungsstandorte deutschlandweit. 45 Prozent der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten des Landes Baden-Württemberg konzentrieren sich in Stuttgart. Die Forschung an den Hochschulen wird ergänzt durch zahlreiche außeruniversitäre Forschungsinstitute – deren Zahl so groß ist, dass man höllisch aufpassen muss, keines zu vergessen: so etwa fünf Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, zwei Institute der Max-Planck-Gesellschaft, die Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das Zentrum für Künstliche Intelligenz und Robotik Cyber Valley, rund 100 Steinbeis-Unternehmen und viele mehr. Mit der Einweihung des Zentrums für Quantentechnologie im Jahr 2021 ist zudem ein Quantensprung für die Wissenschaftsstadt Stuttgart erfolgt, mit dem eine gute Basis gelegt wurde, dass Nobelpreise zukünftig wieder nach Stuttgart gehen. Die Hochschulen und Forschungsinstitute wecken nationale und auch internationale Aufmerksamkeit.

Ergänzt werden die universitären Forschungen durch die Forschungsleistungen der global operierenden und der mittelständischen Unternehmen in Stuttgart. Eine besondere Stärke Stuttgarts liegt im engen Schulterschluss von Wissenschaft und Wirtschaft. Forschungsergebnisse finden hier oft direkt ihren Weg in die Anwendung. Umgekehrt geben die Herausforderungen der Unternehmen wichtige Impulse für neue Forschungsansätze.

Welche konkreten Vorteile ergeben sich aus diesem Schulterschluss?

Diese enge Verzahnung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Stuttgart in Zukunftsfeldern wie Mobilität, Maschinenbau, Künstlicher Intelligenz, Lasertechnologie, Digitalisierung, Umwelt- und Energietechnik sowie der Entwicklung von neuen Werkstoffen national und international eine Spitzenposition einnimmt. Täglich werden in Stuttgart – wenn man alle Sektoren zusammen betrachtet - an die 16 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Das Statistische Landesamt kommt zu dem Schluss, dass in Sachen Innovationsfähigkeit Baden-Württemberg innerhalb der Europäischen Union den Spitzenplatz belegt. Den dritthöchsten Innovationsindex hat dabei der Stadtkreis Stuttgart was noch etwas Luft nach oben lässt, aber immerhin einen Champions-League-Platz bedeutet.

Legen Sie wegen dieser Stärken beim diesjährigen Festival einen Fokus auf MINT?

Ja, ganz bewusst und ganz gezielt. Der MINTSchwerpunkt ist ein wichtiger Bestandteil der von mir initiierten MINT-Offensive. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind die Schlüsselbereiche für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der kommenden Jahrzehnte. Dies gilt erst recht an einem bedeutenden MINT-Studienstandort wie Stuttgart. Rund die Hälfte aller Studierenden ist in diesen Fachrichtungen eingeschrieben. Gleichzeitig beobachten wir seit einigen Jahren insbesondere bei den Universitäten rückläufige Studierendenzahlen, während der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in nahezu allen Wirtschaftsbereichen weiterhin hoch ist. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformationen benötigen wir hervorragend ausgebildete Fachkräfte, innovative Köpfe und eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Insbesondere junge Menschen wollen wir für MINT begeistern, Talente fördern und neue Perspektiven eröffnen. Mit unserem Schwerpunkt verfolgen wir deshalb drei zentrale Ziele: Erstens stärken wir die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes. Zweitens wollen wir Studierende sowie herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Stuttgart gewinnen und damit dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Und drittens schaffen wir die Grundlage dafür, dass Stuttgart auch künftig ein führender Technologie- und Innovationsstandort bleibt.

Wer die Zukunft gestalten will, muss heute in Bildung, Forschung und Talente investieren. Genau das tun wir mit unserer MINT-Offensive und dem Stuttgarter Wissenschaftsfestival.

Die Fragen stellte unsere Redaktion

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