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Familie & Leben

Schönes Wetter hält Einzug in den Stadtgebieten: Doch was macht sie eigentlich so besonders? Sonne satt in Stuttgart Süd und West

Der Frühling ist da. Osterglocken und Tulpen verschönern die Stadt. Zarte Pfingstrosen entfalten sich vielerorts. Die Sonne scheint und der Himmel weist kaum Wolken auf. Warum nicht auch mal die Sonnenseiten des Stuttgarter Südens und Westens betrachten?

Mittelpunkt in Stuttgarts Süden ist der Marienplatz mit seiner Freitreppe. Der Platz eignet sich ideal für Veranstaltungen und ist viel besucht. Foto: Tatjana Eberhardt

Von Adligen, Aufbruchstimmung und Aussichten

Hohen Mietshäusern aus der Gründerzeit und ehemaligen Arbeiterwohnvierteln stehen Villen und bürgerlichen Wohnhäusern mit reich verzierten Fassaden gegenüber: Im Stuttgarter Süden findet sich allerlei Historisches und auch Sehenswertes.

Mittelpunkt ist der Marienplatz: Festivitäten sind beliebt und bestens besucht – und das nicht nur beim Marienplatzfest. Gerade im Frühjahr und Sommer ist es die Freitreppe, die einem direkt ins Auge springt, nachdem die Treppen von der UBahn hochläuft. Und auch Gastronomen erkannten das Potenzial des vom Architekten Heinz Lermann entworfenen Platzes, der lange als Betonwüste bezeichnet wurde: Bars, Restaurants sowie Eisdielen finden sich hier, aber auch Lebensmittel- und Bekleidungsgeschäfte.

Wer sich in den letzten Jahren „gemausert“ hat? Der Südheimer Platz. An der gleichnamigen Haltestelle steigen Touristen hauptsächlich aus, um sich einmal mit der historischen Seilbahn in die Schräglage hoch nach Degerloch zu begeben. Der Platz selbst wurde kaum beachtet. Das änderte sich jedoch, als die Veranstaltungsreihe „Südfeuer – Sommer am Südheimer Platz“ von der Initiative „Heslach im Blick“ ins Leben gerufen wurde. Die Errichtung einer Calisthenics-Anlage, eine Art Fitnessstudio im Freien, die der Jugendrat Stuttgart-Süd gefordert hatte, steht seit 2016 und lockt Besucher an.

Und dann ist da ja noch das Gebrüder Schmid Zentrum im Generationenhaus Heslach. Im Foyer befindet sich das Herzstück der kultur- und generationenübergreifenden Einrichtung mit Großfamiliencharakter: Das „Café Nachbarschaft“. Das doppelte „f“ ist übrigens nicht zufällig in das Wort Nachbarschaft reingerutscht, sondern soll buchstäblich zeigen, dass man gemeinsam mit seinen Nachbarn alles schafft. Es wird von engagierten Bürgern aus dem Stadtbezirk ehrenamtlich betrieben.

Steil gehen in Stuttgart-Süd

Im Westen stammen viele Häuser aus der Gründerzeit, ihre Fassaden sind reich verziert.
Im Westen stammen viele Häuser aus der Gründerzeit, ihre Fassaden sind reich verziert.
Foto: Tatjana Eberhardt

Ein Highlight ist die Zahnradbahn – auch als „Zacke“ bekannt. Seit 1884 zeigt Stuttgart hier Zähne und transportiert täglich Stuttgarter und Touristen bis hoch nach Degerloch. An einigen Stellen beträgt die Steigung knapp achtzehn Prozent.

Hoch hinaus geht es im Süden allerdings auch, wenn man die Karlshöhe erklimmt. Angelegt wurde die Parkanlage auf der Bergkuppe des Reinsburghügels im Englischen Stil mit Kinderspielplatz im Jahr 1889 vom Verschönerungsverein Stuttgart – zuvor gab es hier einen Steinbruch auf dem eigenen Grundstück.

Schon gewusst? Sie war ein beliebter Wohnort wohlhabender Fabrikanten, darunter auch der Industrielle Gustav von Siegle, der als einer der einflussreichsten Stuttgarter seiner Zeit gilt. Die Gesamtanlage samt Villa Gemmingen steht heute unter Denkmalschutz.

Dass Stuttgart-Süd ein Stadtbezirk ist, der dem Wandel unterliegt, wird ersichtlich am Österreichischen Platz: Die Initiative Stadtlücken e. V. hat ein Auge auf den als „Unort“ deklarierten Platz unter der Paulinenbrücke geworfen. Dieser soll ein Ort der Begegnung und des Austausches sein.

Von Adligen, Aufbruchstimmung und Aussichten

Es sind Hotspots im Westen, etwa der Bismarckoder Hölderlinplatz sowie die Großstadtoase Feuersee, die die Menschen aus der City anziehen.
Es sind Hotspots im Westen, etwa der Bismarckoder Hölderlinplatz sowie die Großstadtoase Feuersee, die die Menschen aus der City anziehen.
Foto: Tatjana Eberhardt

Von Hinguckern, grünen Oasen und Hotspots: Im Stuttgarter Westen zieht es seine Bewohner ebenfalls raus aus den eigenen vier Wänden. Genau hingucken lohnt sich im Stadtbezirk immer: Es sind Hotspots wie der Bismarckoder Hölderlinplatz sowie die Großstadtoase Feuersee, die die Menschen aus dem Bezirk und von überall her aus der City oder sogar von noch weiter weg, anziehen – sei es durch die Grünflächen – 16,5 Hektar insgesamt weist der Bezirk West auf –, wegen des gastronomischen Angebots oder einfach, weil es „hip“ ist, hier „abzuhängen“.

Versetzt in eine andere Zeit: Viele Häuser stammen aus der Gründerzeit und fallen auf, da sie so unterschiedlich sind. Die Verzierungen der im Jugendstil erbauten Fassaden weisen allerlei Motive auf: von engelsgleichen Gesichtern, Blumen oder Tieren. Mal sind es aber auch Verse sowie die Initialen oder Namen der Erbauer, die die Fassaden zieren. Teils sind die Gebäude denkmalgeschützt.

Die andere Seite des am dichtesten besiedelten Bezirks: Natur pur und tolle Aussichtspunkte. An der Hasenbergsteige oder auf der Zeppelinplattform kann man sich einen schönen Überblick über den Stuttgarter Kessel verschaffen. Der Birkenkopf gehört zur Gemarkung Stuttgart-West und ist einer der geschichtsträchtigsten Orte in Stuttgart.

Grün, grüner, Stadtteil Wildpark: Den krassen Gegensatz zum dicht bebautesten Stadtgebiet der Landeshauptstadt mit besonderen Häusern bietet das große Naturschutzgebiet Rotwildpark. Anziehungspunkte dort sind das Bärenschlössle und die drei Wildparkseen. Highlight sind die Tiere: Im Rotwildgehege sind Hirsche zu bestaunen, am Saufang am Schwarzwildpark können Ferkel und Wildschweine beobachtet werden. Die Gegend um das Schloss Solitude ist ebenfalls ein Naherholungsort, der schöner nicht sein kann, um dem Alltag zu entfliehen. te