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Finanzen

Transaktionen. Der Trend zur Bankfiliale in der Westentasche nimmt weiter zu. Wer Online-Banking auf seinem Smartphone oder Tablet nutzt, setzt dabei meistens auf die App seiner Bank oder Sparkasse. Corona beflügelt das Mobile Banking in Baden-Württemberg

Die Corona-Krise hat zu einem deutlich veränderten Zahlungsverhalten – weg vom Bargeld, hin zum kontaktlosen Bezahlen – geführt. Rund 40 Prozent der Baden-Württemberger greifen demnach häufiger zu Girocard oder Kreditkarte als noch vor der Krise.

Foto: pavel siamionov – stock.adobe.com

„Kontaktlose Kartenzahlungen sind bequem und hygienisch. Deshalb bauen wir unsere mobilen Bezahllösungen weiter aus und bieten unseren Kunden nach Google Pay und Apple Pay jetzt auch den Einkauf per Garmin- oder Fitbit-Uhr an“, so Mario Peric, Bereichsvorstand Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank Süd und West.

Wie eine Studie der Commerzbank aufzeigt, gab ein Fünftel der Befragten an, inzwischen häufiger Online-Banking zu nutzen. „Bis Ende September haben wir in unseren Filialen in Baden-Württemberg rund 20 000 neue Anmeldungen für das Online-Banking registriert“, sagt Peric. Wenn man aber genau hinschaue, stagniere die Nutzung von stationärem Online-Banking bei 50 Prozent. Das liegt nach seiner Einschätzung an der veränderten Gerätenutzung. „Das Smartphone verdrängt immer mehr den stationären Computer“, sagt Peric. Aktuell macht die Mobile-Banking-Nutzung bundesweit 37 Prozent aus. 2019 waren dies noch 25 Prozent.

Damit hat sich Mobile Banking laut Michael Koch, Leiter Online- und Mobile Banking bei der Deutschen Bank, zu einem immer wichtigeren Zugangskanal im Privatkundengeschäft entwickelt. „Im Durchschnitt nutzen mittlerweile rund eine Million Kunden pro Tag alleine die DB Mobile App“, sagt er mit Blick auf Deutsche-Bank-Kunden. Diese Nutzungsrate wachse seit Jahren kontinuierlich. Über die vergangenen zwölf Monate alleine gab es einen Schub von rund 20 Prozent. „Am meisten wächst in Zeiten von Corona der mobile Handel mit Wertpapieren. Mehr als ein Drittel aller Online-Trades werden inzwischen über die DB Mobile App abwickelt“, so Koch.

Auch der Kundenanteil der 51 badenwürttembergischen Sparkassen, die mittels Computer, Tablet oder Smartphone auf ihr Konto zugreifen, hat sich inzwischen auf rund 60 Prozent erhöht. Bei den Firmenkunden sind es 80 Prozent. „Dies spüren wir deutlich an der Kundenfrequenz in den Filialen“, sagt der Geschäftsführer des Sparkassenverbands Baden-Württemberg (SVBW), Joachim Herrmann. Die mit Abstand am meisten besuchte Filiale ist demnach die Internetfiliale. „Inzwischen haben viele Kunden ihre eigene kleine Filiale mittels Smartphone in der Hosentasche“, so Herrmann. 
                        

Volksbank Raiffeisenbanken

IN DIE DIGITALISIERUNG WIRD KRÄFTIG INVESTIERT

„Wir werden aber weiterhin stark in der Fläche präsent bleiben und uns nicht nur auf die großen Städte konzentrieren“, sagt der Geschäftsführer. Ende 2019 betrieben die Sparkassen in Baden-Württemberg 1967 Geschäftsstellen – 51 weniger als Ende 2018. Gleichzeitig investieren die Sparkassen weiterhin stark in die Digitalisierung. Nimmt man allein die Situation der anhaltenden Niedrigzinsen, wird das Thema Beratung laut Roman Glaser immer wichtiger. „In der kompetenten und vertrauensvollen Beratung liegt die Stärke unserer Banken, die traditionell sehr nahe an den Menschen und mittelständischen Unternehmen sind“, verdeutlicht der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV). Hierzu würden die Volks- und Raiffeisenbanken ihr Angebot immer weiter ausbauen und verbessern.

„Daneben erweitern sie stetig die digitalen Zugangswege zur Bank wie das Online- Banking sowie die VR-BankingApp“, sagt Glaser. So wird es künftig möglich sein, dass die Kunden auch bei Beratungsthemen wie Geldanlage, Altersvorsorge und Baufinanzierung verstärkt über die digitalen Kanäle mit ihrer Bank kommunizieren und Geschäfte machen können. „Dabei entscheidet immer der Kunde, welchen Kanal er für welchen Vorgang nutzen möchte: persönlich, digital oder persönlich-digital“, erläutert Glaser – sozusagen das Beste aus zwei Welten.

Auch bei einem privaten Institut wie der Bethmann Bank entscheidet der Kunde, auf welche Weise er mit seinem Berater kommunizieren will – telefonisch, per Videoschalte oder im persönlichen Gespräch. „Wir können dem Kunden alle Varianten bieten“, sagt Markus Heilig, Stuttgarter Niederlassungsleiter des Instituts. Voraussetzung dafür war, dass die Muttergesellschaft der Bethmann Bank, die ABN Amro, frühzeitig damit begonnen hatte, in die Digitalisierung ihrer Tochtergesellschaften im Private Banking zu investieren – in den letzten drei Jahren in der Größenordnung von ungefähr 200 Millionen Euro.

Das zahle sich jetzt aus, sagt Heilig auch mit Blick auf die Corona-Krise, während sämtliche Mitarbeiter gesichert von zu Hause aus arbeiten können. Digitale Angebote versteht die Bethmann Bank dabei als Ergänzung zur individuellen Beratung. Heilig nennt in diesem Kontext die sichere und transparente Archivierung von Portfolioberichten, Kontoauszügen und Wertpapierabrechnungen.

Auch die Nutzung des bankeigenen digitalen Portals sowie die elektronische Postbox sind längst zu Standards geworden. „Auf diese Weise kombinieren wir unsere persönliche Kundenbetreuung mit digitalen Angeboten auf sinnvolle Weise“, erläutert Heilig. Thomas Spengler


Wenn Bargeld nicht mehr lacht

Zahlungsverkehr. Die Liebe zum Bargeld bröckelt auch in Deutschland immer mehr.

Erik Meierhoff erzählt von einem fernen Land, wo die Menschen jährlich 550 Transaktionen mit der Geldkarte tätigen. Die Rede ist von Norwegen, jenem skandinavischen Land, das insgesamt deutlich onlineaffiner ist als Deutschland.

Aber auch hierzulande beginnt die Liebe zum Bargeld immer stärker zu bröckeln, weiß Meierhoff, Geschäftsführer der zum Stuttgarter Sparkassendienstleister DSVGruppe gehörenden S-Payment. Kartengestützte Bezahlsysteme haben 2019 im Handel ihren Vorsprung gegenüber Bargeld deutlich ausgebaut. 2018 hatte der Kartenumsatz erstmals knapp den Bargeldumsatz überstiegen – einen Vorsprung, der im vergangenen Jahr auf vier Prozentpunkte gewachsen ist. Kontaktloses Bezahlen nimmt hierbei laut Meierhoff – verstärkt durch die Corona-Krise – eine besondere Stellung ein.

Denn nicht zuletzt aus hygienischen Gründen und weil die meisten Händler ihre Kunden darum bitten, bezahlen die Deutschen an der Kasse immer häufiger kontaktlos – mit Karte oder eben dem Smartphone. Der Kontaktlos-Anteil an den GirocardTransaktionen der Sparkassen-Kunden hat beispielsweise im September dieses Jahres mit 59,4 Prozent die 60 Prozent-Marke nur knapp verfehlt.

Jedenfalls geht Meierhoff davon aus, dass die Nutzungsquote dauerhaft auf erhöhtem Niveau bleiben wird. Nicht zuletzt deshalb, weil die Deutsche Kreditwirtschaft auf die steigende Nachfrage und den Wunsch von Kunden und Händlern reagiert und das Limit für kontaktlose Bezahlungen ohne PIN-Eingabe von zuvor 25 Euro auf nun 50 Euro angehoben hat. „Auch wenn wir zukünftig nicht alles komplett bargeldlos bezahlen, werden digitale Bezahlverfahren in unserem Alltag weiter an Bedeutung gewinnen“, ist sich Meierhoff sicher. Dies dürfte insbesondere dann der Fall sein, wenn Bezahlen in einen voll integrierten Prozess eingebettet ist und damit für den Nutzer „unsichtbar“ wird. „Eine separate App ist für den Bezahlvorgang nicht nötig“, sagt Meierhoff. Transaktionen werden also immer häufiger unsichtbar im Hintergrund ablaufen.

Einen weiteren Trend macht Meierhoff in neuen Bezahlweisen aus, die etablierte Verfahren künftig stärker ergänzen werden. Sogenannte Wearable Payments, also Bezahlen mit der Smartwatch, dem Fitnessarmband oder einer Datenbrille, dürften mit der Weiterentwicklung und stärkeren Verbreitung der Geräte öfter zum Einsatz kommen. Das Bezahlen per Wearable basiert wie das Mobile Payment auf der NFC-Technologie. Vor allem die Datenbrille ist hierbei vielversprechend. „Denkbar ist auch, einen Einkauf per Augenzwinkern zu tätigen und per Netzhautscan zu verifizieren“, sagt Meierhoff augenzwinkernd. spe
                        

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