Esslingen

Kulturring Hochdorf: Kultur im Dorf als gesellschaftlichen Dialog verstehen

Ein vielseitiges Programm mit kreativen Impulsen, Ausstellungen, Filmabenden, Konzerten, Lesungen und Begegnungen in besonderer Atmosphäre für alle Generationen

In der Hochdorfer Ortsmitte nahe des Rathauses steht versteckt im Grünen in zweiter Reihe das Gebäude der ehemaligen evangelisch-methodistischen Friedenskirche. Dort spielt sich ein Großteil der Aktivitäten des Kulturrings Hochdorf ab, seien es Filmabende, Konzerte oder Lesungen, Vorträge, ein Literaturtreff, eine große Ausstellung zum Kunstsommer oder ganz einfach der gemütliche und entspannte Wochenausklang beim After-Work-Treff. „Wir gehen keine ausgetretenen Pfade, alles was wir beginnen, ist Experiment“, beschreiben Bernd Lörz und Karin Genitheim vom Vorstand des Kulturrings.

Der Verein war im Jahr 1988 im Zusammenhang mit der Eröffnung der Hochdorfer Breitwiesenhalle gegründet worden. „Es war klar, dass da auch Kultur stattfinden muss“, erzählt Lörz. Bei der Gemeinde stieß die Initiative auf offene Ohren, der Kulturring gründete sich als Verein und engagierte sich 20 Jahre lang für die Kulturarbeit in Hochdorf. Ab 2008 sei die Luft allerdings raus gewesen„ ,der Verein schlief vor sich hin“, sagt der Vorsitzende Lörz. Mit der Entwidmung der Friedenskirche und den Aktivitäten der Initiative Dorfwerken dort taten sich Möglichkeiten auf, den Verein wiederzubeleben. Karin Genitheim, stellvertretende Vorsitzende des Kulturrings und selbst Künstlerin, erkannte die Chance und gab 2024 den entscheidende Impuls, in Kooperation mit Dorfwerken eine Kunstaktion auf die Beine zu stellen. „Zuerst hatten wir Zweifel, ob es überhaupt sinnvoll ist, in Hochdorf so etwas zu machen, aber unsere Ausstellung wurde ein regelrechter Publikumsrenner und ein großartiges kulturelles Erlebnis in Hochdorf. Damit hatten wir das Projekt Kunstsommer etabliert“, erzählt Genitheim.

Unternehmen aus der Region

Wie Lörz ergänzt, sei über das Projekt eine Stimmung entstanden, „als ob das Dorf erwachen würde. Die Menschen kamen, sie waren neugierig und gaben den Ansporn, den Kulturring neu zu beleben. Es war ein Experiment, ein Abenteuer, aber es ist gelungen. Der Kulturring war im Ort angekommen.“ Im Mai 2025 startete der Kulturring mit einem ersten Angebotsbereich, dem Filmclub, in die mittlerweile umfangreiche Palette seiner Aktivitäten. „Es war klar, dass das Angebot einen hohen Qualitätsanspruch haben muss. Der Elan und der Ehrgeiz waren da, das Ganze professionell anzugehen“, erzählt Lörz. Der Zuspruch gab den Machern recht. Bereits am ersten Filmabend seien mehr als 30 Besucher verzeichnet worden. „Das zeigte uns, dass sich in unserem Dorf etwas entwickeln kann, das auf Nachfrage stößt“, sagt Lörz.

Die Sache nahm in Windeseile Fahrt auf. Zum Filmclub gesellte sich alsbald der Treff am Freitag, bei dem Vorträge und Reiseberichte genauso angeboten werden wie Diskussionen, Lesungen und kleine Konzerte oder auch nur das gesellige Beisammensein gepflegt wird. Als jüngstes Kind des reichhaltigen Fundus an Ideen ist ein Lesekreis hinzugekommen, der aus dem Stand große Anziehungskraft nicht zuletzt auf jüngere Menschen ausgeübt habe, erzählt Lörz. „Das ist in etwa unsere Nachwuchsabteilung“, scherzt er. Wie in vielen anderen Vereinen „stehen auch bei uns die Ehrenamtlichen nicht gerade Schlange vor der Tür. Allerdings kommen uns unsere gute Kontakte und Kooperationen mit anderen Vereinen in der Gemeinde entgegen“, sagt Lörz. So habe eine Veranstaltung mit offener Bühne für Nachwuchsmusiker einen enormen Zuspruch erfahren, die gemeinsam mit dem Jugendhaus Hochdorf auf die Beine gestellt worden war. In dieser Richtung wolle der Kulturring weiterarbeiten.

Die große Qualität des Hochdorfer Kulturrings und der damit verbundenen Ideen und Visionen zeige sich darin, dass nicht nur kreative Impulse im Ort gesetzt würden, sondern über die offenen Angebote auch eine große Attraktivität entstanden sei, die Gemeinschaft wachsen lasse und gleichzeitig einen Ort der kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Phänomenen bilde. „Dafür braucht es die Kultur und den Kulturring“, beschreiben Genitheim und Lörz.

Den Menschen einen Ort bieten, an dem die Atmosphäre stimmt und an dem sie sich wohl fühlen - dies könne in der ehemaligen Friedenskirche wachsen. Die Gemeinde stelle die Räume zur Verfügung, doch die Umgestaltung und die komplette Ausstattung von Stühlen über die Wandfarbe bis zur Ton- und Lichtanlage müsse der Verein aus eigener Kraft schultern. All dies benötige noch „ein gerüttelt Maß an Spenden“, sagt Lörz. Hinzu komme der - allerdings kostenfreie - Wunsch, in der allgemeinen Wahrnehmung von der Bezeichnung Friedenskirche zum Begriff Kulturhaus zu kommen. „Als Symbol für den offenen Dialog in der Gesellschaft, denn das ist Kultur in all ihrer Vielfalt“, erklärt Karin Genitheim.

Von Peter Stotz


Abschluss der diesjährigen Serie

Mit dieser Folge endet unsere diesjährige Stadtteil- und Kreisserie. Unter dem Motto „Gemeinsam stark im Verein“ haben wir seit März wöchentlich verschiedenste Vereine im Verbreitungsgebiet der Eẞlinger Zeitung vorgestellt. Mit dabei waren etwa Landfrauen und Judoka, Fischer, Tänzerinnen, Sänger und ein VfB-Fanclub. Für ein lebendiges Kulturleben sorgen Geschichts- und Heimatvereine und Theaterleute. Sie alle bereichern das Leben vor Ort. Und sie alle leben vom Mitmachen der Bürgerinnen und Bürger.  dan

Der Verein in Zahlen

Gründungsjahr 1988; ab 2008 ruht der Verein, Wiederbelebung 2025

Mitglieder 48

Altersstruktur etwa 40 bis 85 Jahre

Angebote
Treff am Freitag mit Lesungen, Konzerten, Vorträgen, Reiseberichten, Diskussionen, After-Work-Treffs; ein monatlicher Filmclub-Abend; einmal monatlich Literaturtreff und Lesezirkel; Hochdorfer Kunstsommer mit Ausstellung, Beteiligung am Martinimarkt, Durchführung der Hochdorfer Literatur- und Büchertage, Kooperationen mit Hochdorfer Organisationen und Vereinen

Kontakt vorstand@kulturring-hochdorf.de www.kulturring-hochdorf.de pst