Amateur-Theatergruppen gibt es viele. Dass Laiendarsteller mit ihren Bühnenstücken die lokale Geschichte in Geschichten erzählen, ist dagegen ziemlich ungewöhnlich. Der Theaterverein Neuhausen bringt dieses Kunststück fertig: Nachdem sie 2003 bei der 850-Jahr-Feier der Fildergemeinde das Publikum mit dem historischen Stück „Bauern in Not“ begeistert hatten, beschlossen die Theaterspielerinnen und -spieler: „Das hat uns so viel Freude gemacht, wir müssen zusammenbleiben und weitermachen.“
Gesagt, getan: Im Januar 2004 wurde ein Verein gegründet, und seither haben die Theater-Enthusiasten die Geschichte ihrer Gemeinde immer wieder unter die Lupe genommen und weitere acht unterhaltsame Theaterstücke zur Premiere gebracht. „Herrschaftszeiten“ spielte im 18. Jahrhundert, in „Heimatsack“ drehte sich alles um die Kirche um 1850, „Aufschwung mit Hindernissen“ beleuchtete das Jahrzehnt nach dem Ersten Weltkrieg, in „Aufbruch in eine neue Zeit“ wurde die Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg zum Thema, in „Wenn die Toten wachen“ stand das Obere Schloss im Mittelpunkt, „Domus Roma“ untersuchte die Spuren der Römer in Neuhausen. „Im Pulsschlag der Musik“ erzählte die Lebensgeschichte des örtlichen Klavierbauers Anton Walter, und 2025 feierte „Die schwarze Lies“ – ein Stück über eine Taschendiebin im 18. Jahrhundert – Premiere.



Im Schnitt gibt es alle zwei bis drei Jahre ein neues Stück, denn beim Theaterverein ist alles selbst gemacht. „Wir haben im Verein die unterschiedlichsten Talente, viele lieben das Spielen, ein anderer plant gern, der nächste schreibt gut, der dritte kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit, einer macht tolle Fotos, einige helfen beim Auf- und Abbau“, erzählt Dietmar Rothmund vom Vorstand. Im Miteinander im Theaterverein liege eine große Stärke, betont er: „Hier herrscht ein toller Zusammenhalt. Bei uns im Verein gibt es die unterschiedlichsten Herkünfte, die verschiedensten Berufe, jedes Alter, alles kreuz und quer, wir sind ein gut gemischter Haufen und verstehen uns ganz prima.“

Die Themen gehen den Theatermachern dabei nicht aus: „Vielleicht schreiben wir demnächst mal noch etwas über unser ,Bädle‘, das 2028 hundert Jahre alt wird“, verrät Heinz Schätzle und berichtet, dass für jedes neue Stück genau recherchiert wird: „Im Heimatbuch findet man die tollsten Geschichten. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Neuhausen 1449 komplett abgebrannt ist.“ Sie unterhalten sich mit historisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern, etwa von der Gemeinschaft für Heimatgeschichte, sie forschen in Bibliotheken, eine Dame hat Originaltexte aus der Sütterlinschrift übertragen. „Wir möchten unterhalten, man soll auch lachen können, aber wir wollen nicht nur Schwank und Schenkelklopfer, sondern anspruchsvolles Laientheater über die Geschichte Neuhausens machen“, betont Irene Batzill. Und Dietmar Rothmund ergänzt: „Wir wollen Texte mit Niveau und Anspruch, aber natürlich nicht in Form einer Geschichtsvorlesung, sonst kommt keiner.“
Heinz Schätzle schreibt bereits am nächsten Theaterstück rund um die Riedbrunnensage. „Die Sage kann man nachlesen. Aber dann kommt die Fantasie ins Spiel. Erfundenes, ein roter Faden und ein bisschen Pep für die Unterhaltung werden ergänzt.“ Dabei betont er: „Wir wollen aber nicht den Zeigefinger heben oder die Moralkeule schwingen. Wir wollen die Geschichte kennenlernen, um die Gegenwart zu verstehen. Wer klug ist, kann sich seine eigenen Gedanken machen und daraus immer auch etwas fürs eigene Leben mit nach Hause nehmen.“
Von Gaby Weiß