Bauen und Wohnen

So findet man Energielecks an Häusern

Thermografie machen lassen – Aufnahmen innen sollten den ersten Überblick von außen ergänzen

25.03.2022

Bewölkter Himmel sind laut Experten ideal für Thermografie-Aufnahmen Foto: dpa-tmn/Hase

Sie zahlen hohe Heizkosten – und haben zugleich das Gefühl, die Räume sind nie richtig warm? Dann kann es sein, dass sie die Wärme durch Fenster und Wände verlieren. Die Wärmelecks lassen sich mithilfe einer besonderen Fototechnik aufspüren: der Thermografie. Dabei entstehen Bilder in intensiven Farben, die für die Temperaturen der Hausteile stehen. Bei der Außenthermografie sind die Stellen des Hauses gelb bis rot, an denen viel Wärme von innen entweicht. Wo das Bild blau oder grün gefärbt ist, ist die Oberfläche kälter und es dringt weniger Wärme hinaus.

Die Innenthermografie funktioniert genauso, die Farben werden jedoch andersherum gedeutet: Rot entspricht warmen, ausreichend gut gedämmten Stellen im Haus. Grün und Blau zeigen demnach, wo der Raum durch Wärmelecks auskühlt ist und wo Sanierungsbedarf besteht, heißt es vom Informationsprogramm Zukunft Altbau.

Wann sollte ich Aufnahmen machen lassen?

Die ersten Anzeichen, dass es ein Wärmeleck geben könnte, sind oft mit bloßem Auge erkennbar: Schimmel, Feuchtigkeit an den Wänden und Fenstern oder Haarrisse der Wand. Auch auf dem Dach zeigen sich die Mängel, wenn Schnee darauf ungleich wegtaut oder wenn sich Eiszapfen bilden, erklärt Hermann Kaubitzsch vom Bundesverband für Angewandte Thermografie in Nürnberg.

Er ergänzt: „Thermographie wird genutzt, wenn ein Temperaturproblem im Haus auftritt.“ Etwa wenn eine Wohnung im Winter nicht richtig warm wird. „Wer das Gefühl hat, dass es trotz aufgedrehter Heizkörper zieht, kann die Innenseite der Außenwände thermografisch untersuchen lassen“, sagt Jürgen Henke, Energieberater bei Zukunft Altbau.

Was umfasst so ein Auftrag?

Die Aufnahmen selbst und die Interpretation der Fundstellen durch einen Thermographen. Meist ergibt sich daraus eine konkrete Sanierungsempfehlung. Die Kosten für die Aufnahmen liegen laut den Angaben von Zukunft Altbau bei rund 400 bis 600 Euro für ein Einfamilienhaus.
  

Lasse ich besser Außen- oder doch Innenaufnahmen machen?

„Von außen erhält man nicht ganz so detaillierte Ergebnisse wie von innen“, sagt Thermografie-Experte Kaubitzsch. Aber es gebe Messungen, die nur von außen funktionieren, wie zum Beispiel die vollständige Prüfung eines Wärmedämmverbundsystems an der Fassade. Zudem stelle man von außen fest, wie gut die Fenster gedämmt sind, sagt Steffen Kind vom Gebäudeenergieberaterverband GIH. Die Außenaufnahmen verschaffen also oft einen Überblick. Danach folgen die näheren Messungen per Innenthermographie im Dach, an der obersten Geschossdecke und an allen Außenwänden sowie den Fenstern und Türen, so Steffen Kind.

Gibt es Bedingungen für die Aufnahmen?

„Die besten Wärmebilder entstehen in der Nacht oder am frühen Morgen“, sagt Henke. „Ideal sind fünf Grad Außentemperatur und kälter.“ Und keine Sonne, kein Wind, Nebel, Regen oder Schnee. Am besten ist also ein dauerhaft bedeckter Himmel.

Das Haus sollte zugleich beheizt sein. „Eine Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius ist ausreichend“, sagt Henke. Denn es muss ein Temperaturunterschied von innen nach außen herrschen, am besten von mindestens 15 Grad. Aber der Experte empfiehlt auch, zwei bis drei Stunden vor der Messung die Ventile zuzudrehen – wegen der Wärmeabstrahlung der Heizkörper. Ab diesem Zeitpunkt sollte dann nicht mehr gelüftet werden. Die Fenster bleiben auch während der Thermographie geschlossen, sonst strömt zu viel Wärme nach außen. Folglich erwärmt die Fassade, was zu fehlerhaften Bildern führen kann. dpa/red


Das kann ins Geld gehen

Sanieren kostet, auch das Entsorgen von Baustoffen. Experten geben Tipps.

Ob Sanierung, Umbau, Hausbau oder Abriss – bei der Entsorgung des Bauschutts folgt die teure Überraschung. Rund 10 bis 15 Prozent sind die Entsorgungspreise im Schnitt in den vergangenen fünf bis zehn Jahren gestiegen, schätzt Michael Weiß vom Deutschen Abbruchverband. Teilweise sind Preisschübe von bis zu 40 Prozent möglich. Der Grund: abweichende Vorgaben und Entsorgungsmöglichkeiten in einzelnen Bundesländern.

„Das ist keine normale Preissteigerung – und die Branche ist nicht gierig“, sagt Michael Weiß. Für die gestiegenen Kosten gibt es mehrere Gründe: In den Gebäuden wurden im Laufe der Jahre vielfältige Materialien verbaut. Diese lassen sich teils nur aufwendig trennen. Zudem sind die Auflagen strenger: Mehr Materialien müssen in die Sonderentsorgung – und viele Baustoffe sollen recycelt werden. Was gut für die Umwelt ist, zieht gleichzeitig mehr Arbeit für die Branche nach sich: Die Stoffe müssen vermehrt „sortenrein“ entsorgt und aufwendig getrennt werden.

Das alles gilt auch für private Sanierer und Renovierer, die einen Container selbst befüllen: Wer Bauschutt möglichst günstig entsorgen will, muss die Bestandteile so gut wie möglich voneinander trennen. Sonst müssen das die Profis auf der Deponie oder im Recyclinghof machen. „Das ist Handarbeit, und die ist teuer“, sagt Stefan Schmidmeyer vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Zum Vergleich: Laut Ilona Klein kosten gemischte Abfälle im Gewerbebereich, also was Firmen von der Baustelle entsorgen, zwei bis dreimal so viel wie sortenreine Abfälle.

Was getrennt werden muss, ist regional unterschiedlich. Die meisten Entsorger unterscheiden den Abfall nach Bauschutt ohne Schadstoffe und nach verunreinigtem Material. Letzteres können zum Beispiel schon Tapetenreste am Mauerwerk sein. Da lohnt es sich, vor der Fahrt zum Entsorger zu fragen, was in den jeweiligen Container darf und was nicht.

„Dinge, die sich nicht zuordnen lassen, können in einem Extra-Behälter transportiert und dann auf dem Recyclinghof gemeinsam mit dem Personal zugeordnet werden“, rät Stefan Schmidmeyer. „Das spart Geld.“ Einen weiteren Spartipp hat Reimund Stewen vom Verband Privater Bauherren (VPB): So viel wie möglich wiederverwenden, etwa Ziegel, Holzbalken, Fenster, Türen und viele andere Bauteile. Sie lassen sich manchmal sogar bei der Modernisierung am eigenen Haus nutzen.

Bauherren und Sanierer müssen wissen: Sie halten den Kopf für ihren Abfall hin. „Auch wenn sie keine Fachkenntnisse haben, haften sie, wenn etwas falsch entsorgt wird“, sagt Reimund Stewen, Leiter des VPB-Regionalbüros Köln. „Sie sind sogar dann haftbar, wenn eine von ihnen beauftragte Firma Fehler macht.“ Die zuständigen Umweltbehörden und Entsorgungsbetriebe kennen die Gesetzeslage. Werden bei größeren Umbauten mehr als nur ein paar Quadratmeter Dachpappe oder ein Container voll Holz entsorgt, kann ein Entsorgungsplan vom Fachbetrieb helfen. „Im Entsorgungsplan sollte stehen, welche Stoffe sich im Abfall finden und wie sie sortiert werden müssen“, sagt Stewen. dpa