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Beruf & Weiterbildung

Seltene Berufe als Zukunftschance

Berufswahl. Nische statt Masse: Was die Ausbildung in seltenen Berufen bringt.

In ihrer Ausbildung lernt Lucia Zabinski auch Instrumente zu restaurieren und reparieren. Hier feilt sie an einem Flügelhorn. Foto: dpa-tmn/Christoph Schmidt

5.07.2021
Verband Region Stuttgart

Glasbläser, Drechsler oder Bogenmacherin: Besonders im Handwerk gibt es in manchen Berufen nur noch sehr wenige Auszubildende. Sterben diese Berufe nicht ohnehin bald aus? Und sollte man von einer Ausbildung absehen? Zuerst einmal handle es sich nicht um aussterbende, sondern um seltene Berufe, stellt Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn klar. Viel häufiger kommt es vor, dass Berufe, die technisch überholt sind, in neuen Berufen aufgehen. Die Tätigkeiten von Schriftsetzer und Flexografen zum Beispiel im Ausbildungsberuf Mediengestalter Digital und Print aufgegangen.

Während die meisten bereits vom Berufsfeld Mediengestaltung gehört haben, gibt es viele seltene Berufe, deren Namen man oft nicht einmal kennt. «Seltene Handwerke begegnen uns im Alltag eher wenig, sind aber aus unserem Leben nicht wegzudenken, zum Beispiel Bürsten- und Pinselmacher oder die Musikinstrumentenbauer», erklärt Volker Born, Berufsbildungsexperte beim Zentralverein des deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin.
  

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Eigeninitiative und Recherche sind also wichtig, um auch von unbekannteren Berufen zu erfahren. Auch das eigene Umfeld kann entscheidend sein, wie das Beispiel des Ziseleurs Franco Adamo zeigt. Nachdem er keinen Ausbildungsplatz als technischer Zeichner gefunden hatte, ermutigte sein Vater ihn, es als Ziseleur zu versuchen. Ähnlich wie Steinmetze arbeiten Ziseleure mit Meißel oder Feile: Sie gießen Bronze und bearbeiten Oberflächen, um Embleme und Skulpturen herzustellen.

Für Judith Macherey dagegen war ein freiwilliges kulturelles Jahr (FKJ) in der Denkmalpflege entscheidend. So kam sie zu Klais, einer Werkstatt für Orgelbau in Bonn. Ihr Faible für Kunst und Architektur konnte die Abiturientin dann bei der Arbeit an der Orgel umsetzen. Nach dem FKJ hat sie eine Ausbildung zur Orgelbauerin begonnen und arbeitet derzeit an ihrer Abschlussprüfung.

Oft braucht es besonderen Wagemut, sich für einen seltenen Beruf zu entscheiden. Es gilt: Besser etwas Seltenes gelernt als gar nichts gelernt. dpa