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Beruf & Weiterbildung

Start in die Berufsausbildung Mehr Bits und Bytes

11. Februar 2020 - 10:30 Uhr

Sven Tengel macht eine Ausbildung zum Mechatroniker und lernt unter anderem Programmieren. Foto: Riva
Sven Tengel macht eine Ausbildung zum Mechatroniker und lernt unter anderem Programmieren. Foto: Riva

Digitale Berichtshefte, Kommunikationstools wie Slack oder Whatsapp und Programmieren lernen – die duale Ausbildung verändert sich und bildet mehr und mehr die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts ab. Neu entstanden ist 2018 der Beruf der Kaufleute im E-Commerce. Mit Erfolg: Laut Handelsverband Deutschland starteten gleich im ersten Jahr 1400 Auszubildende. 

Mehr als 80 Prozent der Unternehmen geben bei einer bundesweiten IHK-Umfrage an, die IT-Kompetenz von Azubis gewinne an Bedeutung. Sven Tengel spürt das täglich. Der angehende Mechatroniker beim Fassadenspezialisten Riva GmbH in Backnang lernt neben Schaltplänen zeichnen und Kabel ziehen unter anderem Programmieren. „Heute ist alles mit allem vernetzt, Maschinen und Anlagen ,sprechen‘ miteinander. Ich sorge dafür, dass sie das tun können“, erzählt der 18-Jährige.

BERICHTSHEFT PER APP

Der Auszubildende im zweiten Lehrjahr hat sich den Beruf des Mechatronikers ausgesucht, weil hier Mechanik, Elektronik und IT aufeinandertreffen. „Außerdem ist das ein spannender Beruf mit Zukunft“, so der Backnanger. Er freut sich auf den Abteilungsdurchlauf, bei dem er unter anderem lernt, wie man eine App entwickelt und mit der Hardware abstimmt. Apropos App: Sein Berichtsheft schreibt Tengel schon seit einiger Zeit nicht mehr von Hand. Auf dem iPad getippt, über eine Applikation an den Ausbilder gesendet und elektronisch freigegeben, funktioniert das in diesem Handwerksberuf heute ganz papierlos.

Auch die IHK war nicht untätig. Die Organisation entwickelte jüngst auf Bundesebene ein elektronisches Berichtsheft, mit dem sich Prüfer schon im Vorfeld vergewissern können, ob alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind. „Unsere Kunden, egal ob Azubis, Ausbilder, Prüfer oder in der Weiterbildung, sollen nur noch elektronisch bedient werden. Das ist meine Vision!“, erklärt Andrea Bosch, Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung bei der IHK Region Stuttgart, gegenüber dem „Magazin Wirtschaft“ der IHK. Dazu soll es ein digitales Serviceportal geben, auf das alle an der Aus- und Weiterbildung Beteiligten Zugriff haben und auf dem die Lernfortschritte online verwaltet werden können.

Bei Riva Engineering ist man auch sonst digital unterwegs. „Wir haben Zugang zu einem digitalen Klassenzimmer, wo wir uns auf Prüfungen und Klassenarbeiten vorbereiten oder den Unterricht wiederholen können“, erzählt Tengel. Mit dem digitalen Lernsystem Connect2Learn, das Riva selbst entwickelte, kann der Azubi Elektrobauteile zusammenstellen und lernen, wie sie funktionieren. Schaltungen stellt er dann beispielsweise real zusammen, das iPad simuliert den Strom. „Damit kann ich mir den Lehrstoff eigenständig und in meinem eigenen Lerntempo aneignen.“ Ein Projekt fordert ihn besonders: Die Azubis erarbeiten gerade ein voll automatisiertes und Appgesteuertes Modell des Riva-Geländes in Miniatur. Hier sollen später echte Fahrzeuge fahren. Ein Transporter lässt dann ein Geschenk in einen Schacht fallen, aus dem es Gäste entnehmen können. „Wir arbeiten hier in interdisziplinären Teams anhand des Lehrplans“, erzählt Tengel.

Für seinen Traumberuf verzichtete Michael Horvath auf ein Studium. „Nach einem Praktikum beim Architekten entschied ich mich für die Ausbildung zum Bauzeichner bei Züblin“, erzählt der 26-Jährige, der nach dem Abitur bei dem Bauriesen anheuerte. Im Technischen Büro Tiefbau in Stuttgart plante Horvath während seiner Lehrzeit Baugruben, konstruierte Baupläne und machte sich Gedanken zur Randbebauung. „Mein Job ist es, Kollisionen mit Rohren und Leitungen zu vermeiden“, sagt der ausgelernte Bauzeichner im Bereich Zentrale Technik in Hamburg.

DIGITALE ZUSATZQUALIFIKATION

Während seiner Ausbildung und bis heute modelliert er seine Projekte in 3-D, dem sogenannten Building Information Modeling (BIM). „Ich berücksichtige die verschiedenen Kräfte, die zum Beispiel auf die Baugrube wirken, und sorge dafür, dass die gesetzten Ankerpunkte halten“, sagt Horvath. Als Voraussetzung für seinen Beruf nennt er räumliches Vorstellungsvermögen, technisches Verständnis und mathematisches Grundverständnis. Eine selbstständige und sorgfältige Arbeitsweise mit Augenmaß hilft dabei voranzukommen. Der Beruf des Bauzeichners macht ihm nun so viel Spaß, dass er seinen ursprünglichen Plan zu studieren vorerst auf Eis legen will.

Viele Azubis können schon eine ganze Reihe von Prozessen online abwickeln. Für die elektronische Anmeldung zur IHK-Zwischenprüfung beispielsweise startete im Frühjahr 2019 ein Pilotprojekt. Projektanträge für praktische Prüfungen und die Projekte selbst können schon länger papierlos eingereicht werden. Bei der letztjährigen Sommerprüfung konnten junge Leute in Metall- und Elektroberufen erstmals eine Prüfung für eine digitale Zusatzqualifikation ablegen.

Das Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V. hat das Projekt „Digiscouts“ ins Leben gerufen. Die Initiative soll Azubis dazu animieren, in ihren Betrieben Digitalisierungspotenziale zu identifizieren. Die besten Ideen werden auch umgesetzt – nicht ohne die Chefs um Erlaubnis zu fragen.

Drei bis sechs Monate haben die Azubis dann Zeit, um einen Prozess zu verbessern. Betrieb, Ausbilder und Azubis werden dabei von Coaches begleitet; Weiterbildungen für Lehrlinge und Ausbilder parallel angeboten. Ein teilnehmendes Unternehmen ist zum Beispiel die Eberspächer-Gruppe in Esslingen.  Leila Haidar


Online-Handel managen

E-Commerce-Kaufleute. Einkaufen im Internet boomt, daher hat der Beruf viel Zukunftspotenzial.

Anklicken und bestellen: Im Internet zu shoppen, gehört für viele Verbraucher zum Alltag. Zwei Drittel der Deutschen sind für Einkäufe im Netz unterwegs, wie Zahlen des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigen. Madeleine Bergmann kümmert sich darum, dass sie dort genau das finden, was sie suchen. Als angehende Kauffrau im E-Commerce bei MediaMarktSaturn in Ingolstadt pflegt sie etwa Fotos und Texte von Produkten in den Online-Shop des Einzelhändlers ein. Sie analysiert Kennzahlen, um Kaufabbrüche und Retouren zu minimieren. Zudem entwickelt sie Marketingstrategien.

RECHTZEITIGE LIEFERUNG KOORDINIEREN

Kaufleute im E-Commerce entscheiden mit, wie ein Sortiment gestaltet ist und wie es verkaufsfördernd in Online-Shops, auf Online-Marktplätzen oder über soziale Medien präsentiert wird. Dabei haben die Kaufleute regelmäßig Kontakt mit Kunden. Per Chat, per E-Mail oder am Telefon kümmern sie sich um Anfragen.

Von Bewerbern wird allgemein kein bestimmter Schulabschluss erwartet. Generell von Vorteil sind gute Noten in Mathematik und Deutsch. Ebenso wichtig: gute Englischkenntnisse. Die braucht man, um etwa englischsprachige Produktbeschreibungen zu verstehen oder mit Kunden aus dem Ausland zu kommunizieren.

In der dreijährigen Ausbildung sind rechtliche Regelungen, etwa zu Informationspflichten und Datenschutz, ebenso Thema wie Käufergruppen definieren oder Nutzerverhalten auswerten. Die Ausbildung erfolgt schwerpunktmäßig im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel. Hierzu zählen die reinen Online-, aber auch die Multi- oder Cross-Channel-Händler. Aber auch Firmen anderer Branchen kommen als Ausbildungsbetriebe infrage, etwa im Bereich Tourismus oder in der Chemie- und Metallindustrie, bei Banken, Versicherern oder Zeitungs- und Musikverlagen. dpa 

» Berufsbild – http://dpaq.de/BMh9L
  

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