Beruf & Weiterbildung

Perspektive Sozialberufe

Perspektive Sozialberufe

Foto: dpa-tmn/Monika Skolimowska

Die Arbeit in einem sozialen Beruf ist erfüllend, aber auch nicht selten mit hohen Herausforderungen verbunden. Wer sich dafür entscheidet, in einer Kita oder in einem Heim Karriere zu machen, hat es mit Menschen zu tun – von ganz jung bis ganz alt.

Die ersten Wegbegleiter

Mal Forscherin, mal Handwerkerin, dann wieder Seelentrösterin: Erzieherinnen und Erzieher finden sich täglich in vielen verschiedenen Rollen wieder – Der Beruf kann erfüllend wie herausfordernd sein – Viel Raum für Kreativität

Ein Alltag ohne Kinder? Für Lea-Sophie Aldejohann kaum vorstellbar. Die 22-Jährige ist Erzieherin und arbeitet in einer Kita in Nordrhein-Westfalen. Sie geht ganz in ihrer Tätigkeit auf, ein Beispiel von Zehntausenden in ganz Deutschland. Fachkräfte wie sie betreuen und unterstützen Mädchen wie Jungen dabei, die Welt zu erobern und zu verstehen. Dabei geben Erzieherinnen Impulse, fördern sie im Spiel und haben immer ein offenes Ohr. „Kein Kind ist wie das andere, sie schaffen es immer wieder, mich zu verblüffen“, sagt sie.

Kinder und Familien zu begleiten ist eine anspruchsvolle, vielfältige und herausfordernde Aufgabe. So sieht es Barbara Nolte vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Aber die Aufgabe kann auch sehr erfüllend sein“, ergänzt sie.

Erzieherinnen und Erzieher beobachten das Verhalten der Kinder, dokumentieren deren Bildungs- und Entwicklungswege und beraten die Familie. „Der Beruf bietet Raum für viel Kreativität, da es keine festen Lehrpläne gibt, sondern es möglich ist, die Bildungs- und Erziehungsarbeit kindgerecht und individuell zu gestalten“, so Nolte.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Im Vordergrund stehen die Kinder mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen. „Genau das macht den Job so abwechslungsreich“, sagt dazu Lea-Sophie Aldejohann. Traurig macht sie, dass ihre Tätigkeit von der Gesellschaft nicht hinreichend wertgeschätzt werde. „Für viele gelten Kita-Erzieherinnen immer noch als die, die mit den Kindern basteln, spielen und auf sie aufpassen und das war’s.“ Dabei ist ihr Beruf viel mehr. Schließlich geht es darum, Kinder ein Stück auf ihren Weg ins weitere Leben zu begleiten und auch eine Art Vorbild zu sein.

Wichtiger pädagogischer Auftrag zu erfüllen

Wer sich für den Beruf entscheidet, sollte kommunikativ sein und ein gutes Einfühlungsvermögen besitzen. Denn Erzieherinnen und Erzieher sind immer zur Stelle, wenn es darum geht, Streit zu schlichten oder zu erklären, wie ein gutes Miteinander funktioniert.

So versetzen sie Kinder in die Lage, zu selbstständigen Mitgliedern einer Gemeinschaft heranzuwachsen. Zugleich fördern die Fachkräfte die sprachliche und motorische Entwicklung der Kinder.

Sie sind dabei längst nicht nur in Kitas, Kinderkrippen und Horten tätig, sondern arbeiten auch in Schulen, wo die Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Form von Hausaufgabenhilfe im Vordergrund steht. Für Erzieherinnen und Erzieher in Krankenhäusern, Kurkliniken und Ferieneinrichtungen liegt der Schwerpunkt auf der pädagogischen Betreuung der Kinder.

Von Kita bis Kureinrichtung

Im Bereich der Kinder- und Jugendheime übernehmen Erzieherinnen und Erzieher zum Teil die Rolle der Erziehungsberechtigten. Sie bereiten Essen zu, kümmern sich um Wäsche und Bekleidung, motivieren zu Freizeitaktivitäten und sind Ansprechpartner für alle Dinge des Lebens.

Die Fachkräfte sind etwa auch in Internaten, Einrichtungen für Eltern-Kind-Kuren, Krankenhäusern, in Tagesstätten oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderung oder in Familienberatungsstellen tätig. Die Ausbildung und die Voraussetzungen dafür sind deutschlandweit nicht einheitlich geregelt. Je nach Bundesland erfolgt die Ausbildung nach VBE-Angaben entweder an einem Berufskolleg, einer Fachschule für Sozialpädagogik oder einer Fachakademie. Auf der Seite Berufenet der Bundesagentur für Arbeit können sich Interessierte über die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen in ihrem Bundesland informieren. Im Schnitt dauert die Ausbildung laut VBE drei Jahre und erfolgt in unterschiedlichen Formen. „Klassisch ist die zweijährige schulische Ausbildung mit Praxistagen oder -blöcken mit anschließendem einjährigen Berufspraktikum“, sagt Barbara Nolte.

Und es gibt auch noch die PIA – die sogenannte praxisintegrierte Erzieherausbilddung. Dabei sammeln die Schüler praktische Erfahrungen mit allen Altersgruppen in unterschiedlichem zeitlichen Umfang. Auch die Zusammenarbeit mit den Müttern und Vätern ist Teil der Ausbildung. Die Auszubildenden lernen, ihre Beobachtungen den Eltern mitzuteilen, indem sie über Interessen, Fähigkeiten und nächste Entwicklungsschritte des Kindes berichten. Die Gestaltung von Elterngesprächen, Elternabenden und Festen ist ebenfalls Thema. Zum Unterricht gehört neben der Kooperation im Team auch die Zusammenarbeit mit den Schulen in der Übergangsphase von der Kita zur Grundschule.

Der Wechsel zwischen Theorie und Praxis ist in beiden Ausbildungsvarianten und je nach Schule unterschiedlich organisiert. Die PIA-Auszubildenden haben drei Tage in der Woche Schule und sind zwei Tage in einer jeweiligen Einrichtung tätig.

Die anderen absolvieren dagegen im ersten und zweiten Ausbildungsjahr mehrere Praxisblöcke und besuchen ansonsten die Schule. Im letzten Ausbildungsjahr sind sie dann fast vollständig in der Einrichtung im Einsatz. Dabei werde mit Fallbeispielen gearbeitet, zudem werde der Arbeitsalltag reflektiert. Das geschieht in der Schule, aber auch, wenn Lehrer bei Praxisbesuchen vor Ort sind. Bei solchen Terminen gehe es nicht nur darum, Noten zu vergeben, sondern auch, die Nachwuchskräfte gut zu beraten. dpa-tmn/red

Wo KI in der Pflege helfen kann

Versorgung pflegebedürftiger Menschen ist eine große Herausforderung

Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung wächst nicht nur der Bedarf an geschulten Kräften, sondern auch an Innovationen. Kann Künstliche Intelligenz (KI) eine Rolle spielen? Um KI ranken sich viele Missverständnisse. Am Ende ist es der Versuch, menschliche Entscheidungen über Computer abzubilden, erklärt Professor Andreas Hein, ein Fachmann für Assistenzsysteme. Das bedeutet mit Blick auf Medizin und Pflege: „Ärztinnen oder Pflegern wird etwas vorgeschlagen, was der Computer aus den Daten ableitet. Die finale Entscheidung trifft ein Mensch“, sagt der Direktor des Departments für Versorgungsforschung an der Universität Oldenburg. In der ambulanten Pflege finde KI bereits Anwendung, etwa in der Routenplanung. Hier werden zum Beispiel anhand von Fahrtzeiten oder Präferenzen der Patientinnen und Patienten Touren geplant.

Seit einigen Jahren dominieren dem Forscher zufolge in der KI Verfahren, die es Maschinen ermöglichen, mit Daten zu lernen. „Hier werden vorab keine Regeln festgelegt, sondern die Regeln werden aus Daten extrahiert“, erklärt Hein. Damit das gut klappt, müssen die Daten gut sein: Man müsse die Entscheidungsgrundlagen kennen und die Entscheidungen, die auf deren Basis getroffen wurden. Der Professor nennt ein Beispiel: So können in der Radiologie mit archivierten Computertomografie-Bildern und daraus gestellten Diagnosen Systeme trainiert werden. Das einzige Problem: In der Pflege gibt es solche Daten bislang nicht. Das sei gerade erst im Aufbau, so Hein.

„Ohne Daten keine KI“, fasst die Pflegewissenschaftlerin Karin Wolf-Ostermann zusammen. Die Professorin leitet die Abteilung für Pflegewissenschaftliche Versorgungsforschung an der Uni Bremen.

Gerade die Dokumentation sei eines der großen KI-Zukunftsthemen, meint Andreas Hein. Pflegekräfte verbrächten damit 30 bis 50 Prozent ihrer Zeit. Könnten sie das schneller erledigen, bliebe mehr Zeit für die Arbeit am Menschen. „Wir glauben, dass wir hier noch mehr Daten werden einspeisen müssen, um mit Hilfe von KI die Dokumentation unterstützen zu können“, sagt er.

Die Anwendungsfelder für KI in der Pflege seien ein „bunter Mix“, sagt Karin Wolf-Ostermann: Vom Monitoring des Gesundheitsstatus oder der Aktivitäten von Pflegebedürftigen, über Alarmmanagement und Erkennung von Stürzen bis hin zur Dienst- oder Medikationsplanung. Auch die soziale Unterstützung, Interaktion und Aktivierung gehören dazu - geistig und körperlich. Das kann bei der Betreuung von Menschen mit Demenz hilfreich sein, obgleich es aus ethischer Sicht umstritten ist, wie Hein sagt. So bestehe zum Beispiel beim Einsatz tierähnlicher Roboter die Gefahr, dass durch technischen Ersatz die notwendige Zuwendung und der Umgang zwischen dem Demenzkranken und der Pflegekraft reduziert werde.

Neue Technologien seien kaum mehr aus der Pflege wegzudenken, sagt Wolf-Ostermann. Man wisse aus eigenen Studien auch: Die Aufgeschlossenheit der Pflegenden gegenüber neuen Techniken sei prinzipiell hoch. Gestaltungsspielräume sollten aktiv genutzt werden, sagt sie, indem rechtzeitig eine breite Auseinandersetzung mit technologischen Innovation stattfinde. Diese müsse offen geführt werden. dpa-tmn

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