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Finanzen

Nur Bares ist Wahres

Trend. Aufgrund der Verwahrentgelte horten viele Anleger Bargeld in Bankschließfächern.

Beliebte Schließfächer. Foto: dpa-tmn/Andreas Gebert

23.11.2021

Früher waren es insbesondere Schmuck, Versicherungspolicen, ein wenig Gold oder das Testament, mit denen man typischerweise das Schließfach gefüllt hat. Heutzutage sind in nennenswertem Umfang Bargeld und größere Goldbestände hinzugekommen, berichten Banker übereinstimmend. Die Gründe für die neue Liebe zu Bargeld und dem gelben Edelmetall sind auf die herrschende Zinssituation zurückzuführen. Schließlich schlägt mit der Einführung von Verwahrentgelten, die bei manchen Instituten bereits ab 30 000 Euro anfallen, eine neue Kategorie an Kosten zu Buche. Daher neigt eine zunehmende Anzahl von Privatanlegern dazu, ihre Schließfächer mit Bargeld zu füllen. Bekanntlich sehen sich Kreditinstitute aufgrund der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank in der Breite gezwungen, Verwahrentgelte auf hohe Einlagesummen zu berechnen – was insbesondere für Neukunden gilt. Dieser Malus, der formal als Verwahrentgelt erhoben und landläufig auch Minuszins genannt wird, lässt so manchen Anleger also zurück ins Bargeld flüchten.

Dies macht sich in einer erhöhten Nachfrage nach Schließfächern bemerkbar. So liegt die Auslastungsquote in den Tresoren vieler Institute, je nach Schließfachgröße, bei 90 Prozent. Die jährlichen Kosten für Schließfächer in der Größenordnung eines Din-A4-Ordners liegen bei brutto 60 Euro und mehr. Bei den meisten Banken und Sparkassen bleiben die Schließfächer für Bestandskunden reserviert. Schließfächer in der Größe eines Kleiderschranks, wo etwa Gemälde oder größere Mengen an Edelmetall aufbewahrt werden können, können eine Jahresmiete von 400 Euro kosten und sind bei manchem Institut so rar, dass es Wartelisten gibt. Zu beachten ist, dass es bei den Instituten Preisunterschiede gibt.

Vielfach ist der Inhalt eines Schließfachs mit bis zu 30 000 Euro versichert. Höhere Werte können individuell abgesichert und müssen beim Bargeld nachgewiesen werden. Über den Daumen gepeilt, kostet die Versicherung eines Schließfachs ein Promille ihres Inhalts, zusätzlich zur Miete. Bargeld schlägt mit zwei Promille zu Buche. Wer also nur Bargeld einlagert, um dem Verwahrentgelt zu entkommen, sollte die Miete und die Versicherung für das Schließfach mit einkalkulieren. Außerdem ist zu beachten, dass manz zu einem Schließfach nicht rund um die Uhr Zugang hat, sondern nur während der Öffnungszeiten des betreffenden Kreditinstituts. Thomas Spengler