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Beruf & Weiterbildung

Neue Berufe und Perspektiven

Nachwuchs Zurzeit fehlen in Deutschland rund 80 000 Pflegekräfte. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl laut einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung auf 490 000 ansteigen. Deshalb gehen die Arbeitgeber der Gesundheitsbranche neue Wege, um als attraktiv wahrgenommen zu werden. Ein Schwerpunkt dabei ist das Recruiting der sogenannten Generationen Y und Z.

Waren die Aufstiegschancen für Krankenschwestern und -pfleger früher eher begrenzt, sind sie heute deutlich besser. Foto: contrastwerkstatt - stock.adobe

13.12.2021

Wie kann man junge Fachkräfte für eine Mitarbeit in einem Krankenhaus, einem Pflegeheim oder in einer Arztpraxis begeistern? Und welche Bedürfnisse hat die junge Generation? Mit diesen Themen setzen sich die Arbeitgeber der Gesundheitsbranche verstärkt auseinander, denn der Bedarf an Mitarbeitern ist nach wie vor groß. Zurzeit fehlen in Deutschland rund 80 000 Pflegekräfte. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl laut einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung auf 490 000 ansteigen. Deshalb gehen die Anbieter neue Wege, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Ein Schwerpunkt dabei ist das Recruiting der sogenannten Generationen Y und Z. Schon bei der Stellenausschreibug verlassen die Arbeitgeber deshalb die klassischen Pfade, weil die möglichen Kandidaten nicht mehr nur auf den üblichen Business-Netzwerken unterwegs sind. Inzwischen ist auch das Recruiting über die Social-Media-Kanäle gefragt und man bewegt sich auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen. Auch das Thema Diversität steht im Fokus und steigert nicht nur die Kreativität und Innovationskraft im Unternehmen, sondern auch die Attraktivität für Talente.

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Verändert haben sich auch die Bedürfnisse der künftigen Fachkräfte in der Gesundheitsbranche. Wichtige Skills sind dabei die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine neue Feedbackkultur und eine offene Kommunikation. Konkret bedeutet das: Die Generation Y möchte individuell wahrgenommen, verstanden und gefördert werden. Zur Arbeitszufriedenheit zählt zudem eine langfristige Beschäftigungsperspektive und die Möglichkeit, aufzusteigen.
  

Arbeitgeber in Gesundheitsberufen müssen vor allem gegen das schlechte Image dieser Jobs ankämpfen. Gerade für Krankenschwestern gilt das Bild der überarbeiteten Kraft, deren Job eine Sackgasse ist. Es wird zu wenig über die spannenden Seiten des Berufs gesprochen, denn die Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen sind da: Man kann sich zum Beispiel auf Bereiche wie Anästhesie oder Schmerztherapie spezialisieren oder hat die Möglichkeit, sich im Bereich Endoskopie oder ambulantes Operieren weiterzubilden. Gefäßassistenten wiederum entlasten Ärzte in der Gefäßchirurgie und operationstechnische Assistenten übernehmen während den OPs teils ärztliche Aufgaben. Waren die Aufstiegschancen für Krankenschwestern und -pfleger früher eher begrenzt, sind sie heute deutlich besser. Noch nicht alle Weiterbildungen sind bisher staatlich anerkannt oder bundeseinheitlich geregelt. Für viele hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft aber Empfehlungen verfasst. Zudem gibt es neue Berufe in den Krankenhäusern. Case-Manager übernehmen beispielsweis die komplette Organisation von der Patientenaufnahme bis zur Entlassung.

Ein weiterer medizinischer Ausbildungsberuf ist der des Zytologieassistenten. Er untersucht Zellproben, Präparate und Abstriche unter dem Mikroskop auf Anzeichen bösartiger Zellveränderungen. Mithilfe der Dokumentation ihrer Untersuchungsergebnisse kann der Arzt einen Befund erstellen. Damit leisten Zytologieassistenten einen entscheidenden Beitrag zur Krebsfrüherkennung und arbeiten überwiegend in Labors von Kliniken oder Frauenarztpraxen, doch auch Gesundheitsämter und Forschungsinstitute zählen zu den Arbeitgebern.

Arzthelferinnen wiederum können sich zur Praxis-Managerin fortbilden, die den niedergelassenen Ärzten administrative Aufgaben abnimmt. Eine weitere Weiterbildungsmöglichkeit liegt im Job des Arbeitsmedizinischen Assistenten, der sich um die Gesundheit der Mitarbeiter in Betrieben aller Art kümmert. Er organisiert Erste-Hilfe-Schulungen, informiert über Gefahrenstoffe und berät bei Fragen zur Unfallverhütung, zum Gesundheitsschutz oder zur Suchtprävention. Zudem unterstützt er Betriebsärztinnen bei Blutentnahmen sowie bei Hör- und Sehtests. Der Weiterbildungsberuf baut auf einer abgeschlossenen Ausbildung als medizinische Fachangestellte oder Arzthelfer auf.

NEU: BACHELORSTUDIUM PFLEGE/PFLEGEMANAGEMENT

Die Bezeichnung Gesundheitsfachberuf bezieht sich in der Regel auf nichtakademische Ausbildungsberufe. Die Akademisierung schreitet seit einigen Jahren jedoch auch im Gesundheitswesen voran, weshalb immer mehr Hochschulen in Deutschland Studiengänge wie Pflegewissenschaft, Hebammenkunde oder Gerontologie anbieten. Pflegekräfte in Alten- und Seniorenheimen lernen in Deutschland ihren Beruf traditionell an einer Fachschule. Seit der Ausbildungsreform, die Anfang 2020 in Kraft trat, ist an der Universität Tübingen und der Hochschule Esslingen das Bachelorstudium Pflege/Pflegemanagement möglich.

Laut Professorin Astrid Elsbernd seien die beruflichen Anforderungen in der Altenpflege stark gestiegen. Die meisten alten Menschen, die heute Unterstützung brauchen, haben sehr komplexe chronische Erkrankungen, etwa Parkinson oder Demenz. International wird viel darüber geforscht, wie durch unterstützende Pflege eine hohe Lebensqualität erhalten werden kann. Das ist auch in der Praxis angekommen und Teil des siebensemestrigen Studiums. Die Absolventen arbeiten danach weiter in der Pflege oder übernehmen Steuerungs- und Konzeptionsaufgaben. Elke Rutschmann


Ein Job mit Zukunft

Perspektiven Der Erzieherberuf bietet interessante Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Am frühen Morgen ist viel los vor dem element-i Kinderhaus „Südstadtstrolche“ in Karlsruhe. Zahlreiche Mütter und Väter bringen ihren Nachwuchs in die Kindertagesstätte und während die Kinder gleich anfangen zu spielen, tauschen sich die Eltern kurz mit den Erzieherinnen und Erziehern aus. „Wir erfahren morgens, ob das Kind gut geschlafen hat und ob es ihm gut geht“, erzählt Nadja Rieger, Kindheitspädagogin und Teamleiterin der element-i Südstadtstrolche. „Nachmittags berichten wir dann von besonderen Erlebnissen des Tages.“ In diesen Bring- und Abholsituationen haben die Eltern kurze Einblicke in den Kita-Alltag, die Zeiten sind zumeist von Freispielphasen geprägt. Sind alle Kinder da, beginnen die sogenannten Intensivphasen. „Wir starten immer mit einer Kinderkonferenz in den Tag“, berichtet Nadja Rieger. „Diese wird von Kindern geleitet und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie der Tag gestaltet werden soll.“

In den Intensivphasen werden Impulse gesetzt und die Kinder zu verschiedenen Aufgaben animiert. Die Grundlage dafür ist die Beobachtung der Kleinen. „Daraus können wir ableiten, wie wir das pädagogische Handeln ausrichten und welche Anregungen das Kind voranbringen können“, betont die Einrichtungsleiterin. „Die Beobachtungen werden dokumentiert, um so die Entwicklung der Kinder bestmöglich begleiten zu können.“ Eine Form der Bildungsdokumentation ist das Portfolio. Jedes Kind hat seinen eigenen Ordner, in dem wichtige Entwicklungsschritte in Form von Fotos und Lerngeschichten festgehalten werden. Ältere Kinder gestalten das Portfolio oftmals mit, auch Eltern dürfen Seiten ergänzen, beispielsweise wenn ein neues Geschwisterchen geboren wird. „Der Beruf ist äußerst vielseitig und kein Tag ist wie der andere“, betont Nadja Rieger. „Zudem kann man in den verschiedenen Bildungsbereichen seine eigenen Interessen einbringen und als Pädagogin oder Pädagoge dem persönlichen Forscherdrang gemeinsam mit den Kindern nachgehen.“

Der Erzieherberuf bietet eine gute Perspektive am Arbeitsmarkt, da er nicht wegdigitalisiert werden kann. „Es ist ein Beruf mit Zukunft“, betont Clemens M. Weegmann, Geschäftsführer von Konzept-e. Das Stuttgarter Unternehmen hat sich auf Bildung und Betreuung spezialisiert und führt unter anderem 43 Kinderhäuser und drei Freie Duale Fachakademien für Pädagogik. Auszubildende profitieren direkt von einer ansprechenden Vergütung, später eröffnen sich vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten beispielsweise in der Leitung oder Beratung von Kindertageseinrichtungen. Die Pädagogen können zudem eigenes Fachwissen einbringen, weiterhin gibt es zahlreiche fachliche Vertiefungs- und Spezialisierungsangebote, beispielsweise in den Bereichen Bewegung, Kunst, Kultur, Naturwissenschaft.

Eine Ausbildung zum Erzieher eignet sich für Menschen, die sich für die Entwicklung von Kindern interessieren. „Kinder sind von Natur aus neugierig, sie in ihrem Forscherdrang zu unterstützen und herauszufordern macht viel Freude. Dazu beizutragen, dass sich alle Kinder gut entwickeln und selbstständig und voller Freude die Welt gestalten, erfüllt mich mit Sinn und Stolz“, so Weegmann. Eine weitere Voraussetzung für die Ausbildung ist neben einem mittleren Bildungsabschluss auch die Bereitschaft, täglich neue Herausforderungen zu meistern. „Der Beruf ist interessant für jeden, der sich gerne in die Weltsicht der Kinder mitnehmen lässt und der sein Handeln und seine Sichtweisen reflektieren möchte“, ergänzt Weegmann. Die Selbstreflexion ist besonders wichtig, denn Erzieherinnen und Erzieher sollten stets hinterfragen, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf die Kinder hat. Nadja Rieger bringt es auf den Punkt: „Schließlich arbeiten wir mit Menschen und nicht mit Maschinen.“ Brigitte Bonder