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Stuttgart lokal

Urban und schick - oder naturnah und ruhig

Leben in der Stadt oder auf dem Land, das ist die Frage für viele Menschen. Sie wird durchaus differenziert beantwortet, wie Studien zeigen.

Urban und schick - oder naturnah und ruhig

In der Stadt sind die kurzen Wege oft von Vorteil. Foto: LICHTGUT/Leif Piechowski

Das Beste aus beiden Welten! Die Vorteile der Stadt und des Lands – etwa gute Anbindung, aber ich muss nicht weit vor meine Tür und bin in grünen Hügeln.“ Vanessa König lacht, als sie beschreibt, warum sie vor einem Jahr in ein Randgebiet von Esslingen, zweitgrößte Mittelstadt in Baden-Württemberg, zog. In einen Neubau, der anstelle eines Altbaus erstellt wurde. „Fünf Eigentumswohnungen, wo früher ein Haus war“, so die Lektorin. „Nachverdichtung nennt man das.“ Ihre über 100 Quadratmeter sind auf zwei Stockwerke verteilt – samt Terrasse mit Gartenstück. „Das liebe ich“, schwärmt die 40-Jährige. „So etwas ist in Städten kaum zu finden, im Zentrum wollte ich nicht wohnen.“


Vorteil der guten Anbindung an den Nahverkehr

Das sieht Stephanie Maier anders. Die Historikerin ist in Stuttgart aufgewachsen, sie bleibt dort. „Nicht nur, weil meine Familie hier ist seit Generationen. Als Stadtmensch liebe ich die Möglichkeiten, kurze Wege zu Kultur, zu Theater und Museen, Bildung und Sport, Läden aller Art, hier ist es geselliger.“ Beruhigend sei, dass in größeren Städten die medizinische Versorgung besser sei als weit draußen. „Meine Eltern sind betagt, da müssen Ärztin oder Physiotherapeut in der Nähe sein.“ Gut sei die Anbindung mit den Öffentlichen, es gehe auch oft ohne Auto, mit Fuß oder Fahrrad – trotz der kesselartigen Topografie der Landeshauptstadt. Schmunzelnd fügt die 55-Jährige hinzu: „Ich habe mir nun ein Elektrofahrrad angeschafft.“

Das hat Mark Pfeiffer, der auf der Schwäbischen Alb wohnt, schon längst. Um nicht immer das Auto benutzen zu müssen. Denn, so räumt er ein, das sei schon nötig. Die Verbindungen mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln ließen je nach Gegend durchaus zu wünschen übrig. Das ficht ihn jedoch nicht an, vom Land will er nicht wegziehen. „Hier sind nicht nur Immobilienpreise und Mieten günstiger und ist die Wohnfläche größer. Hier habe ich raue Natur pur, bessere Luft als in der Stadt, Biosphäre und Atmosphäre, da kommt man runter, kann wirklich durchatmen.“ Seine Lebensmittel holt er sich von einem Bauern in der Nachbarkommune, seine Arbeit als Grafiker kann er online erledigen, meistens. Ein Problem sei wiederum, dass es an Landärzten fehle. „Ich hoffe, dass sich da was verbessert.“ Dass allerdings in manchen Kommunen auch drüber nachgedacht wird, Neubaugebiete auszuweisen, um Menschen auf das Land zu holen, macht dem 39-Jährigen auch Gedanken. „Es kommt darauf an, wie und wo. Wir dürfen nicht so viel Grund und Boden versiegeln, müssen Ökologie und Artenschutz beachten.“

Drei Orte und drei Lebensentwürfe aus Deutschland, dort, wo – wie weltweit – das Gros der Menschen in Städten lebt – laut Statistiken waren es 2022 mehr als 77 Prozent. Aber zunehmend träumen sie vom Land. Laut einer Emnid-Umfrage kurz vor Corona sehen 13 Prozent der Deutschen die Stadt als optimalen Wohnort an, 26 Prozent den Stadtrand. 34 Prozent wollen gern in einem Dorf leben, 27 Prozent auf dem Land beziehungsweise in einer Kleinstadt. Werte, die sich bei einer – nicht repräsentativen Umfrage – des Online-Panels You Gov Anfang 2023 bestätigten. Demnach antworteten 57 Prozent auf die Frage „Wo sollte ihr Kind idealerweise aufwachsen“, dass der Nachwuchs „auf dem Dorf“ aufwachsen solle.

Entscheidungskriterien: Medizinische Infrastruktur und Mobilitätsangebote

Dass sich gerade auch seit der COVID-19-Pandemie mehr Menschen in der Bundesrepublik die Frage stellen, wo sie in Zukunft leben wollen, ist aus einer gemeinsamen Studie von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, dem Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sowie des Bayerischen Rundfunks (BR) als Medienpartner zu erfahren. Fast 9000 Stadt- und Landbewohnende wurden befragt. Alle wollten mehr mitgestalten, aber sie bewerteten zukünftige Herausforderungen unterschiedlich. „Während sich auf dem Land 81,6 Prozent der Menschen Sorgen machen, dass die gesundheitliche Infrastruktur in der Umgebung schlechter wird, teilen diese Wahrnehmung unter den Stadtbewohnenden nur zwei Drittel (66,2 Prozent)“, heißt es. Genauso werde auf dem Land stärker befürchtet, von neuen Mobilitätsangeboten nicht profitieren zu können (76,1 Prozent vs. 60,6 Prozent) oder Kulturangebote wie Konzerte, Kino oder Theater bald nicht mehr nutzen zu können (72,9 Prozent vs. 61,3 Prozent). Unabhängig vom Wohnort erwartet eine Mehrheit Versorgungsprobleme in den Bereichen Gesundheit, Mobilität und Kultur.

Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für den Projektentwickler Bauwerk wiederum sind es vor allem fast 50 Prozent der Familien, die sich „Stadtflucht“ wünschen. Außerdem sei die Landlust bei 47,3 Prozent der 30- bis 39-Jährigen ausgeprägt sowie bei den „Trendaffinen“ (48,3 Prozent). In die Städte wiederum zieht es vor allem Singles und Zuwanderer aus dem Ausland. Das fanden die Forschenden des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) heraus. Bleibt noch das Thema Suburbanisierung, also der Zuzug ins städtische Umland und darüber hinaus. Auch sie kommt demnach zurück. Grund: die stark gestiegenen Baupreise der vergangenen Jahre in den Speckgürteln der Metropolen. Manche sehen die „Stadtflucht“ als Chance für ländliche Gemeinden. Gemäß Berlin-Institut bringen die Städter Ansprüche und Anreize mit, was die Lebensbedingungen für alle verbessern könne – etwa durch Kultur, umweltfreundliche Mobilitätsalternativen, Hofläden, Cafés, Galerien, Carsharing. Petra Mostbacher-Dix


Vom Ausbau des ÖPNV profitieren

Bei der Immobilienfinanzierung in schwierigen Zeiten gilt es Einiges zu beachten.

Inflation, steigende Zinsen und Energiepreise, Bauplatz- und Wohnraummangel, globale Wirtschaftslage. . . Dies macht den Wunsch nach den eigenen vier Wänden zum Traum. Laut Verband Deutscher Pfandbriefbanken (VDP) ist das deutsche Immobiliengeschäft in den vergangenen Jahrzehnten eingebrochen wie nie. So wurden 25,6 Milliarden in den ersten drei Monaten 2023 für Immobilienprojekte aufgenommen – 47,8 Prozent weniger als im Quartal ein Jahr zuvor. Im Februar waren es gar 54 Prozent weniger, im zweiten Quartal setzte sich das fort, so Alexander G. Seidl von der Grund & Boden Wert GmbH & Co. KG. Dennoch könne Immobilienplanung gelingen, sobald man mindestens Folgendes im Blick habe: „Realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten, Tilgungsplan entsprechend dieser Finanzlage, falls nötig Ausweichmöglichkeiten.“

Aktuell seien viele Verbraucher bei der Immobilienfinanzierung gezwungen, die Tilgungszeit zu erhöhen. Der Vorteil dabei: Man habe irgendwann keine monatlichen Zahlungen mehr. „Im Gegensatz zur Miete baut man bei der Immobilienfinanzierung Wert auf“, so Alexander Seidl. In Zeiten schwieriger Immobilienfinanzierung sei enorm wichtig, das passende Grundstück auszuwählen und sich nicht auf einen Ort festzulegen. „Wer in größeren Metropolregionen wohnt, kann vom Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs profitieren.“ In einem kleineren Stadtteil könne man zu günstigerem Preis an ein gleich großes Grundstück gelangen und problemlos per Bus oder Zug zum Stadtkern gelangen, so der Experte. Müsse sich ein Grundstück am Arbeitsort orientieren, begrenze das wiederum die Auswahl. Petra Mostbacher-Dix

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