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Kraftwerk Münster Teil eines Bundesprojekts

Im Heizkraftwerk laufen die Vorbereitungen für den Kohleausstieg, deswegen dampft es ab und zu kräftig.

Kraftwerk Münster Teil eines Bundesprojekts

Wenn im Kraftwerk Münster in diesen Tagen Dampf abgelassen wird oder genauer: damit die Rohre ausgeblasen werden, kann das auch mal die Vögel erschrecken. Foto: Jürgen Brand

In diesen Tagen geht es am Kraftwerk Münster ab und zu ziemlich laut und I ziemlich dampfig zu. Das sind die hör- und sichtbaren Zeichen dafür, dass das Großprojekt Kohleausstieg am Standort Stuttgart-Münster - und damit endgültig in ganz Stuttgart - in seine nächste Phase getreten ist: die „heiße“ Inbetriebnahme der neuen Gasturbinenanlage, die den bisherigen Kohlekessel und die heizölbetriebenen Turbinen ersetzt.
Das ist ein weiterer Schritt im Zuge der Energiewende und der Klimaschutzmaßnahmen, zunächst zwar weiter mit einem fossilen Energieträger, aber schon mit einem im Vergleich zu Kohle deutlich geringeren CO2-Ausstoß. Mittelfristig ist aber der Einsatz von grünem Wasserstoff geplant, die neue Anlage ist darauf ausgerichtet.

Unternehmen aus der Region

Erstmal wird „saubergemacht“
Aktuell werden die neuen Abhitzekessel ausgeblasen, das sorgt immer wieder für den Geräusch- und Dampfpegel beim Kraftwerk. Sinn und Zweck dieses Ausblasens ist, mögliche Rostpartikel aus den Rohren des Kessels nach Draußen zu befördern. Solche Partikel könnten im späteren Betrieb die Dampfturbine beschädigen, deswegen muss sozusagen erst einmal saubergemacht gemacht werden.
Der dafür genutzte Wasserdampf kommt aus dem ganz normalen Dampfkreislauf des Heizkraftwerks, ist also der gleiche Dampf, der auch aus dem hohen und weithin sichtbaren Schornstein des Kraftwerks kommt. Die damit nach draußen geblasenen Rostpartikel bestehen aus Eisen und fallen dann außerhalb der neuen, deutlich kleineren Schornsteine auf dem Kraftwerksgelände zu Boden.

Unternehmen aus der Region

Dieser Reinigungsprozess soll nach Angaben der EnBW bis Ende November abgeschlossen sein. Bis die komplette Gasturbinenanlage endgültig in Betrieb ist, wird es dann aber noch bis ins erste Halbjahr 2025 dauern. Das wird Schritt für Schritt vollzogen, ähnlich wie es vor einigen Jahren schon beim Kraftwerk Gaisburg geschehen ist. Läuft die Anlage einmal, wird es deutlich weniger Dampfschwaden in Münster und Umgebung geben, da die neue Anlage keine überschüssige Wärme produzieren, sondern je nach Fernwärmebedarf gefahren werden kann. Durch diesen ersten sogenannten „Fuel Switch“ im Kraftwerk Münster, also der Umstellung von Kohle auf Gas, wird der Ausstoß des klimaschädigenden CO2 bis zum Jahr 2030 halbiert. 

Unternehmen aus der Region

Durch die ab dann geplante Umstellung von Gas auf Wasserstoff, dem zweiten “Fuel Switch“, sollen in Münster Strom und Fernwärme noch CO2-ärmer erzeugt werden können. Das wird dann auch davon abhängen, ob ausreichend grüner Wasserstoff - also erzeugt aus erneuerbaren Energien wie Solarstrom oder Windkraft - zur Verfügung stehen wird.
Der Spatenstich für den Neubau der Gasturbinen-Anlage und der Großwärmepumpe in Münster war am 31. März 2023. Die Abhitzekessel, deren Rohrsystem jetzt ausgeblasen wird, waren ab September vergangenen Jahres angeliefert worden, die Heißwasserkessel im Januar 2024. 

Ein seltenes Bild in Zeiten des Klimawandels und der Energiewende aus dem Jahr 2021, als mal kurz Schnee lag: Gaskessel und Flüssiggasspeicher in Gaisburg sind längst außer Betrieb, das mächtig und hoch aufragende Kraftwerk Münster heizt noch mit Müll und Kohle. Foto: Brand
Ein seltenes Bild in Zeiten des Klimawandels und der Energiewende aus dem Jahr 2021, als mal kurz Schnee lag: Gaskessel und Flüssiggasspeicher in Gaisburg sind längst außer Betrieb, das mächtig und hoch aufragende Kraftwerk Münster heizt noch mit Müll und Kohle. Foto: Brand

Im April 2024 war die Großwärmepumpe in Münster offiziell in Betrieb genommen worden. Diese ist Teil des Reallabors der Energiewende „Großwärmepumpen in Fernwärmenetzen - Installation, Betrieb, Monitoring und Systemeinbindung“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz mit Bundesminister Robert Habeck an der Spitze. Im Rahmen dieses Reallabors werden an fünf über ganz Deutschland verteilten und ganz unterschiedlich strukturierten Standorten Großwärmepumpen an Fernwärmenetze angebunden. 

Projekt für die Wissenschaft
Dabei handelt es sich um Heizkraftwerke in Berlin-Neukölln, Berlin-Köpenick, Mannheim, Rosenheim und eben Stuttgart-Münster. Die Projekte werden wissenschaftlich begleitet, die Ergebnisse sollen auf mögliche andere Standorte übertragen werden können. In Deutschland entsteht ein großer Teil des CO2-Ausstoßes in der Wärmeversorgung, also auch im Fernwärmebereich. Durch den Einsatz von Großwärmepumpen, die möglichst mit grünem Strom betrieben werden, könnten diese Emissionen weiter beträchtlich verringert werden.

Von Jürgen Brand


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