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Start in die Berufsausbildung

Mit Leidenschaft ans Werk

Handwerk. Handwerker sind häufig leidenschaftlich bei der Sache, denn sie sehen die Früchte ihrer Arbeit und sind oft ihr eigener Chef. Zwei Beispiele.

11. Februar 2019 - 08:00 Uhr
Bäcker Francesco Ingrassia geht neue Wege: Er setzt auf Bio-Qualität, lebt sein Handwerk und zeigt das seinen Kunden. Foto: Königsbäck
Bäcker Francesco Ingrassia geht neue Wege: Er setzt auf Bio-Qualität, lebt sein Handwerk und zeigt das seinen Kunden. Foto: Königsbäck
Absolut in seinem Element fühlt sich Francesco Ingrassia. Der Geschäftsführer der Bäckerei Königsbäck mit zwei Filialen in Stuttgart-Ost steht so hinter seiner Passion, dass er die Lehre zum Bäcker selbst nach dem BWL-Studium absolvierte. „Bei meiner Tätigkeit im Management des Handelskonzerns Benetton habe ich mich zwar wohlgefühlt und einen guten Job gemacht, aber das Gefühl, etwas mit meinen Händen zu erschaffen und damit Menschen glücklich zu machen, ist so viel besser“, sagt der 29-Jährige. 

LIVE AUS DER BACKSTUBE 

Nach einer verkürzten Ausbildungszeit von anderthalb Jahren in Berlin rief ihn sein Vater in den Familienbetrieb, Stuttgarts einzige Bäckerei mit Bioland-Siegel. Dort übernahm er direkt die Geschäftsleitung. „Es war gut, dass wir die Hierarchien von Anfang an geklärt hatten. Ich als Visionär und mein Vater als Skeptiker sind ein gutes Gespann“, sagt Ingrassia. Er profitiert vom Namen und der Erfahrung seines Vaters, gleichzeitig hat er selbst einige Neuerungen in den Familienbetrieb eingeführt. „Wir haben die Öffnungszeiten angepasst und machen mehr Öffentlichkeitsarbeit.“ Unter dem Hashtag #bäcktotheroots postet der Bäcker mit Bachelor of Arts bei Instagram regelmäßig Fotos und Neuigkeiten aus seinem Unternehmen. Im Verkaufsraum läuft auf einem großen Bildschirm eine Live-Übertragung aus der Backstube.

First Job
Hinter dem Bioland-Siegel stehen für Ingrassia mehr als nur ein Logo und eine jährliche Prüfung. „Wir leben Regionalität und Nachhaltigkeit durch und durch“, fasst der Italo-Schwabe zusammen. Der Betrieb fertigt ausschließlich in Bio-Qualität und setzt auf eine traditionelle Backweise, bei der der Teig Ruhezeit bekommt und die Brezel von Hand geschlungen wird. Gleichzeitig fokussiert er sich auf ein kleines Angebot von 30 bis 40 Artikeln.

Handwerksmeister Julian Grimm ist Schreiner aus Leidenschaft. „Es ist eine Freude, ein Möbelstück zu entwickeln, das bis ins Detail ausgetüftelt ist, seine Funktion erfüllt und den Raum verschönert.“ Sein Anspruch: mit Präzision und Hingabe eine perfekte Arbeit abliefern, egal wie umfangreich sie ist. Vor drei Jahren machte sich der Spross einer Familie von Kaufleuten mit eigenem Betrieb in Fellbach selbstständig. Schon nach wenigen Monaten kam der erste Lehrling und schnell weitere Mitarbeiter. Heute ist der 26-Jährige Chef von einem Meister, zwei Gesellen und einem Auszubildenden. Regelmäßig bietet Grimm auch Praktikumsplätze für Menschen mit Behinderung. Spezialisiert hat sich Grimm auf Innenausbau, Möbelbau, Bodenbeläge, Küchen, Badmöbel und Türen.

KREATIVITÄT UND GESCHICK

Ende vergangenen Jahres zog der Jungunternehmer in neue Räumlichkeiten mit 900 Quadratmetern inklusive Büro und Showroom. Ausgestattet mit einem hoch technisierten Maschinenpark, unter anderem mit CNC-Bearbeitungszentrum. „Der Vorteil bei unserem Geschäft ist, dass es nie langweilig wird“, sagt Grimm, der im Berufsbildungsausschuss der Innung sitzt. Jedes Möbelstück wird individuell für den Kunden gefertigt und es ist immer wieder eine Herausforderung, bei der Kreativität und handwerkliches Geschick benötigt werden. Der Nachteil ist: „Manche Tage sind sehr hart und enden nie“, meint Grimm. Nach dem Verlegen von Parkett, Laminat oder Vinyl schmerzen schon manchmal die Knie.

Die Erfolgsstory unterstützt seine Familie finanziell und moralisch. „Mein Vater schaut als Banker ganz genau auf meine Zahlen“, sagt Grimm. „Ich lerne viel von ihm.“ Leila Haidar

Sparen für die Rente?

Altersvorsorge. Sollten Azubis gleich von Beginn an sparen? Die Antwort: nicht unbedingt.

Das erste selbst verdiente Geld auf dem Konto ist für die meisten Azubis ein gutes Gefühl. Doch mit der Unabhängigkeit wächst auch die Verantwortung, zum Beispiel für die eigene Altersvorsorge. Aber müssen Azubis gleich mit Beginn der Ausbildung Geld für die Rente beiseitelegen?

„Nein, müssen sie nicht“, findet Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Altersvorsorge sei zwar wichtig, aber nicht immer der erste Punkt, der abgehakt werden muss. „Sie müssen erst mal einen Notgroschen beiseitelegen.“

Groß ist der finanzielle Spielraum für die Altersvorsorge bei Auszubildenden ohnehin meist nicht. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) lagen die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2017 in Deutschland im Gesamtdurchschnitt bei 876 Euro pro Monat. Am meisten verdienen Azubis mit monatlichen Beträgen zwischen 900 und 1000 Euro in der Metall- und Elektroindustrie, dem Bank- und Versicherungsgewerbe sowie im öffentlichen Dienst. Zwischen 700 und 900 Euro werden in Westdeutschland zum Beispiel in der Textilindustrie, dem Einzelhandel oder der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie gezahlt.

Die gute Nachricht: „Viele Betriebe bieten vermögenswirksame Leistungen“, erklärt Nauhauser. Dieses Geld zahlen Chefs zusätzlich zum Lohn, je nach Branche monatlich bis zu 40 Euro. Sechs Jahre wird in den VL-Vertrag eingezahlt, am Jahresende darauf kann der Sparer an sein Geld. dpa

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