Förderbanken

Fördermöglichkeiten für Unternehmer: Nicht Stadt, nicht Land

5.04.2022

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Sowohl die Bürgschaftsbank im Land als auch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) legten für 2021 Rekordergebnisse vor. Dies wurde sukzessive durch die verlängerten Coronahilfen bis einschließlich 30. April 2022 von Bund und Land ermöglicht.


Hilfe für Start-ups in der Pandemie

Bilanz. Die Bürgschaftsbank hat im vergangenen Jahr 2126 Vorhaben mit
einem Volumen von mehr als 665 Millionen Euro unterstützt. Die MBG
kam auf 125 Vorhaben mit einem Volumen von über 68 Millionen Euro.

L-Bank-Wirtschaftsforum

Aufgrund der Coronapandemie standen die Unternehmen im Land weiterhin vor großen Herausforderungen, um neben der erfolgreichen Bewältigung von Digitalisierung und Dekarbonisierung zusätzlich die Auswirkungen der Lockdowns zu bewältigen.

„Viele Unternehmen werden sich in den kommenden Monaten mit den Post-Coronafolgen und verstärkt mit der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und der Erhöhung des Digitalisierungsgrades beschäftigen“, sagt Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG. Die Bürgschaftsbank sei jedoch dafür prädestiniert, den Mittelstand bei diesen Herkulesaufgaben aktiv zu unterstützen. So habe sich das Instrument der Bürgschaften seit Jahrzehnten als krisenerprobt bestätigt. Insgesamt hat die Bürgschaftsbank 2021 den kleinen und mittelständischen Firmen im Land mit Bürgschaften dabei geholfen, 3595 Arbeitsplätze neu zu schaffen sowie 14 331 zu sichern.

Bei der Bürgschaftsbank lag das ermöglichte Kredit- und Beteiligungsvolumen bei 665,3 Millionen Euro nach 702,3 Millionen Euro im Vorjahr. Die Nachfrage nach dem Angebot der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg hielt insgesamt das hohe Niveau des Vorjahres, das das stärkste in der Geschichte der Bürgschaftsbank war, auch wenn die Zahl der Genehmigungen mit 2126 im Vergleich zum Vorjahr um 16,5 Prozent gesunken ist.

Als Grund für diesen Rückgang sieht die Geschäftsführung die Nachfrage nach Liquiditätsfinanzierungen, die unmittelbar nach Ausbruch der Krise sehr hoch waren, sich dann im Zuge der eingeführten umfassenden Zuschussprogramme (Überbrückungshilfen) reduzierte. Im deutschlandweiten Vergleich zu den anderen Bürgschaftsbanken liegt das baden-württembergische Institut sowohl bei der Anzahl mit 40,7 Prozent als auch beim Kredit- und Beteiligungsvolumen mit 34,1 Prozent deutlich an der Spitze.

Trotz der Krise konnte die Bürgschaftsbank nach eigenen Angaben erfreulich viele Menschen bei ihrem Schritt in die Selbstständigkeit begleiten. 2021 wurden 971 Neugründungen mit einem Bürgschafts- und Garantievolumen von 118,0 Millionen Euro genehmigt (Vorjahr: 874; 94,9 Millionen Euro). Bei den Nachfolgen waren es 543 Genehmigungen mit einem Bürgschafts- und Garantievolumen von 124,6 Millionen Euro (Vorjahr: 560 bei 123,9 Millionen Euro). Bezogen auf das genehmigte Kredit- und Beteiligungsvolumen machten Gründungen und Nachfolgen im Berichtsjahr einen Anteil von 55 Prozent aus. „Das volatile Umfeld zeigt sich damit weiter als Beschleuniger für die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle“, sagt dazu Dirk Buddensiek, Vorstand der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG. Das wichtigste Programm für die Zielgruppe der Gründerinnen und Gründer ist die „Startfinanzierung 80“, die die Bürgschaftsbank gemeinsam mit der L-Bank anbietet. Damit hat das Förderinstitut 2021 knapp 1000 Mutige, die trotz der Coronakrise den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, mit einem Kreditvolumen von über 80 Millionen Euro unterstützt.

Die Anzahl der begleiteten Vorhaben hat sich bei der MBG mit 125 Stück (Vorjahr 99) deutlich erhöht und das Volumen hat sich mit über 68 Millionen Euro mehr als verdoppelt (Vorjahr über 33 Millionen Euro). Einen großen Anteil an diesem Ergebnis hatte im Berichtsjahr das Mezzanine-Beteiligungsprogramm BW, das mit einem Genehmigungsvolumen von knapp 31 Millionen Euro vor allem dem Segment Startup einen kräftigen Schub gab.

Die Not der Unternehmen im Land war aufgrund der Coronapandemie groß. Insbesondere Start-ups und innovative Mittelständler spürten die Auswirkungen der Krise unmittelbar. Denn ihnen wurden laut MBG Marktzugänge erschwert und häufig wurden auch Finanzierungsrunden verschoben. Dies führte zu Liquiditätslücken, sodass die Nachfrage nach Hilfen hoch war. Deshalb wurde das Programm bis 30. Juni 2022 verlängert. Start-ups und junge Mittelständler können im Programm Mezzanine-BW neben Investitionen auch Betriebsmittel über stille Beteiligungen bis maximal 1,8 Millionen Euro finanzieren. Die MBG hat im Bereich Frühphase/Start-up ein noch nie da gewesenes Finanzierungsvolumen genehmigt. Zielgruppe bei Venture Capital sind innovative Start-ups und Unternehmen, die mit zukunftweisenden Produkten und Geschäftsmodellen hohe Wachstumschancen besitzen, vor allem aus technologieorientierten Bereichen. Thomas Spengler


Plattform für Finanzierungsfragen

Treffpunkt. Das Wirtschaftsforum der L-Bank findet wieder in der Landesmesse Stuttgart statt.

Dieses Jahr findet die mittlerweile fest etablierte, regionale Fachveranstaltung in der Landesmesse Stuttgart statt. Am 29. Juni 2022 können sich dort die Unternehmen in kompakter Form umfassend über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten informieren. Neben der L-Bank sind die Mitveranstalter die Bürgschaftsbank Baden Württemberg, die baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern und der Baden-Württembergische Handwerkstag.

Gastredner in diesem Jahr ist Jochen Engert, Mitbegründer und Aufsichtsrat des Mobilitätsanbieters Flixmobility, der mit seiner Marke Flixbus seit 2013 für Millionen von Menschen die Art zu reisen verändert. Praxisorientierte Workshops zu konkreten Fragestellungen der aktuellen und der kommenden Herausforderungen werden im Mittelpunkt stehen. Umrahmt wird das einmalig landesweit ausgerichtete L-Bank-Wirtschaftsforum von einer Fachmesse. Themen sind unter anderem Finanzierung und Förderung, Digitalisierung, Ressourceneffizienz und Wirtschaftsschutz. Ziel der Veranstaltung ist eine neutrale und praxisorientierte Beratung. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ab Mitte Mai möglich.

Zuletzt hatte das Wirtschaftsforum der L-Bank im Oktober 2020 als virtuelle Veranstaltung stattgefunden. Statt bei einem persönlichen Treffen mit Vorträgen, Diskussionen und Messeständen zum Netzwerken informierten sich mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft und Beratung per Livestream auf dem knapp zweistündigen Event über passende Förder- und Hilfsangebote. Mit diesem Format hatten es die Veranstalter vielen Betrieben im Land gleichgetan und die Aufgabe der digitalen Weiterentwicklung unmittelbar in die Praxis umgesetzt.

Wenn es Start-ups ins Ausland zieht, stellt dies einen Verlust für den Innovationsstandort Deutschland dar. Denn mit den Start-ups wandern auch Know-how und zukünftiges Innovations- und Beschäftigungspotenzial ab. Zwar scheint sich das Problem in Grenzen zu halten, doch in einer Umfrage von Steffen Viete, Autor der Förderbank KfW, unter Venture-Capital-Gesellschaften mit Sitz in Deutschland hatten von 30 befragten VC-Investoren nur sechs abgewanderte oder abwanderungswillige Start-ups in ihren Portfolios.

Als wichtigsten Grund für die Abwanderung deutscher Start-ups macht Viete daher die besseren Finanzierungsmöglichkeiten im Ausland verantwortlich. Auch die Aussicht auf ein besseres Bewertungsniveau in weiteren Finanzierungsrunden erscheint als wichtiger Anreiz für den Schritt ins Ausland. Insbesondere in den USA werden je Finanzierungsrunde im Schnitt größere Volumen investiert als hierzulande. Schließlich sind in vielen Finanzierungsrunden deutscher Start-ups, insbesondere bei solchen mit größerem Volumen, Investoren aus dem Ausland beteiligt. Auch ein zu langwieriger und komplizierter Beteiligungsprozess findet sich laut Studie unter den Abwanderungsmotiven. Thomas Spengler

Info: www.wirtschaftsforum-bw.de