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Das "Esslinger Modell“ macht Schule

Die "Grünen Höfe“ in der Pliensauvorstadt schlagen ein neues Wohnkapitel der EWB auf.

Das "Esslinger Modell“ macht Schule

Das Quartier„Grüne Höfe“ macht seinem Namen alle Ehre. Wie hier im„Baufeld C“ gibt es überall viel Grün zwischen den Gebäuden. Foto: Jean-Claude Winkler Photography

Die Pliensauvorstadt ist einer der Esslinger Stadtteile, der in besonderem Maße vom sozialen Wohnungsbau vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt worden ist. Damals entstanden lang gereihte Mehrfamilienhäuser wie beispielsweise in der Stuttgarter und der Karl-Pfaff-Straße. Allein die EWB verfügt in dem Stadtteil über 500 Mietwohnungen im Bestand.

Nach der Jahrtausendwende entstand dann schließlich die Idee, auch das städtische Grundstück „die Breite“ in der Pliensauvorstadt städtebaulich zu nutzen. Mit einer familienfreundlichen und hochwertigen Bebauung und mit großzügigen Grünflächen sollte nicht nur das Image des Stadtteils, sondern auch der Wohnwert der umliegenden EWB-Mietwohngebäude gesteigert werden, so wurde es vom Esslinger Gemeinderat beschlossen.

Die ursprüngliche Idee des Bebauungsplans hatte zum Ziel, vorrangig private Baugemeinschaften zu gewinnen, also Bauwillige, die gemeinsam nach ihren Vorstellungen ein Gebäude planen, bauen und bewohnen wollten. Weil das Projekt mangels Interessierter zu Beginn aber nur schleppend in Gang kam, bat der damalige Oberbürgermeister Jürgen Zieger im Jahr 2007 die Esslinger Wohnungsbaugesellschaft, als Bauherrin mitzuwirken. Die EWB übernahm schließlich das Projekt als alleiniger Bauträger mit dem Ziel, Wohnungen in energiesparender Bauweise und mit einem überdurchschnittlichen Ausbaustandard zu errichten. Das Großprojekt, das den Namen „,Grüne Höfe“ erhielt, wurde zwischen 2008 und 2023 realisiert. Entstanden sind insgesamt 300 erschwingliche Eigentumswohnungen in gemeinschaftlichen Baugruppenprojekten mit Hilfe des sogenannten Esslinger Modells.

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Von Horst bis HaGeF

Diese privaten Baugruppen haben zusammen mit der EWB in drei Hofquartieren Häuser mit großzügigen Wohnungen und Terrassen oder Balkonen errichtet und verkauft. Bei der nachhaltigen Energieversorgung wird in dem Quartier teilweise auf Geothermie gesetzt, die 50 Wohnungen mit Wärme aus dem Boden versorgt und 16 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einspart. Alle weiteren Wohnungen sind an das nachhaltig betriebene Fernwärmenetz der Stadtwerke Esslingen angeschlossen.

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Die Realisierung von privatem Wohneigentum über private Baugemeinschaften, wie es die Kommune im Bebauungsplan dort verlangte, war der EWB zufolge kein einfaches Unterfangen. Möglich wurde dies erst durch das in den „Grünen Höfen“ erstmals angewandte „Esslinger Modell“. Dieses bauträgergestützte Bauen in Gemeinschaft greift, wenn Baugemeinschaften für einen Teil der entstehenden Wohnungen, die schlüsselfertig verkauft werden sollen, Mitstreiter fehlen. Dann springt die EWB mit einer Tochtergesellschaft als Platzhalter ein, sodass Wohnraum im gemeinschaftlichen Ansatz entstehen kann.

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Den Startschuss für die Entstehung der „Grünen Höfe“ gab die Esslinger Wohnungsbaugesellschaft 2008 mit dem Bau von 25 Eigentumswohnungen entlang der Stuttgarter Straße, einer Tiefgarage und einem gemeinschaftlichen Innenhof. Ein Jahr später folgte die erste Baugemeinschaft namens „Horst“, die zehn Wohnungen bauen wollte. Die EWB unterstützte die Baugemeinschaft und übernahm vier frei gebliebene Wohnungen, die sie später verkaufte. Und dieses Verfahren wiederholte die EWB daraufhin immer wieder auch bei anderen Baugruppenhäusern.

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Auf diese Weise konnten zügig die nächsten Baugemeinschaftsprojekte mit den Namen „Blicke“ (12 Wohnungen), „HaGeF“ (13 Wohnungen), „Teamgeist“ (elf Wohnungen), „ELF“ (sieben Wohnungen) und „Pleono“ (neun Wohnungen) realisiert werden, wobei die HaGeF eine besondere Stellung einnahm, denn diese Abkürzung bedeutet „Hausgemeinschaft für Frauen“. Hier übernahm die EWB die Bauherrschaft und errichtete ein Haus für mehrere Frauen in ähnlicher Lebensphase. Gebaut wurden Miet- und Eigentumswohnungen, passend zur jeweiligen Lebenssituation der Interessentinnen. Zusätzlich wurde im Erdgeschoss ein großzügiger Gemeinschaftsraum für die gemeinsame Freizeitgestaltung geschaffen.

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Die „HaGeF“ war als Modellprojekt geplant und das Konzept hat sich laut EWB bis heute bewährt. „Wir als EWB wollten mit dem Bau der „HaGeF“ zeigen, dass wir ein zukunftsorientiertes Unternehmen sind, das innovative Wohnformen unterstützen und mitgestalten möchte“, erklärte damals EWB-Geschäftsführer Hagen Schröter.

Letzter Meilenstein samt Kita

Weiter ging es 2014 im Westen mit den Baugruppen „Vinea“ (zehn Wohnungen), „Wolfi“ (neun Wohnungen) und „Südwind“ (zehn Wohnungen), die alle im Baufeld A entstanden, wobei das EWB-Gebäude „Atrium“ mit 19 Eigentumswohnungen inklusive Tiefgarage und Gemeinschaftshof dort den Auftakt bildete. Im Jahr 2017 folgten noch 33 EWBEigentumswohnungen im „Campo Verde“ an der Stuttgarter Straße. Schlag auf Schlag ging es weiter mit 37 Wohnungen, die drei weitere Baugruppen realisierten. Im Juli 2021 erfolgte mit dem Spatenstich der Baugruppe „Sky22“ der Startschuss für den letzten Meilenstein in den „Grünen Höfen“. Hier wurden 20 Wohnungen errichtet und im Erdgeschoss fand eine Kindertagesstätte Platz. Dort betreibt die Stadt Esslingen seither eine dreigruppige Kindertagesstätte für Kinder von ein bis drei Jahren mit 30 Plätzen.

Von Corinna Meinke


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