Anzeige
Fachgeschäfte

Naturnahes Gärtnern der Umwelt zuliebe kostet Überwindung Ist das Unkraut – oder kann das weg?

Was ist schon Unkraut? Das sagen Naturschützer. Was viele Hobbygärtner als unerwünschtes Grün in ihrem Rasen und den Beeten empfinden, sind oft für die Natur sehr wertvolle Wildkräuter. Gerade Insekten brauchen sie.

Unkraut entfernen, das macht jede Menge Arbeit. Foto: dpa-tmn/Günther
Häussermann  Stauden+Gehölze GmbH

Das Problem für viele Gartenbesitzer: Giersch, Vogelmiere, Distel und Brennnessel gedeihen in Massen, ohne gepflanzt zu werden. Zumal Wildkräuter an ihre Umgebung optimal angepasst sind und daher klimatische Stresszeiten wie Trockenperioden gut überstehen, während das angepflanzte Kulturgrün eher kaputt geht. Auch sonst gehen sie aus dem Kampf um Raum, Licht, Wasser und Nährstoffe oftmals als Gewinner hervor.

Doch aus Sicht der Naturschützer überwiegen die Vorteile der Unkräuter im Garten: Nicht nur, dass viele der Pflanzen Nektar- und Pollenlieferanten sind. Insekten finden zwischen Wildkräutern Ruheplätze und Verstecke, Nistplätze und Überwinterungsorte.

Der negativ belegte Begriff Unkraut lasse außer Acht, dass dahinter auch eine Nutz- oder gar Heilpflanze für den Menschen stecken kann, sagt Karla Paliege vom Naturschutzbund (Nabu). Auch zur Bodengesundheit können Wildkräuter beitragen. Sie bedecken kahle Stellen, beschatten den Boden und halten ihn besser feucht.

Was ist nun die optimale Methode gegen Unkraut? Naturschützer plädieren zu mehr Gelassenheit und Unordnung. Vor allem sollte man auf Gift verzichten, auch wenn für den Privatgarten zahlreiche Herbizide synthetischen und natürlichen Ursprung zugelassen und erhältlich sind. Doch für die Mittel gibt es gerade in diesem Bereich aus Sicht von Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nicht viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten. Nach dem Motto „viel hilft viel“ komme es häufig zu Fehlanwendungen und damit einher gehenden direkten Belastungen von Gewässern und Lebewesen, erklärt der Experte. Zumal die Unkrautvernichter keinen Unterschied zwischen Unkraut und Kulturpflanzen machen.

Auf befestigten oder versiegelten Flächen ist der Einsatz von Herbiziden sowieso grundsätzlich verboten, da die Mittel bei Regel abgespült werden und in den Wasserkreislauf gelangen. Wer Unkraut entfernen will, dem rät Rüb daher zur mechanischen Entfernung mit Fugenkratzer und -bürste. Auch das Entfernen mit Hochdruckreiniger und Abflammgerät habe sich dabei bewährt.

Im Garten selbst ist die frühe Entfernung entscheidend. Hobbygärtner sollten Unkraut regelmäßig hacken und zupfen, um eine flächige Ausbreitung zu verhindern. Gut zu wissen ist auch, wie sich bestimmte Unkräuter verbreiten, sagt Harald Nonn von der Deutschen Rasengesellschaft. Geht das über Samen, sollte man die Blüten vor der Samenbildung abschneiden.

Bei Wurzel-Wildkräutern wie Giersch, Schachtelhalm und Löwenzahn mus man zusätzlich graben: Ihre langen Wurzelausläufer müssen komplett aus dem Boden geholt werden, denn schon kleinste zurückbleibende Wurzelstücke treiben neu aus. „Es hilft, ständig hinterher zu sein und die Pflanzen möglichst komplett aus der Erde zu ziehen“, erläutert Nonn dazu.

Man kann den Unkräutern auch von Anfang an die Chance zum Treiben nehmen: „Um den Wildkräutern Angriffsfläche und Licht zum Keimen streitig zu machen, kann der offene Boden zwischen Nutzpflanzen mit Rindenmulch, Hackschnitzeln oder Stroh bedeckt werden“, empfiehlt die Buchautorin und Geo-Ökologin Sigrid Tinz.

Eine dichte Bepflanzung und Bodendecker schaffen den gleichen Effekt. Einen dichten Rasen, der Wildkräuter unterdrückt, bekommt man im Dreikampf, wie Nonn es nennt: Durch Wässern und Düngen und Mähenwerden die Gräser gegen die Konkurrenz gestärkt. Zu häufiges und tiefes Mähen hat hingegen einen gegenteiligen Effekt. Stella Franziska Bauer, dpa
           

zurück zur Übersicht Fachgeschäfte