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Warum moderne Geldanlage Vertrauen, Bildung und Strategie braucht

Vom Sparplan bis Krypto: Orientierung im Investmentchaos

Warum moderne Geldanlage Vertrauen, Bildung und Strategie braucht

Spannende Gespräche beim Round Table im Pressehaus. Fotos: Lichtgut/Leif Piechowski

Orientierung, Bildung und eine individuell passende Strategie - das ist es, was es heute braucht, um mit dem eigenen Geld klug umzugehen. Beim Round Table von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten diskutierten Finanzexperten im Pressehaus Stuttgart, wie Geldanlage in einer zunehmend digitalisierten Welt gelingen kann.

„Viele Menschen suchen nach der perfekten Geldanlage nach dem einen Produkt, das alles löst“, sagt Joachim Wolfangel, Niederlassungsleiter bei der Quirin Privatbank AG in Stuttgart. Eine Vorstellung, die er für gefährlich hält. „Diese Suche nach dem Heiligen Gral führt oft zu falschen Entscheidungen.“ Stattdessen brauche es eine durchdachte Strategie, eine gesunde Mischung verschiedener Anlageklassen - und vor allem Geduld. „Hin und her macht Taschen leer“, zitiert Wolfangel ein altes Börsensprichwort. Was bedeutet, wer zu häufig umschichtet oder aus Angst handelt, verliert am Ende mehr, als er gewinnt. Auch Johannes Ehmann, Gebietsleiter Wealth Management & Private Banking Süd/West bei der Commerzbank, betont die Bedeutung einer breiten Streuung: „Diversifikation ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Doch das bedeute auch, Anleger müssen verstehen, was sie tun. „Eine App kann den Einstieg erleichtern, aber für nachhaltige, langfristige Strategien braucht es persönliche Beratung.“ Und genau diese müsse mehr sein als Produktempfehlung.

Unternehmen aus der Region

Denn was bedeutet eigentlich „seriöse Geldanlage“? Wolfangel zieht einen eindrücklichen Vergleich: „Ein Berater darf nicht wie ein Arzt sein, der nur Medikamente verschreibt, für die er Provision bekommt.“ Finanzberatung müsse unabhängig, transparent und im übertragenen Sinne patientenorientiert sein. Oder eben: kundenzentriert. „Es geht nicht darum, irgendetwas zu verkaufen, sondern gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu finden, die zu seinen Zielen und seinem Leben passen.“

Auch Matthias Binder, Leiter Privatkunden Stuttgart Süd bei der BW-Bank, sieht in dieser Haltung eine große Chance für klassische Institute. „Wir müssen zeigen, dass wir mehr bieten als Formulare, Gebühren und Pflichtinformationen. Unsere Stärke ist es, Kunden durch Höhen und Tiefen zu begleiten - gerade in bewegten Zeiten.“ Denn der Markt sei auch zunehmend unübersichtlicher.

Von fragwürdigen Internetangeboten bis hin zu fragilen Kryptowährungen: Der Beratungsbedarf steigt. Einigkeit herrscht beim Thema Bitcoin. Zwar sei die zugrunde liegende Technologie, die Blockchain, durchaus zukunftsweisend, doch als Anlageform taugt die Kryptowährung aus Sicht der Experten wenig.

„Bitcoin ist zu volatil, zu spekulativ und nicht kalkulierbar“, so das Urteil von Johannes Ehmann. Für ihn hat die Digitalwährung ihren Platz - aber im sogenannten „Spieldepot“. Joachim Wolfangel formuliert es so: „Das ist nichts für eine solide Finanzstrategie.“ Matthias Binder sieht seine Bank in der Pflicht, sich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen, sagt aber auch klar: „Im Rahmen eines stabilen Portfolios sehen wir aktuell keinen Platz für Bitcoin.“

Stattdessen rücken langfristige Anlagen in den Fokus. Immobilien etwa - direkt oder über Fonds - gelten bei vielen als sichere Bank. Johannes Ehmann weist jedoch auf eine wichtige Nuance hin: „Wer etwa in einen Windparkfonds investiert, braucht noch mehr Geduld als bei Aktien. Das sind Anlagen mit langer Bindung.“ Er sieht Immobilien und alternative Investments durchaus als Bestandteil einer ausgewogenen Strategie - gleichwohl nicht für jeden Geldbeutel. Für 50 Euro im Monat sei das schwer umsetzbar. Dennoch lohne sich auch der kleinste Betrag - Hauptsache, man beginnt überhaupt.

Keine Scheu vor digitalen Zugängen

Dieser Punkt zieht sich wie ein roter Faden durch die Diskussion - einfach anfangen. „Ob 50 Euro oder 500, entscheidend ist, man startet und bleibt dran“, sagt Johannes Ehmann. Rückschläge seien Teil des Weges, genauso wie Kursverluste oder Zinszyklen. „Aber wer langfristig investiert, wird belohnt.“ Bei jungen Menschen sieht Uwe Seeger, Leiter Produktmanagement Wertpapier & Depot bei der BW-Bank, eine positive Entwicklung. „Die junge Generation tut sich mit ETFs leichter - sie verstehen, was dahinter steckt, und haben keine Scheu vor digitalen Zugängen.“

Das sei eine große Chance, um früh Finanzbildung mit eigenem Handeln zu verknüpfen. Der Glaube, man müsse besonders jung oder wohlhabend sein, um sinnvoll zu investieren, sei ein Trugschluss. „Ich kenne einen 85-jährigen Kunden, der gezielt für seine Enkel investiert - mit einem Anlagehorizont von 30 Jahren“, so Wolfangel. Der Zweck sei entscheidend, nicht das Alter. Matthias Binder stimmt zu: „Wenn das Ziel Vererbung ist, darf man langfristig denken, auch im hohen Alter.“ Finanzplanung müsse sich immer an der Lebensrealität der Menschen orientieren - nicht an Schablonen.

Und die Realität sieht bei jedem anders aus. Deshalb sei Individualität in der Beratung so wichtig. Johannes Ehmann formuliert es so: „Jede Lebensphase hat ihre eigenen Fragen: Aufbau, Sicherung, Übergabe, daher braucht es für jeden eine eigene Strategie.“ Aufgabe von Banken sei es, die Wege aufzuzeigen. Und dabei Vertrauen aufzubauen durch ehrliche Gespräche, durch Präsenz und durch Zuhören. Das gelte auch und gerade in digitalen Zeiten. Denn trotz aller Apps, Onlineplattformen und Robo-Advisors, die klassische Filiale hat aus Sicht der Experten keinesfalls ausgedient. Im Gegenteil. „Je komplexer die Themen, desto größer das Bedürfnis nach dem persönlichen Gespräch“, sagt Matthias Binder. Johannes Ehmann ergänzt: „Viele bringen ihre Kinder mit in die Filiale - das ist gelebte Finanzbildung. Vertrauen entsteht das lässt durch Beziehung, digital nur schwer abbilden.“ sich

Am Ende bleibt ein klares Fazit, das alle Teilnehmenden teilen: Wer sich um seine Finanzen kümmert, Verantwortung übernimmt und sich begleiten lässt, ist auf dem richtigen Weg. „Nicht von anderen beeinflussen lassen - weder von Nachbarn noch von Social-Media-Trends“, rät Joachim Wolfangel. Johannes Ehmann ermutigt: „Jetzt anfangen, sich beraten lassen, selbst mitdenken.“ Und Matthias Binder bringt es auf den Punkt: „Nicht alles auf eine Karte setzen, aber dabei sein.“ Was bedeutet: Die moderne Geldanlage bewegt sich zwischen App und Beratung, ETF und Windpark, Bitcoin und Sparplan. Es bleibt als Erkenntnis: Erfolgreiches Investieren braucht Zeit, Wissen - und einen klaren Kopf. Wer beginnt, dranbleibt und offen für Begleitung ist, kann auch mit kleinen Schritten viel erreichen.

Von Ingo Dalcolmo

Wer sich um seine Finanzen kümmert, Verantwortung übernimmt und sich begleiten lässt, ist auf dem richtigen Weg. „Nicht von anderen beeinflussen lassen - weder von Nachbarn noch von Social-Media-Trends“, so der Rat der Experten.


COMMERZBANK AG

Johannes Ehmann
Johannes Ehmann

Die Commerzbank ist die führende Bank für den deutschen Mittelstand und starke Partnerin von rund 24 000 Firmenkundenverbünden. Mit einem angelegten Vermögen von mehr als 400 Mrd. Euro ist die Commerzbank zugleich eine der führenden Banken für Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland. Unter der Marke Commerzbank bietet sie mit ihrem Omni-Kanalansatz ein umfangreiches Leistungs- und Serviceangebot: online und mobil, telefonisch und per Video im Beratungscenter sowie persönlich in ihren rund 400 Filialen. Unter der Marke comdirect bietet sie als digitale Hauptbank rund um die Uhr alle Kernleistungen und als Leistungsbroker Lösungen für das Sparen, Anlegen und Handeln mit Wertpapieren. Die Commerzbank legt großen Wert auf eine enge Kundenbetreuung. Das Wealth Management und Private Banking der Commerzbank Stuttgart steht für eine ganzheitliche, hoch qualifizierte Beratung bei allen Finanzthemen wie individuelle Finanzierungen, Vermögensanlagekonzepte oder bei der Vermögensübertragung auf die nächste Generation. www.commerzbank.de


BW-BANK

Matthias Binder
Matthias Binder

Seit über 200 Jahren steht die BW-Bank für Kundennähe, Innovation und Vertrauen. In Stuttgart verwurzelt, in ganz Baden-Württemberg und deutschlandweit präsent, bietet sie maßgeschneiderte Finanzdienstleistungen. Das Angebot umfasst Lösungen für Privatkunden, Private Banking, Wealth Management sowie umfassende Beratung für Geschäfts- und Unternehmenskunden.



Uwe Seeger
Uwe Seeger

Ob individuelle Anlagestrategien, Vermögensaufbau oder Finanzierungslösungen: Die Bedürfnisse der Kunden stehen bei der BW-Bank im Mittelpunkt. Als Sparkasse in Stuttgart und zuverlässiger Partner begleitet sie kompetent und langfristig - als eine Bank fürs ganze Leben. www.bw-bank.de





QUIRIN PRIVATBANK AG

Joachim Wolfangel
Joachim Wolfangel

Die Quirin Privatbank wurde 2006 als erste Honorarberaterbank in Deutschland gegründet - ihr Ziel ist es, die Menschen in Deutschland zu besseren Anlegern zu machen. Sie ist spezialisiert auf professionelle, individuelle Vermögensverwaltung und einen langfristigen Vermögensaufbau. Im Gegensatz zu anderen Banken berät sie unabhängig wie ein Steuerberater, denn sie lässt sich ausschließlich von den Kunden und nicht von Produktherstellern über Provisionen bezahlen. Ihr Anlagekonzept„Markt - Meinung - Zinsen“ basiert auf bewährten Erkenntnissen der Finanzmarktforschung. Sie investiert breit gestreut sowie frei von Prognosen und Spekulationen über kostengünstige Produkte. Die Quirin Privatbank AG hat ihren Hauptsitz in Berlin und betreute Ende 2024 rund 6,7 Milliarden Euro von 13 500 Kundinnen und Kunden an 15 Standorten bundesweit. 2013 hat die Bank zudem die digitale Geldanlage quirion (www.quirion.de ) gegründet, die Ende 2024 etwa 2,7 Milliarden Euro von etwa 91 000 Kunden betreut. www.quirinprivatbank.de


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