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Stuttgart lokal

In vino Tourismus

Wer noch nie in Stuttgart war, weiß oft nichts von der saftig-grünen Landschaft im und um den Kessel. Dass darin ausgezeichneter Wein reift und gekeltert wird, ist für Touristen eine fruchtige bis mineralische Überraschung.

In vino Tourismus

Im Sommer ist in den Weinbergen reger Betrieb: Das Collegium Wirtemberg begeistert Touristen aus der Region und darüber hinaus für die lokale Weinkultur. Foto: Collegium Wirtemberg

Stuttgart ist mehr als eine Autostadt – hier findet man auch ausgezeichnete Weine. Rings um den Kessel reifen die Trauben auf den Weinbergen und werden dann als Stuttgarter Lebensgefühl in Flaschen abgefüllt. In Obertürkheim und Uhlbach kommt zu dem guten Geschmack noch das besondere Flair hinzu: Bunte Reben soweit das Auge reicht, charmante Häuschen, Weinbautradition. Das zieht Touristen und Besucher an. Und hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Ob bei der Weinwanderung am Götzenberg oder bei der Geocaching-Weinprobe, einer Art Schnitzeljagd für Erwachsene in Weiß, Rot, oder Rosé. 

Wo ist sie? Die Augen wandern über den Boden, den Weinberg hinauf, zurück, links, rechts. Kurzer Blick aufs Smartphone. „Da!“ Mit flinken Fingern zieht sie den Deckel ab – und schaut in die Röhre. Aber die ist nicht leer. Auf ihrem Grund, einen Meter unter der Erde, wartet ein kühler Schatz. Mit einem Metallhaken befördert sie die Weinflasche ans Tageslicht. Die Gruppe hinter ihr jubelt. 

Beim Geocaching kann man mit dem eigenen Smartphone über eine spezielle App die Weinverstecke zwischen den Rebstöcken aufspüren, genießen und dabei noch viel über die Weine, Winzer und das Anbaugebiet lernen. „Das ist im Prinzip eine Schnitzeljagd für Erwachsene“, sagt Sonja Zaiß. Seit dem 17. Jahrhundert betreibt die Familie Zaiß Weinbau und hat es mit dem Geocaching seit einem Jahr geschafft, Wein noch erlebbarer zu machen. Veranstaltet wird die mobile Weinprobe über den Veranstalter „Frohnatouren“. Das Weingut Zaiß liefert die Weine aus Obertürkheim. 

Hier schaut man gerne in die Röhre, die ist nie leer. Foto: Zaiẞ
Hier schaut man gerne in die Röhre, die ist nie leer. Foto: Zaiẞ

Vier Stunden lang können die Gäste auf einer Wegstrecke von sechs Kilometern durch die Landschaft schlendern. Fünf unterschiedliche Weine stehen zur Auswahl, von spritzig-fruchtig bis zum schweren Barrique. „Wir starten bei uns am Weingut mit einer Begrüßung und dem ersten Wein. Sobald die App läuft, kann man sich auf die Suche machen.“ Immer mit dabei – zumindest virtuell übers Smartphone – ist Christian Zaiß. Der Winzer erklärt parallel zur Verkostung in kurzen Videos die Besonderheiten der Produkte, der Landschaft und gibt Anleitung zu einer professionellen Weinverkostung. 

In Stuttgart ist das Weingut Zaiß das einzige, das eine Weinprobe dieser Art anbietet – „und wir sind sehr froh, dass wir uns dazu entschieden haben“, zieht Sonja Zaiß nach einem Jahr Bilanz. „Es läuft so gut, dass wir mittlerweile zwei Touren am Tag anbieten und schon eine neue Tour planen.“ 100 Buchungen gab es im ersten Jahr, „das werden wir dieses Jahr toppen“, ist sich Zaiß sicher. Zu den Kunden zählen Firmen, Freundeskreise, Familien. Teils kommen die Gäste auch aus dem Ausland. „Und alle sind begeistert von der Landschaft rund um die Landeshauptstadt. Denn Stuttgart ist mehr als nur die Königstraße.“ 

Für dieses besondere Weinerlebnis ist das Weingut Zaiß mit dem Siegel „Weinsüden Winzer“ von der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Damit wird das weintouristische Engagement gewürdigt, mit dem die Winzerinnen und Winzer Gäste für den Wein und die Region begeistern.

Begeistert kann man dann am Ende der Tour direkt unterhalb der Grabkapelle anstoßen und den Blick auf Uhlbach hinunter genießen.

Weintour (ismus) boomt

Den Blick von Uhlbach auf die Grabkapelle hinauf kann man am ersten Juniwochenende ganz besonders genießen. Denn auch hier ist der Weintourismus Programm. Die Weinwanderung am Götzenberg vom Collegium Wirtemberg ist für viele fast schon eine Tradition. Am Samstag, 8. Juni (ab 14 Uhr) und Sonntag, 9. Juni (ab 11 Uhr), laden die Wengerter auf vier Kilometern Strecke zu feinen Tropfen und traumhaftem Weitblick rund um den Götzenberg ein. Entlang des Weges sind sechs Verkostungsstände aufgebaut, an denen man sich durch die Weine des Collegiums probieren kann – fachkundige Beratung inklusive. Dazu gibt es kleine regionale Speisen. Diese werden teils nach Familienrezept für die Wanderer zubereitet. Ein charmantes Detail, das diese Wanderung und die Menschen dahinter verkörpert: Bodenständig, ehrlich und wertig. 

„Für viele der Besucherinnen und Besucher ist die Weinwanderung ein fester Termin, den man sich jedes Jahr im Kalender vormerkt. Und sie ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt“, sagt Philipp Kollmar. Seit September letzten Jahres ist er Geschäftsführer beim Collegium Wirtemberg. „Wir begrüßen Sie am Uhlbacher Platz, von wo aus der Tag traditionell startet.“ Hier bekommen die Einheimischen wie auch die Touristen ein Glas, bevor sie sich durch die wortwörtlichen Weinstraßen Uhlbachs schlängeln: Rieslingweg, Schlürfergasse, Sylvanerweg oder die Trollingerstraße. 

Alle Wege führen zum Wein. Zunächst einmal etwas steiler bergauf, die Belohnung fest im Blick. „Jeder kann sein Tempo wandern und selbst entscheiden, ob er oder sie die ganze oder nur die Teilstrecke wandern möchte.“ Die Weinauswahl reicht von „frisch, jung, aromatisch“, über „sommerlich, ausgeprägt, vollmundig“ bis hin zu „leicht, fruchtig, animierend“. 

Muskateller Secco, Trollinger Weißherbst, Chardonnay, Spätburgunder, Blanc de Noir, Grauburgunder, Pinot Noir oder Sauvignon Blanc werden inmitten der Reben zum besonderen Genusserlebnis. In diesem Jahr wird es sogar royal: Aus der Reihe „Monarchie“ hat das Collegium Wirtemberg Weine kreiert, die einen Bezug zur Historie haben: Der Riesling „Katharina“, die Rotwein-Cuvée „Salucci“ sowie der königliche Trollinger „Wilhelm“. Die Grabkapelle, die in direktem Bezug zu den drei Wein-Protagonisten steht, feiert in diesem Jahr übrigens 200 Jahre Bestehen. Gründe zum Anstoßen finden sich am 8. und 9. Juni also viele: „Im Sommer sind vor allem Weiß- und Roséweine sowie alles Prickelnde gefragt“, weiß Kollmar. Damit die Veranstaltung ein voller Erfolg wird, sind über 50 Helferinnen und Helfer im Einsatz. „Die Planungen starten schon sechs Monate vorher, damit an den beiden Tagen alles glatt läuft.“ Und die Besucherinnen und Besucher dann an zwei Tagen „den herrlichen Blick ins Neckartal, auf Uhlbach, die Grabkapelle auf dem Württemberg und den bereits heranwachsenden neuen Jahrgang genießen können“. Nathalie Kauder

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Wein ist beliebt: Das zeigt eine Statistik des Deutschen Weininstituts. Von 2008 bis 2022 schwankt der jährliche Pro-Kopf-Konsum von Wein in der Bundesrepublik zwischen rund 20 bis 21 Litern. 2022 waren es 19,9 Liter. Im selben Jahr hat Deutschland rund 9 Millionen Hektoliter Wein gekeltert (Quelle: OIV-State Of The Wordl Wide Vine And Wine Sector). In Baden-Württemberg dominieren Weißer Riesling, Blauer Spätburgunder (Pinot Noir), Müller-Thurgau sowie Dornfelder. Die Baden-Württemberger liegen mit ihrem Weinkonsum etwas über dem bundesweiten Schnitt: 2022 trank laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg jeder Erwachsene rund 25 Liter Wein. nab

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