Herr Oberbürgermeister, was bedeutet die Eröffnung des Hauses des Tourismus für Stuttgart?
Tourismus schafft Arbeitsplätze und Prosperität in unserer heimischen Wirtschaft – vor allem in Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Kultureinrichtungen. Er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber auch ein Imagefaktor, der die Reputation und die Bekanntheit unserer Stadt erhöht. Und die für den Tourismus geschaffene Infrastruktur kann nicht nur von Touristinnen und Touristen, sondern auch von den Einheimischen genutzt werden.
Was genau soll das neue Haus des Tourismus leisten?
Es ist für viele und für vieles bestimmt. Es wird Informationsplattform, Treffpunkt, Anlaufstelle, ein Ort der Inspiration und des kulinarischen Genusses. Kurz: Es soll zeigen, dass Stuttgart geradezu ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Es soll zeigen, dass Stuttgart immer eine Reise wert ist. Es soll Stuttgart ein unverwechselbares Gesicht geben. Es soll Lust machen, Stuttgart zu entdecken – und zwar nicht nur die bekannten Attraktionen, sondern auch die verborgenen Perlen.
Viele Städte buhlen um die Gunst von Touristinnen und Touristen. Was macht Stuttgart besonders?
Stuttgart ist die ideale Mischung von Moderne und Tradition, von Spätzle und Spitzentechnologie. Stuttgart ist die Geburtsstadt der ersten, der besten, der innovativsten und der umweltfreundlichsten Automobile. Stuttgart ist die Kultur-, Ballett- und Opernhauptstadt Europas.
Stuttgart ist die einzige Großstadt Deutschlands, die innerhalb der Stadt einen Höhenunterschied von fast 350 Metern hat. Stuttgart ist mit 400 Hektar Rebfläche die größte Weinbaugemeinde Deutschlands. Stuttgart ist die Stadt mit dem größten Mineralwasservorkommen Westeuropas mit gleich drei Mineralbädern.
Stuttgart ist die Stadt wegweisender Baukultur und mit der größten Dichte an Architekten in Deutschland, wenn nicht gar in Europa. Stuttgart ist die park- und waldreichste Stadt Deutschlands, deren aneinandergereihte Parks größer sind als der Englische Garten in München und der Central Park in New York. Stuttgart ist die Stadt mit dem Unesco-Weltkulturerbe Doppelhaus und Einfamilienhaus von Le Corbusie in der Weißenhofsiedlung und Stuttgart ist mit seinen Hügeln und der Zahnradbahn so etwas wie das deutsche San Francisco.
Welche Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit Region und Land?
Im Haus des Tourismus werden die drei Musketiere des Tourismus -Stuttgart-Marketing, Regio Stuttgart-Marketing und die Tourismus Marketing Baden-Württemberg – unter einem Dach zusammengeführt. Unter Führung der Stuttgart-Marketing entsteht so eine Ideen- und Präsentationsschmiede.
Diese Zusammenführung kann die jetzt schon vorhandene gute Zusammenarbeit noch weiter verbessern und verstärken. Wir zeigen hier: Stadt, Region und Land ziehen an einem Strang – im Wettbewerb der Metropolen ein starkes Signal.
Inwiefern ist das Haus auch ein Symbol für die Zukunft der Stadt?
Das Haus des Tourismus selbst wird ein Leuchtturm des Tourismus. Und wir werden die vielen anderen Leuchttürme des Tourismus in Stadt und Region hier zum Leuchten bringen. Im Haus des Tourismus werden sie präsentiert, werden sie sicht- und erlebbar. Stuttgart ist eine Stadt, die allen Anlass zum Selbstbewusst hat – national wie international. Wir müssen uns nicht hinter München, Hamburg oder Frankfurt verstecken.
Mit Stuttgart 21 rückt der Flughafen in nur sechs Minuten an die Innenstadt. Was bedeutet das für das Haus des Tourismus?
Messe und Flughafen werden zu natürlichen Partnern. Der Stuttgarter Hauptbahnhof und der Flughafen mit dem neuen Fernbahnhof gehören künftig zu den herausragenden Verkehrsdrehscheiben in Deutschland und Europa. Und Stuttgart erhält einen der architektonisch attraktivsten Bahnhöfe weltweit – auch das werden wir touristisch vermarkten. Die neuen Verkehrsverbindungen werden uns viele zusätzliche Tagung- sund Kongressgäste bescheren.
Bislang gilt Stuttgart vor allem als Geschäftsreiseziel. Soll sich das ändern?
Ja, eindeutig. Geschäftsreisen sind wichtig, aber es wird bisher zu wenig dargestellt, dass Stuttgart auch für Freizeitgäste, Städtereisen, Tagungen und Kongresse hochattraktiv ist. Genau hier setzt das Haus des Tourismus an. Wir wollen Lust machen auf ein verlängertes Wochenende in Stuttgart – mit Weinbergen, Kultur und Kulinarik.
Ist das Haus nur für Gäste gedacht – oder auch für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt?
Es soll beides sein. Für Einheimische wird es tagestouristische Angebote geben, außerdem eine Kartenvorverkaufsstelle. Und nicht zuletzt auf der Dachterrasse, auf dem Marktplatz und im Haus selbst ein kulinarisches Angebot mit schwäbischen Spezialitäten – knitz, wie wir Schwaben nun mal sind.
Tourismus hat auch Kritiker, die Belastungen durch Verkehr und steigende Preise fürchten. Wie gehen Sie damit um?
Tourismus hat richtig betrieben und richtig dimensioniert mehr Vorteile als Nachteile. Wir müssen aber auch darauf achten, dass er für alle Beteiligten verträglich bleibt.
Wer trägt die Kosten für dieses große Projekt?
Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart
Die Stadt hat die enormen Investitionskosten getragen. Das Haus des Tourismus soll eine Investition in die Zukunft unserer Stadt sein. Im Betrieb ist das Haus aber als Kooperationsprojekt geplant, bei dem sich Stadt, Region und Land die laufenden Kosten teilen.
Wenn Sie einen Blick zehn Jahre vorauswerfen: Wo sehen Sie Stuttgart als Tourismusstandort?
Mit dem neuen Haus des Tourismus haben wir alle Chancen den Tourismus-Standort Stuttgart in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nachhaltig zu stärken. Wir müssen uns dabei gemeinsam mit Region und Land vor allem darauf konzentrieren, was uns im Vergleich zu anderen Destinationen unverwechselbar und einzigartig macht.
Die Fragen stellte Ingo Dalcolmo.