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Beruf & Weiterbildung

Gute Recherche und Gespräche

Prozess. Berufsorientierung findet zur Zeit online und telefonisch statt. Persönliche Kontakte fehlen und das macht den Prozess zur Berufswahl noch herausfordernder als vor der Pandemie. Aber er sollte nicht hinausgezögert werden. Arbeitsagentur, Kammern und Verbände bieten Unterstützung an.

                                   
Foto: BullRun / stock.adobe.com

8.02.2021

Die Vielfalt an Berufsmöglichkeiten ist groß. Es gibt 330 Ausbildungsberufe. Berufe werden angepasst und neu geordnet. Die Berufswahl ist für Schülerinnen und Schüler und deren Eltern deshalb eine Herausforderung. Beratung kann helfen. 

Die Berufswahl ist eine große Aufgabe, sowohl für die Schülerinnen und Schüler, als auch für deren Eltern, die eine bedeutende Rolle in dem Prozess spielen. Denn sie sind wichtige Ratgeber für ihre Kinder. Natalie Seyboldt, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Böblingen, stellt fest, dass die Berufswahl seit Beginn der Pandemie oftmals hinausgezögert wird, dass der Informationsbedarf aber immens ist. Arbeitsagentur, Kammern und Verbände appellieren, in der Berufsorientierung nicht nachzulassen, denn es gibt Ausbildungsstellen und gut ausgebildete Fachkräfte werden gebraucht. Berufsorientierung findet derzeit digital statt, Beratung telefonisch oder per Video. „Es fehlt zum Beispiel die Orientierung durch Schülerpraktika“, sagt Seyboldt.

Um so wichtiger sind eine gute Recherche und Gespräche. „Oftmals ist Jugendlichen nicht präsent, wie sie an Quellen kommen, die verlässlich sind“, erzählt die Berufsberaterin aus ihrer Praxis. „Wir gehen dann zusammen durch, wie man online recherchiert“, so Seyboldt. Die Agentur hat ein umfangreiches Angebot, das vom Selbsttest über Berufsvorstellungen bis hin zum Fahrplan für den Weg in den Beruf reicht. Auch die Kammern unterstützen mit ihren Ausbildungsexperten, aber auch mit Ausbildungskampagnen wie „Mach doch, was du willst“ und Aktionen wie „Digitalen Azubi-Speed-Datings“ bei der Berufsorientierung. Eltern als wichtige Begleitpersonen im Berufsfindungsprozess finden dort ebenfalls viele Informationen, wie sie ihren Töchtern und Söhnen helfen können.

Denn die Vielfalt der Möglichkeiten ist herausfordernd. Es gibt etwa 330 Ausbildungsberufe. Berufe werden neu geordnet, bisherige Ausbildungsordnungen angepasst.

So wurden zum Beispiel im Elektrohandwerk aus ursprünglich sieben Ausbildungsberufen fünf gemacht und gleichzeitig die Ausbildung zur Elektroniker*in für Gebäudesystemintegration geschaffen. Die Auszubildenden dieses neuen Berufs werden Spezialisten für Vernetzung und gewerkeübergreifende Gebäudetechnologien für Gebäude jeder Größe teilt der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) mit. Für diesen Ausbildungsgang sind vor allem Abiturientinnen und Abiturienten angesprochen.

Daneben werden die vier weiteren E-Berufe Elektroniker*in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungs- und Systemtechnik, für Maschinen und Antriebstechnik sowie Informationselektroniker angeboten (www.e-zubis.de).

In Industrie und Handel wird im Beruf IT-Systemelektroniker*in ausgebildet. IT-Systemelektroniker sind überall im Einsatz, wo es Systeme der Informations- und Telekommunikationstechnik gibt. Dazu zählen neben Bürogeräten zum Beispiel Ampel- und Produktionslagen, Mobilfunkantennen oder die Flug- und Sicherheitstechnik. „Das geht in alle Bereiche der Arbeitswelt hinein“, sagt André John vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Neben dem technischen Können spielen Soft Skills eine große Rolle. IT-Systemelektroniker haben viel Kundenkontakt. Zwar haben sie mit Software zu tun. Vor allem sind IT-Systemelektroniker aber für die Hardware zuständig, also die elektronischen und mechanischen Bestandteile von Systemen und Geräten. Im Gegensatz zu vergleichbaren IT-Berufen sind sie außerdem gleichzeitig Elektrofachkraft.

Henrik Schwarz vom Berufsinstitut für Berufsbildung (BIBB) erklärt, dass sich IT-Systemelektroniker deshalb mit Stromstärken, Spannungen und Widerständen auskennen. Sie müssen Netzwerkkabel legen und die entsprechenden Komponenten eines PCs, einer Sicherheitsanlage oder eines Smarthomes anschließen können. Außerdem messen sie etwa, ob die angeschlossenen Geräte unter den richtigen Parametern laufen. Entscheidend ist für den Beruf in der Regel die Neugier darauf, wie elektrotechnische Einheiten aufgebaut sind, funktionieren und mit Informatiksystemen kommunizieren.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. ZVEI-Experte John weist in diesem Zusammenhang auf die konstant hohe Nachfrage hin. „Je stärker digital gearbeitet wird, desto mehr IT-Systemelektroniker braucht es, die Hardware und Systeme kennen und vor allem auch die Schnittstellen verstehen“. (Berufsbild bei Berufenet – http://dpaq.de/fmkBz).

Wer also zum Beispiel einen Beruf mit Elektronik erlernen möchte, hat die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Berufsberater* innen der Arbeitsagentur stehen für eine schnelle Kontaktaufnahme unter den Hotlines 0711 9204200 (Haupt/Realschulabschluss) und 0711 920 2400 (Fachhochschulreife/ Abitur) zur Verfügung. D. Engel-Platz / H. Polland, dpa

»INFO

Hilfreiche Adressen

www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung/azubiwelt – die Azubi-Welt-App ist in den gängigen App-Stores kostenlos verfügbar. Sie zeigt die verschiedenen Angebote der Bundesagentur für Arbeit (BA) und ermöglicht eine personalisierte Suche nach Ausbildungsstellen direkt am Smartphone.

www.berufenet.de – beschreibt alle Berufe von A bis Z.

www.berufe.tv/ – zeigt Kurzfilme zu Berufen und Berufsfeldern.

https://berufsfeld-info.de/ – erleichtert eine erste Orientierung im breiten Spektrum der Berufe.

https://planet-beruf.de – ein Portal der Arbeitsagentur für den Start in die Ausbildung mit dem „Berufe-Entdecker, Tagesabläufen von Azubis und Fachkräften und umfangreichem Material rund um die Themen Ausbildungssuche, Bewerbung und Berufswahl.

www.abi.de und www.studienwahl.de – die Seiten richten sich an Abiturienten.

www.arbeitsagentur.de/bildung/welche-ausbildung-welches-studium-passt – unter der Rubrik „Schule, Ausbildung und Studium“ findet sich das kostenlose Selbsterkundungstool („SET“).

www.stuttgart.ihk24.de – Seite der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart mit Lehrstellenbörse.

www.hwk-stuttgart.de – Seite der Handwerkskammer der Region Stuttgart mit Lehrstellenbörse.

Vorstellung: Wer bin ich?

Wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird – ob online oder in Präsenz – hat einen wichtigen Schritt im Bewerbungsprozess gemeistert. Nun kommt es darauf an, sich überzeugend vorzustellen, erklärt die Bundesagentur für Arbeit auf ihrem Portal „Planet-Beruf“. Denn der potenzielle Arbeitgeber bittet den Kandidaten oder die Kandidatin in der Regel darum, etwas über sich selbst zu erzählen. Die Präsentation dauert meist nicht viel länger als drei Minuten. Der Personalmitarbeiter achte besonders darauf, ob Bewerber*innen die wesentlichen Fakten ihrer Person kurz und in Übereinstimmung mit ihrem Lebenslauf darstellen können.

Punkten kann, wer Begeisterung und Motivation für die Stelle rüberbringt. Am besten überlegt man sich zur Vorbereitung daher Antworten auf die Fragen „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“ und „Was will ich?“. Besonders überzeugend klingen die Antworten, wenn man sie mit Beispielen illustrierten kann. Für einen ruhigen, gelassenen und selbstbewussten Auftritt hilft es, die Präsentation vorab mehrmals zu üben – idealerweise vor anderen Menschen. Diese können Feedback geben und einen zum Beispiel auf unbewusste Gesten aufmerksam machen, die nervös wirken könnten. dpa