Start war schon am Donnerstag in der Stadtteilbibliothek mit einem Workshop über griechische Mythologie, am Freitag ging es mit einem Erzählfest für Familien weiter. An diesem Samstag, 21. Oktober, geht es in der Stadtteilbibliothek mit der Langen Nacht der Geschichten weiter. Ab 19.30 Uhr erzählen Stella Kassimati, Julia Klein und die Organisatorin des Festivals, Maria Winter. Andrés Bertomeu umrahmt ihre Geschichten mit Musik auf der Glasharfe. Es wird dabei um biografische Geschichten der Erzählerinnen gehen, um Märchen und um Volksgeschichten, um „Träume, die wir aufgegeben haben, Träume, die in Erfüllung gegangen sind”. Den Eintrittspreis zur langen Geschichtennacht können die Zuhörerinnen und Zuhörer selbst festlegen, ganz nach Wunsch und Möglichkeit.
Geschichten gehen im Flegga auf Wanderschaft
Am Flegga-Treff-Sonntag gehen die Geschichten dann sozusagen auf Wanderschaft. Zu den Erzählerinnen vom Vorabend kommen noch Najia Ahmad und Soheila Hosseini dazu. Ihre Geschichten sind dann im halbstündigen Rhythmus und Wechsel von etwa 13 bis 18 Uhr im Blumenhaus Ellinger, im Atelier Mulas, in der Buchhandlung Roth, im Restaurant Lavas, am Storchenmarkt und bei Brigitte Bergelt Schmuck und Perlen zu hören. Die genauen Erzähl-Uhrzeiten und -orte sind im Internet unter ars-narrandi.de oder auf den bereits verteilten und ausliegenden Flyern zu finden. Die Flyer wird es auch am Infostand des Vereins Ars Narrandi in der Widdersteinstraße geben.
Kopf, Herz und Seele des Festivals ist Maria Winter. Die gebürtige Niederländerin hat in Utrecht Theaterpädagogik studiert und anschließend dort eine Zusatzausbildung zur Erzählerin begonnen. Die Liebe brachte sie nach Deutschland, sie lebt mit ihrem Mann und inzwischen zwei Kindern in Ulm. Nach dem Umzug 2013 sprach die professionelle Erzählerin noch nicht gut Deutsch, auf der Suche nach einer Arbeitsstelle wurde sie an der Wilhelmschule in Untertürkheim fündig. Dort war sie erst als pädagogische Hilfskraft im Ganztagesbereich tätig, lernte dort die Gründerin von Ars Narrandi kennen und so kam eins zum anderen. So lernte sie Untertürkheim mit seinen Einwohnern aus vielen unterschiedlichen Kulturen kennen, erzählte den Kindern an der Schule Geschichten und ließ sie ihre Geschichten erzählen und zum Teil auch in ihre jeweilige Sprache oder ins Deutsche übersetzen. So erlebten die Kinder ihre Mehrsprachigkeit als großen und wichtigen Wert, nicht als Defizit. Es war die Vereinsgründung und heutige Ehrenvorsitzende Odile Néri-Kaiser, die irgendwann sagte: „Wir brauchen hier in Untertürkheim ein Projekt, das über die Schule hinausgeht, um den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern.” Daraus entstand 2018 das erste Erzählkunstfestival im Stadtbezirk, das für Maria Winter inzwischen zu einer Herzensangelegenheit geworden ist. Bei der Premiere war das Festival noch nicht an den Flegga-Treff gekoppelt, aber trotzdem unerwartet erfolgreich.
Beim Neustart im vergangenen Jahr nach der Pandemie-Pause zeigte sich, dass die Verbindung zum Flegga-Treff mit den Geschichten in den Geschäften dem Festival ganz neue Facetten gibt. Und dass so auch neue Geschichten entstehen. Und genau das erhofft sich Maria Winter auch für das Festival in diesem Jahr. Jürgen Brand