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Brauchtums- und Maskenumzug in Hofen: Die Narren ziehen durch den Ort

Schwäbisch-alemannische Fasnet mit 80 Masken- und Brauchtumsgruppen und 2000 Teilnehmenden, Guggenmusik und Tradition seit über 40 Jahren

Brauchtums- und Maskenumzug in Hofen: Die Narren ziehen durch den Ort

Regelmäßig ziehen die Scillamusiker und die Scillamännle während der Fasnet durch die Straßen. Höhepunkt wird der große Brauchtumsund Maskenumzug am Faschingsdienstag. Fotos: Eva Herschmann

„Blüh-Auf“ und „Komma gschwomma“ schallt es nun wieder laut durch den mit bunten Fähnchen geschmückten Ort: Für die Hofener Scillamännle beginnt die heiße Phase der Fasnet am 12. Februar, dem Schmotzigen Donnerstag, mit der Schülerbefreiung und dem Hemdglonker-Umzug. Höhepunkt und zugleich auch närrisches Finale ist der große Brauchtums- und Maskenumzug durch die Straßen und Gassen am Faschingsdienstag, 17. Februar, der um 13 Uhr startet und zu dem 80 Gruppen mit rund 2000 aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet werden.

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Angeführt wird der närrische Zug von den Scillamännle in ihren freundlichen, grünen und blauen Masken aus Lindenholz mit den hochgezogenen Augenbrauen, dem neugierigen Blick und lachenden Mund. Der Name Scillamännle kommt nicht von ungefähr. Unweit von Hofen blüht im Scillawald der unter strengem Naturschutz stehende Blaustern, der nirgendwo auf Stuttgarter Gemarkung in dieser Üppigkeit vorkommt. Dieses Zwiebelgewächs mit lateinischem Namen Scilla ist ein erster Bote des Frühlings und diente als Vorlage für Masken und Häs. Das „Plätzlesgewand“ aus Filzstoff in den Farben Grün und Braun, die Stängel und Blätter der Scillablume symbolisieren, muss sich jeder Hästräger selber nähen. Das katholisch geprägte Hofen ist eine der Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fasnet in Stuttgart. Es gilt als verbürgt, dass in der katholischen Enklave im protestantisch geprägten Württemberg schon seit dem 17. Jahrhundert in den Wochen vor Aschermittwoch Fasnet gefeiert wurde. In den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts soll der Musikverein Hofen rund um die Burgruine zum närrischen Treiben aufgespielt haben, denn ein Foto von 1926 in der Vereinschronik zeigt einen Fasnetsumzug. Dass die Fünfte Jahreszeit in Hofen bis zum heutigen Tag eine ganz besondere ist, ist der Narrenzunft der Scillamännle zu verdanken, die seit 41 Jahren die Zeremonienmeister der Fasnet sind.

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Ein hochmütiges Edelfräulein, das verwunschen wurde

1985 traten die Scillamännle erstmals öffentlich auf und der Verein erblühte rasch. Schon ein Jahr später tanzten Mädchen als Scillablüten und Miniblüten in den Tanzgarden. 1988 dann wurden die Hofener Scillamännle eine vom Landesverband württembergischer Karnevalsvereine anerkannte Masken- und Brauchtumsgruppe. Im gleichen Jahr stieg erstmals das Greadeffele - die Symbolfigur der Scillas - aus des Burghofs dunklen Tiefen empor. In diesem Jahr verkörpert Mia Weißer das hochmütige Edelfräulein, das der Ortssage nach wegen Üppigkeit, Hartherzigkeit gegen die Armen, Verachtung des lieben Brotes und anderer Delikte „verwunschen“ wurde. Die Sage haben die Hofener Scillamännle aufgegriffen und erwecken das Greadeffele alle Jahre wieder zur Fasnetszeit aber nicht als böses Burgfräulein, sondern als lebenslustiges Symbol der Narrenzunft.

Zu Beginn der Fasnet wird mit Pauken und Trompeten das Greadeffele geweckt.
Zu Beginn der Fasnet wird mit Pauken und Trompeten das Greadeffele geweckt.
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1990 gründete sich die Scillamusik, die sich längst landesweit mit ihrer Guggenmusik einen Namen gemacht hat. Seit dem Jahr 2014 gibt es die unheimlichen Hogamale, die sich ausschließlich bei der Auferweckung und Beerdigung des Greadeffele zeigen. Inzwischen ist die Narrenzunft auf mehr als 300 Mitglieder angewachsen und aus der Fasnet nicht mehr wegzudenken. Auch wegen des großen Brauchtums- und Maskenumzugs am Faschingsdienstag.

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Doch was wäre die Hofener Fasnet ohne die Scillamusiker, die ihren ersten Auftritt noch ohne eigenes Häs im Januar 1991 hatten. Zur nächsten Kampagne trat die Gruppe dann in den bekannten, meist selbst genähten Kostümen in Lila, Flieder und Pink auf. Seit September 1994 ist Roland Mezger der musikalische Leiter. Er ist ein „Gewächs“ aus dem Musikverein Hofen und hat das Kunststück fertig gebracht aus überwiegend Laien, die von „Tuten und Blasen“ keine Ahnung hatten und einigen versierten Instrumentalisten, eine lautstarke Gruppe mit rund 40 Guggenmusikern und einem umfangreichen Repertoire zu formen.

Von Eva Herschmann


Hofener Fasnet

Am Schmotzigen Donnerstag, 12. Februar, beginnt das närrische Treiben schon um 10.30 Uhr in der Grundschule Hofen mit der Schülerbefreiung.

Um 18 Uhr findet der Hemdglonker Umzug statt, bei denen die Narren in weißen Nachthemden und Nachtmützen unterwegs sind.

Am Fasnetssamstag, 14. Februar, wird in der Turnhalle der Grundschule Hofer ab 15 Uhr der Kinderfasching gefeiert. Der Eintritt kostet jeweils 3 Euro für Kinder und Erwachsene. Bereits ausverkauft ist der abendliche Scillaball an gleicher Stätte.

Am Montag, 16. Februar, stürmen die Hofener Scillamännle zusammen mit den anderen Fasnetsvereinen aus dem Stadtbezirk, den Schlossgeistern und Donner-Hexen aus Mühlhausen, um 13.30 Uhr das Bezirksrathaus im Palmschen Schloss. Um 19 Uhr findet in der Turnhalle der Grundschule Hofen die RoMo-Party statt. Der Eintritt kostet 10 Euro.

Das große Finale beginnt am Fasnetsdienstag, 17. Februar, 13 Uhr, mit dem großen Umzug durch die Straßen und Gassen von Hofen. Einlassbändel gibt es zum Preis von 3 Euro. Ab 10 Uhr startet die Bewirtung in der Hogamale Bar im Hinterhof der Gaststätte Ochsen, ab 11 Uhr im „Narrendorf“ auf dem Kelterplatz und ab 14.30 Uhr in der Turnhalle der Grundschule.

Karten für sämtliche Veranstaltungen gibt es im Vorverkauf im Gasthaus Ochsen, bei Hairfashion Silke Mezger, der Blumenbinderei, der Bäckerei Rau in Hofen sowie der Metzgerei Schlag in Mühlhausen. eha


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