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Stuttgart-Degerloch: Wie feiert ein Influencer Weihnachten? Mit Gutsle und „Insta-Godi“!

Für Pfarrer Nicolai Opifanti ist Weihnachten die schönste und stressigste Zeit des Jahres

Der Degerlocher Pfarrer Nicolai Opifanti ist beruflich auf Instagram unterwegs. Foto: privat

28.11.2021

Weihnachten ist für Nicolai Opifanti die schönste Zeit des Jahres. „Ich habe es schon als Kind geliebt, bei Oma Gutsle zu essen und einfach mit der Familie zu sein“, erzählt der 35-jährige Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Degerloch fast nostalgisch. Und ergänzt lachend, dass das Fest der Liebe für ihn beruflich allerdings die stressigste Zeit wäre. „Dennoch feiere ich es total – ich komme selbst zur Ruhe und mag besonders den Kontrast zwischen der dunklen Jahreszeit mit den hellen Lichtern in den Häusern“, verrät er. Es sei, als würde das Licht der Welt zu scheinen beginnen.

Diese schönen Bilder versucht Opifanti als Pfarrer bei der Dekanin in Degerloch seit gut dreieinhalb Jahren den Menschen zu vermitteln – und zwar nicht nur im klassischen analogen Kirchengottesdienst, sondern auch digital im Netz und über Social Media. „Es war mir ein Dorn im Auge, dass so wenig junge Menschen in der Kirchengemeinde aktiv sind, und ich wollte auch mit Leuten meiner Generation in Kontakt treten“, erklärt er die Anfänge seines Instagram-Kanals „Pfarrer aus Plastik“, den er vor gut drei Jahren ins Leben rief und mit dem er auch Menschen erreichen will, die nicht aus einem kirchlichen Umfeld stammen.

GOTTESDIENST IM NETZ UND ÜBER SOCIAL MEDIA

Die Resonanz ist riesig: Mittlerweile hat er fast 9000 Followerinnen und Follower, und die virtuelle Kirchenwelt ist heute Schwerpunkt seiner Arbeit, wie er erzählt. Mit Support „von oben“. Die württembergische Landeskirche hat für den „Pfarrdienst im digitalen Raum“ eigens zwei 50-Prozent-Projektstellen geschaffen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sarah Schindler aus Zuffenhausen treibt Opifanti die Digitalisierung der Landeskirche voran. „Wir sind InInfluencer im Namen der Kirche – Sinnfluencer sozusagen“, sagt er lachend.

Im Fokus der Onlinearbeit steht die Seelsorge. „Das Bedürfnis nach seelischer und geistiger Beratung ist groß“, erzählt er. Und vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie habe sich viel verändert und die Arbeit ins Netz verlagert. Über Instagram fanden Gottesdienste statt, die Followerinnen und Follower konnten Fürbittgebete sprechen und sich Lieder wünschen.

SPONTAN UND INNOVATIV SEIN IN ZEITEN WIE DIESEN

Die Beteiligung war riesig, mehrere hundert Menschen haben live an den „Insta-Godis“ teilgenommen. „Es hat uns extrem berührt, wie viele Leute uns ihr Herz ausgeschüttet haben“, erzählt Opifanti, der rund 80 Prozent seiner Arbeitszeit damit verbringt, mit Menschen über das Internet zu kommunizieren, und so versucht, ihnen Halt zu geben und Hilfe zu bieten. Dazusein und niemanden allein zu lassen – wie es für ihn in der Advents- und Weihnachtszeit besonders wichtig ist.

Vergangenes Weihnachten gab es einen eigenen „Xmas Godi“, der selbst via Insta-Story sehr besinnlich daherkommt. „Wir haben aber trotz Corona auch einiges analog gemacht“, erzählt der Pfarrer. Statt dem klassischen Weihnachtsgottesdienst in der Kirche ist man etwa bei der „Christvesper to go“ durch Degerloch marschiert, es gab Chorandachten im Freien. Auch Krippenspiele fanden Open Air statt. Für ältere Menschen der Gemeinde nahm man CDs mit vom Pfarrer vorgelesenen Geschichten, Andachten und Liedern auf und verteilte sie. „Solche Aktionen wird es dieses Jahr auch wieder geben“, erzählt Opifanti. Was durch die vierte Corona-Welle aber genau möglich sein wird, ist noch unklar – konkrete Planungen sind eher schwierig. Das empfindet der Pfarrer mit dem frohen Gemüt aber als gar nicht schlimm. „Wir müssen spontan und innovativ sein und können so auch zeigen, dass wir längst nicht so behäbig sind, wie uns der Ruf vielleicht vorauseilt“, sagt er schmunzelnd und ist sich sicher: „Wir können die weihnachtlichen Botschaften auch in schwierigen Zeiten zum Leuchten bringen!“

Klar sei, dass es wieder Krippenspiele im Freien gibt, „und zwar in Hülle und Fülle mit vielen Lichtern und Punsch – das ist immer wunderschön“, kündigt Opifanti an. So zum Beispiel im Garten des Kindergartens an der Michaelskirche, vor der Versöhnungskirche und im Garten der Hoffeldkirche. Geplant sind außerdem Gottesdienste in allen drei Kirchen. Und natürlich wird es auch Onlineangebote geben. „Wir produzieren Andachten fürs Fernsehen und das Internet, die man etwa über YouTube verfolgen kann“, so der Pfarrer. Damit sollen auch Menschen angesprochen werden, die sich aufgrund der Corona-Lage nicht in den Gottesdienst trauen. In der Adventszeit dürfen sich die Degerlocher auf die traditionelle Waldweihnacht am Haus des Waldes und auf verschiedene Adventsandachten freuen.

„Advent bedeutet auch Ankunft“, erklärt Opifanti. „Gott lässt uns nicht allein, und genauso versuchen wir, für die Menschen da zu sein und ihnen beizustehen, egal, über welches Medium – das ist unsere Botschaft.“ Anke Bauer
  

INFO

Wer Nicolai Opifanti in den sozialen Netzwerken folgen möchte, kann ihn auf www.instagram.com/pfarrerausplastik abonnieren.

Weitere Informationen und Gottesdiensttermine – ob nun in Präsenz oder im Livestream – findet man online auf: www.elk-wue.de red