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Stuttgart, Land & Region

Start in die Berufsausbildung Ein Plädoyer für die duale Ausbildung

01. Oktober 2019 - 08:00 Uhr


Die Rolle der Eltern

Nicht nur auf die Schule setzen

Sich für einen Beruf entscheiden, der zu einem passt: Vor dieser großen Auf- gabe stehen alle Jugendlichen. Dabei kommt es besonders darauf an, dass sie sich nicht nur im Unterricht mit dem Thema beschäftigen, sondern auch privat. Schließlich sollen sie sich über ihre eigenen Wünsche und Fähigkeiten klar werden. „Der Besuch eines Berufsinformationszentrums überfordert viele Jugendliche“, berichtet Dorothee Beck-Westphal, Geschäftsführerin des S&B Instituts für Berufs- und Lebensgestaltung aus Fellbach. „Außerdem findet die Berufsorientierung in der Schule während der Pubertät statt. In dieser Zeit ist vielen Jugendlichen meist etwas ganz anderes wichtig, als sich mit dem künftigen Beruf auseinanderzusetzen.“ Beck-Westphals Tipp lautet deshalb: „Junge Leute sollten sich zuerst mit sich selbst beschäftigen und sich fragen: Wer bin ich? Wo will ich hin? Was sind meine Stärken?“ Besonders hilfreich sei es, diese Erkenntnisse aufzuschreiben. Erst im zweiten Schritt gehe es darum, sich über das Ausbildungsangebot zu informieren.

Besonders wichtig ist in der Phase der Berufsorientierung das Gespräch in der Familie: „Jugendliche sollten ihre Eltern fragen, wie diese ihren Beruf gefunden haben. Dabei kann herauskommen, dass auch Vater und Mutter zuerst im Nebel herumgestochert haben“, so Beck-Westphal. Solche Gespräche am Küchentisch seien sehr hilfreich und nähmen auch die Angst vor einer Entscheidung.

Beck-Westphal fordert die Schüler dazu auf, selbst die Initiative zu ergreifen und sich Unterstützung im Verwandten- und Freundeskreis zu holen. Ein Schüler könnte zum Beispiel bei seinem Patenonkel nach- fragen, wenn er sich für dessen Beruf interessiert. So bekommt er Informationen aus erster Hand. „Grundsätzlich sollten Schüler zwei Jahre vor dem Schulabschluss beginnen, sich mit dem Thema Berufswahl zu beschäftigen.“

Allerdings warnt die Berufs- und Laufbahnberaterin Erwachsene davor, die Träume der Jugendlichen vorschnell zum Platzen zu bringen. „Heute wollen viele Schüler zum Beispiel Influencer werden. Wer als Eltern diese Wünsche zerschlägt, nimmt ihnen den Schwung.“ Ihr Tipp: mit den Schülern ins Gespräch kommen. Denn in der Regel lässt sich aus einem Traum ein realistischer Berufswunsch entwickeln – zumal er oft einen Hinweis auf die Stärken des Jugendlichen liefert. „Erwachsene sollten Schüler nicht unterschätzen“, so Beck-Westphal. „Oft erkennen diese im Laufe der Berufsorientierung selbst, ob ein Wunsch realistisch ist.“ Dann würden sie auch meist von allein nach Alternativen suchen. Wichtig sei, sie dabei wohlwollend zu begleiten. Anja Schreiber
    

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