Anzeige
Bauen & Wohnen

Besser wohnen auf dem Stuttgarter Umland?

Wohnen. Nicht nur das Home Office hat das Leben auf dem Land wieder interessant gemacht. Am Rande des Ballungsraums lässt es sich billiger leben – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Wohnen auf dem Land. Alles ist entschleunigt, rundum mit viel Natur und genügend Platz für das eigene Häuschen mit Garten. Für eingefleischte Stadtliebhaber ist diese Vorstellung ein Graus. Doch mit der Pandemie verschiebt sich so manche Einstellung. Foto: Jürgen Fälchle – stock.adobe.com

30.03.2021

„Homeoffice und Homeschooling haben den Blick auf die Wohnsituation verändert“, sagt Jochen Dörner, Geschäftsführer der Wüstenrot Immobilien GmbH. In kleinen Wohnungen wie auch in offenen Wohnbereichen fehle jetzt das ruhige Arbeitszimmer. Die Nachfrage nach mehr Räumen sei messbar, betont der Immobilienfachmann, und wer jetzt ein Haus kaufe, erkundige sich auch gleich nach möglichen Umbauten. Lasse sich etwa das Dachgeschoss ausbauen, oder könne im Untergeschosse ein Zimmer eingerichtet werden. Immer wichtiger werde auch der Garten.

Homeoffice erweitert den Radius

Wer dank Homeoffice nur noch ein bis zweimal pro Woche den Weg zur Arbeit antritt, den schreckt eine längere Fahrtzeit nicht und rückt das Land als möglichen Wohnort immer mehr in den Fokus. „Corona hat das Homeoffice wie einen Geist aus der Flasche geholt und dadurch viel möglich gemacht“, sagt Prof. Dr. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts: „Der Radius, den die Pendler jetzt zu fahren bereit sind, ist plötzlich viel größer geworden.“ Mithin steigen die Chancen, sich abseits der Stadt jene Wohnsituation verwirklichen zu können, die mit mehr und größeren Räumlichkeiten aufwartet – im besten Fall in Form eines Einfamilienhauses.

Pflugfelder Immobilien Treuhand GmbH

Wohnraum auf dem Land ist günstiger

Die Wiederentdeckung des Landlebens lässt allerdings auch dort die Preise steigen. Der Immobilienpreisindex IV/2020 des Forschungs- und Beratungsinstituts empirica führt auf, dass die Mietpreise auf dem Land im vierten Quartal 2020 zwar im Bundesdurchschnitt niedriger als in der Stadt ausfielen, jedoch nur um etwa sieben Prozent günstiger waren. Und für Einfamilienhäuser macht Jochen Dörner derzeit aus, dass die Preise im Umland stärker steigen als in der Stadt. In Stuttgart etwa haben diese die Millionengrenze schon längst geknackt.

Auch beispielsweise in Leonberg, Böblingen, Sindelfingen, Ludwigsburg oder etwa Esslingen wird für Einfamilienhäuser im Bestand durchaus über eine Million bezahlt, wie der Marktbericht 2020/21 von E&G Private Immobilien zeigt. Um diese Preise beim zukünftigen Eigenheim zu umgehen, bietet es sich unter anderem an, sich etwa in Aichwald, Winnenden, Schönaich oder Remseck auf die Suche zu begeben. Bei den Grundstückspreisen finden sich die günstigsten Kaufpreise mit 190 Euro bzw. 200 Euro pro Quadratmeter zum Beispiel in Aidlingen bzw. Waldenbuch, oder mit 260 bzw. 280 Euro pro Quadratmeter in Tamm bzw. Grafenau.

Gutes Internet ist das A und O

Das reine Dorf ist nicht gefragt – eine gewisse Infrastruktur sollte schon gegeben sein. Wichtig ist, dass es vor Ort Schulen und Ärzte gibt und sich genügend Möglichkeiten für den Einkauf bieten. „Die erste Frage gilt allerdings inzwischen der schnellen Internetanbindung“, stellt Jochen Dörner fest. Wer Zuhause arbeitet, muss gut erreichbar sein.

S-Bahn-Anschluss nur noch auf Platz 2

Die einst erste Frage nach dem für Pendler wichtigen S-Bahn-Anschluss werde dadurch auf Platz zwei verdrängt, merkt er an. Laut einer aktuellen Umfrage der BHW Bausparkasse entdecken gerade nicht nur Familien das Land, sondern auch junge Leute, die vor der Pandemie die Stadt bevorzugten. Unter den Befragten vertraten 81 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die Meinung, das Wohnen auf dem Land sollte besser gefördert werden. Überaus interessant, dass mit zunehmendem Alter diese Forderung abnahm, bis auf 66 Prozent bei den ab 50-Jährigen.

„Die Möbelwagen werden nicht so schnell rollen“, prognostiziert Stephan Kippes, der Umzug aufs Land wolle überlegt sein. Ist man wirklich der Typ fürs Landleben? Und wenn ja, dann müssten ja auch noch die Partner mitziehen.

Innovative Wohnformen gefragt

Gerade junge, kreative Leute versuchen sich auf dem Land auch in neuen, innovativen Wohnformen. So finden sie sich beispielsweise zu Hofgemeinschaften zusammen, suchen Gleichgesinnte, um eine Immobilie gemeinsam zu renovieren und schließlich auch zu bewohnen. Allerdings: Nur eitel Freude Sonnenschein gibt es auch auf dem Land nicht. Gründe um unzufrieden zu sein, finden sich auch dort. Laut der Homeday-Wohnzufriedenheitsstudie führt die Top 3 der Punkte, die die Landlust schmälern, mit 21 Prozent ein schlechter Zustand der Wohnung an. Es folgt der Ärger mit den Nachbarn (19 Prozent), und, man mag es nur schwer glauben, 19 Prozent der Befragten ist es auf dem Land zu laut. Julia Alber