Ja sind die denn alle narrisch schon vor den tollen Tagen? In Heidenheim warfen die Fans Flummis, in Freiburg Schokotaler, in Hannover und Berlin Tennisbälle, auch in Köln flogen Gegenstände aufs Feld. Es wurden Schweigeminuten abgehalten und Schmähgesänge angestimmt. Fans in ganz Deutschland hatten sich offenbar verabredet zum Protest gegen den Investorendeal der Deutschen Fußball-Liga FL. Es ist schon überraschend, wie sehr sich der Widerstand verstetigt hat, auch für die DFL selbst. Mal schauen, welche Protest-Choreografien am 21. Spieltag ausgerollt werden.
Neben den Fanprotesten gibt es ein großes Thema: Das große, lange erwartete Duell um die Meisterschaft. Xabi Alonsos Leverkusener empfangen als nun in 30 Pflichtspielen dieser Saison ungeschlagener Tabellenführer den FC Bayern. Die gewannen zwar gegen den Angstgegner Gladbach, der Auftritt dürfte allerdings keinen Bayern-Fan euphorisch machen. Und Thomas Tuchel fehlen aktuell nicht nur viele Spieler, sondern auch Ruhe und Gelassenheit. Die Entschuldigung des Sky-Experten Didi Hamann nahm er nicht an. Ob es so klug ist, diese Fehde am Laufen zu halten? Bayerns Präsident Herbert Hainer setzt vor dem Topspiel aufs Konzept „selbsterfüllende Prophezeiung“ und schwadroniert: „Wir werden die so lange nerven mit unseren Siegen, bis sie nervös werden.“ Schaun mer mal, ab das mit dem so wichtigen Sieg am Samstag funktioniert.
Doch was macht Bayer Hoffnung, bis zum Ende der Saison der Primus zu bleiben? Die starke Qualität auf allen Positionen und dass nicht nur die mit Zauberfüßen ausgestatteten Kicker wie Wirz, Boniface oder Frimpong schöne Tore schießen, sondern auch einem wie Robert Andrich ein Fernschuss der Marke Traumtor gelingen kann – siehe Pokal. Und Leverkusen hat mit Granit Xhaka den dominierenden Vorarbeiter im Zentrum des Bayer-Spiels, dessen Bedeutung für die Verwirklichung seiner eigenen Lehre der Cheftrainer Xabi Alonso „fundamental“ und den er den „zweiten Trainer auf dem Platz“ nennt. Weder hat der Schweizer in seinen bisherigen Liga-Einsätzen ein Tor geschossen noch hat er auf direktem Weg eines vorbereitet, dennoch ist er mit seiner Professionalität und Erfahrung, aber vor allem mit seiner Umsicht und Spielintelligenz der wichtigste Urheber für den Leverkusener Erfolgsfußball. So einen Spieler hat der FC Bayern derzeit nicht. Und dann geht Leverkusen auch mit dem guten Gefühl in die Partie, die ebenfalls sehr starken Stuttgarter im Pokal bezwungen zu haben. Am Ende war der Tabellenführer die Spur besser als der VfB, der sich von einem Titeltraum verabschieden muss.
Das Team von Sebastian Hoeneß hat jetzt bis Sonntag – wenn es daheim gegen Mainz 05 geht – Zeit, die Last-Minute-Niederlage zu verarbeiten. Es müsste den Schwaben Mut machen, dass es in der Liga nach zwei Niederlagen zum Jahresbeginn wieder gut läuft und man wieder Dritter ist. Diesen Platz sollte man gegen die fast schon mitleidenswerten Mainzer verteidigen können. Erst 14 Tore sind der Mannschaft von Trainer Jan Siewert gelungen (Nachholspiel gegen Union bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Nur die Kölner, die in Hoffenheim antreten müssen, sind genauso schlecht in der Offensive. Beide Clubs haben schon ihre Trainer gewechselt. Viel ist da nicht mehr, was auf eine Wende zum Guten spricht. Der VfB hat bereits 46-mal eingenetzt. Nur Bayern und Leverkusen haben öfter getroffen. Einer der Garanten für Torjubel in der MHP-Arena ist inzwischen auch Deniz Undav mit 13 Treffern, der nur noch vier Tore weniger aufweist als Serhou Guirassy. Der Sicher-bald-Nationalspieler hat auch beim 3:1 in Freiburg ein Tor gemacht und die beiden anderen vorbereitet. Das wird eine schwere Aufgabe für die Mainzer, die eigentlich nur darauf hoffen können, dass der VfB Kraft gelassen hat im Pokalfight.
Auch die Streich-Truppe war ziemlich geknickt nach der Heimniederlage im Landesduell. Der Sportclub hat damit erst zwei Heimspiele in dieser Runde verloren – das erste gegen den BVB, bei dem man an diesem Freitag antreten muss. Eine nicht unlösbare Aufgabe, denn nach dem 0:0 der Dortmunder in Heidenheim war der Anhang einmal mehr so was von enttäuscht. Meister wird der BVB diese Saison höchstens im Schönreden. Nur Edin Terzić kritisierte sein Team. Niclas Füllkrug sagte dagegen, es sei normal, dass man auswärts auch mal Punkte lässt. Ach so. Der Sportdirektor Sebastian Kehl sagte, er lasse sich die Entwicklung der letzten Wochen nicht kaputt machen. Mal sehen welchen Entwicklungsschritt man gegen Freiburg zeigt.
Andere Partien wie Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg oder Gladbach gegen Darmstadt klingen jetzt nicht so spektakulär, spannend dürfte das Spiel der besten Rückrundenmannschaft Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim werden und RB Leipzig muss sich am FC Augsburg abarbeiten.
Eine emotionale Woche hat Eintracht Frankfurt hinter sich nach dem Abschied von Präsident Peter Fischer, dessen Nachfolger Mathias Beck heißt. Fischer hatte nach 24 Jahren auf der Mitgliederversammlung der Eintracht nicht mehr kandidiert. Der Club hat dem Präsidenten zum Abschied keinen Sieg geschenkt und in Köln 0:2 verloren, mit dem teuersten Kader, den Frankfurt je hatte. Es herrscht Unzufriedenheit, Nervosität und Unruhe im Umfeld. Deshalb fordert Vorstandssprecher Axel Hellmann: „Wir müssen die Qualität auf den Platz bekommen.“ Elke Rutschmann