AM BALL BLEIBEN
Man könnte denken, über Fußball ist eigentlich alles gesagt, erforscht und geschrieben. Weit gefehlt. Das Phänomen Fußball beschäftigt nach wie vor Experten aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. Heute werfen wir einen Blick auf das Thema Frauen, die den Fußball prägten. Zweimal Weltmeister, achtmal Europameister, Olympia-Gold – die Trophäensammlung der deutschen Fußballerinnen ist üppig gefüllt. Von 1955 bis zum 31. Oktober 1970 war es den Mitgliedern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) untersagt, Frauenfußball-Abteilungen zu gründen. Doch die Frauen drängten auf den Platz, der Verband knickte ein. Seitdem haben große Persönlichkeiten ihre Spuren hinterlassen. In Teil eins schauen wir genauer hin, welche Frauen sich in Deutschland besonders hervortaten.
Den Anstoß gab Lotte Huber, Tochter eines Metzgermeisters in Frankfurt am Main als resolute Vorkämpferin. Sie war es, die als 19-Jährige zu Jahresanfang 1930 eine Anzeige in den Frankfurter Nachrichten aufsetzte, um mit Gleichgesinnten den ersten Deutschen Frauenfußball-Klub zu gründen. Den männlichen Diffamierungen in Form von Beschimpfungen und elterlichen Verboten waren die jungen Frauen nicht gewachsen – bereits im Herbst 1931 war der 1. DDFC schon wieder Geschichte. Huber gründete später die Frankfurter Mundartbühne, war als Kabarettistin und Schauspielerin aktiv.
Viel weiter gekommen ist dann Anne Trabant-Harbach, die den Widerstand der männlichen DFB-Granden gebrochen hat. Die Diplomsportlehrerin triumphierte 1981 als Spielertrainerin mit der SSG 09 Bergisch Gladbach sensationell bei der inoffiziellen Frauen-WM in Taiwan. Bereits 1974 hatte sie die erste offizielle deutsche Meisterschaft mit dem TuS Wörrstadt gewonnen, insgesamt folgten in ihrer Laufbahn als Spielerin und Trainerin zwölf weitere nationale Titel. 1982, im ersten offiziellen Länderspiel, führt sie die DFB-Auswahl als Kapitänin aufs Feld.

Noch präsent ist natürlich Silvia Neid: 1982 stand sie beim ersten offiziellen Frauen-Länderspiel auf dem Platz, als Spielerin holte sie drei EM-Titel. Zwischen 2005 und 2016 coachte sie die DFB-Elf zum WM-Titel, zwei EM-Gewinnen und zum Sieg bei Olympia 2016. Seither ist die dreimalige Welttrainerin als Leiterin der Frauen-Scoutingabteilung im DFB immer noch ihrem Sport verbunden.
Eine Vorreiterin war auch Heidi Mohr. Sie setzte im Finale der EM 1989 gegen Norwegen in Osnabrück den Schlusspunkt zum 4:1 und feierte mit der Frauen-Nationalmannschaft den ersten EM-Titel, dem noch zwei weitere folgen sollten. 1999 wird sie sogar zu Europas Fußballerin des Jahrhunderts gewählt. Im Februar 2019 erliegt Mohr mit nur 51 Jahren einem Krebsleiden.
Und da ist natürlich Birgit Prinz. Auf dem Platz lebte die dreimalige Weltfußballerin von ihrer Dynamik und Physis, abseits des Rasens scheut sie das Rampenlicht und wird zum Star wider Willen. Schon mit 15 Jahren debütierte sie 1992 in der Frauen-Bundesliga. Mit 214 Länderspielen und 128 Toren ist Birgit Prinz unangefochtene Rekordnationalspielerin und seit 2013 Ehrenspielführerin. Umso unrühmlicher das Ende im Nationaltrikot: Das Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM 2011 gegen Japan (0:1 n.V.) erlebt sie von der Ersatzbank aus. Heute ist sie Sportpsychologin bei der TSG Hoffenheim.
Prinz war für Tore zuständig, Nadine Angerer für das Vermeiden selbiger. Beim WM-Triumph 2007 in China blieb die Keeperin im gesamten Turnier ohne Gegentor. Sie reift zur Führungsspielerin. 2011 beerbt sie Prinz als DFB-Kapitänin. Nach dem EM-Triumph 2013 in Schweden und ihren zwei parierten Elfmetern im Finale gegen Norwegen (1:0) wird Angerer als Torhüterin zur Weltfußballerin gekürt – ein Novum im Frauen- und Männerfußball. Kopfbedeckungen sind ihr Markenzeichen, also trägt sie auch bei der Gala einen schwarzen Hut. 2015 beendete sie ihre Karriere. Sie arbeitet als Torwarttrainerin beim US-Klub Portland Thorns. Elke Rutschmann