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Familie & Leben

Zwei Stuttgarterinnen bringen während des Lockdowns andere zum Lächeln Die Menschen zusammenbringen

Ein Blick hinter die Kulissen der Krise zeigt ganz viel Menschlichkeit. Viele Stuttgarter kümmern sich umeinander. Eine von ihnen ist Melanie Schmidt, sie hat in den letzten fünf Monaten rund 500 Masken genäht und verschenkt.

Melanie Schmidt hat Masken genäht.

Vor Corona hat die 35-Jährige Hundekörbchen für den Tierschutz genäht. Als zu Beginn der Pandemie die Masken knapp wurden, hat sie kurzerhand die Branche gewechselt: „Ich hab mir gedacht, so schwer kann das nicht sein.“ Nach ein paar Do-it-yourself-Videos hat die junge Frau, die vor fünf Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhalten hat, zunächst sich und ihre Eltern mit Masken versorgt. Zudem ihre Freunde, die ebenfalls an MS erkrankt sind. „Und plötzlich hat es die Runde gemacht, und ich konnte mich vor Anfragen kaum retten“, sagt die junge Frau aus Stuttgart-Weilimdorf mit einem Lachen.

Als dann auch noch Stoffe und Gummis knapp wurden, wurde in sämtlichen Nähkästchen und Speichern im Dorf ihrer Eltern und in Stuttgart, gekramt. „Die Leute haben mir Hosengummis, Stoffe und Pfeifenreiniger-Draht geschickt – am Ende habe ich die Drähte für Kindermasken aus großen Büroklammern gebastelt.“ Sie nähte auch für Sozialstationen und für das Diaspora Kinderheim. Die Krise habe ihr gezeigt, dass es auch in ihrer Nachbarschaft einen starken Zusammenhalt gab: „Egal ob Ausländer, neu zugezogen oder alteingesessen – eben weil wir alle Menschen sind.“

Die Künstlerin Karina Payk (47) betreibt Guerilla-Knitting und verschönert mit ihren gestrickten und gehäkelten Figuren seit fünf Jahren das Traubenplätzle im Stuttgarter Westen. Während des Lockdowns haben ihre bunten Werke noch mehr Aufmerksamkeit erregt: „Die Menschen waren in ihrem Viertel viel mehr zu Fuß unterwegs, haben neue kleine Läden entdeckt und hatten mehr Zeit miteinander zu sprechen.“

Super-Woman für gute Laune Foto: z/Karina Payk
Super-Woman für gute Laune Foto: z/Karina Payk

Auch ihre kleinen, bunten Figuren – unter ihnen war auch eine Superheldin – hätten einige Gesprächsanlässe geboten. Vor allem die Figuren, die sie in jeweils mehreren Einzelteilen arrangierte, sodass die Passanten sie interaktiv neu zusammensetzen konnten. „Die Figuren waren plötzlich alt und jung, schwarz und weiß, flippig und bieder“, freut sich die Stuttgarterin mit dem Künstlernamen Katakari. Ihr wichtiges Anliegen sei es, Menschen zusammenzubringen, die sonst nichts miteinander zu tun hätten. Genau diese Art von Dialog ist ihr am Traubenplätzle am Hölderlinplatz gelungen: „Es gab ganz viele tolle Rückmeldungen, einige Fotos wurden auch in den Soziale Netzwerken geteilt, ich war hin und weg.“

Kinos, Museen, Galerien waren geschlossen, die Menschen waren dankbar für diese künstlerische Irritation inmitten der Stadt. Denn die Figuren sitzen einfach auf Pfosten, gehalten von einem Kabelbinder. Schmerzt es sie, wenn sie wegkommen? „Nein, es ist zwar schade, aber sie gehören ja der Öffentlichkeit – und ich denke mir immer: Vielleicht haben die Figuren ja auch irgendwelche wichtigen Aufgaben zu erfüllen.“ Corinna Pehar
              

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