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Im Gespräch mit Prof. Hanspeter Gondring: „Arbeitgeber müssen ein Gesamtpaket bieten“

Was ist wichtiger: Gehalt oder Unternehmenskultur? Professor Hanspeter Gondring, ehemaliger Studiengangsleiter an der DHBW, über aktuelle Trends.

Im Gespräch mit Prof. Hanspeter Gondring: „Arbeitgeber müssen ein Gesamtpaket bieten“

Prof. Hanspeter Gondring Foto:olm

Herr Prof. Gondring, welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht entscheidend, dass ein Arbeitgeber attraktiv wahrgenommen wird? 

Die Forschung zeigt seit langem, dass es das „Gesamtpaket“ ist, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht. Sicherlich steht die Entlohnung im Vordergrund, wenngleich Arbeitnehmer auch Gehaltsabschläge akzeptieren, wenn sowohl das Aufgabengebiet als auch das Betriebsklima sehr gut sind. Empirischen Studien sagen: Je höher der Ausbildungsstand ist, umso größer sollte die Entscheidungsfreiheit sein; das Aufgabengebiet sollte inspirierend, abwechslungsreich und anspruchsvoll sein, die Kommunikations- und Entscheidungswege straff und klar und der Vorgesetzte sollte mehr Mentor und Unterstützer als Anordnungs- und Auftraggeber sein. Last not least: Die Work-Life-Balance sollte ebenfalls stimmen.

Unternehmen aus der Region

Wie wichtig ist es in Zeiten von Fachkräftemangel, dass Arbeitgeber ihre Werte glaubhaft vertreten?

Hier besteht insofern dringender Handlungsbedarf, um als Arbeitgeber im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte bestehen zu können. Ich rate Bewerbern immer, sich in den Portalen oder sozialen Medien über den zukünftigen Arbeitgeber zu informieren.

Wenn das nicht möglich ist, wie etwa bei kleineren Unternehmen, die nicht in den einschlägigen Formen und sozialen Medien präsent sind, sollte der Bewerber 1 bis 3 Tage vereinbaren, in denen er im Unternehmen zur Probe arbeitet, um sich von dem „gelebten“ Arbeitsalltag ein besseres Bild machen zu können.

Welche Rolle spielen Weiterbildung, Führungskultur und Arbeitsplatzsicherheit im Wettbewerb um Talente?

Vielfach wird hierbei gerade in krisenhaften Zeiten gespart und es findet faktisch keine Förderung des Personals mehr statt. Der Hintergrund für dieses Fehlverhalten ist die traditionelle Auffassung, dass in „schlechten“ Zeit Kosten gespart werden müssen und gleichzeitig die Arbeitsproduktivität hochgefahren werden muss. Dieses Paradigma ist heute überholt.

Warum machen das viele Unternehmensführer und Chefs denn so?

Arbeitseinteilung im modernen Management bevorzugt. Auch wenn sich das nicht in allen Branchen im gleichen Umfang umsetzen lässt, so sollte ein Unternehmen genau überlegen, wie es dieser Idealform am nächsten kommt. In jedem Fall ist ein Handeln nach dem Motto „,weiter so wie schon immer“ die denkbar schlechteste Option.

Die Fragen stellte Ingo Dalcolmo


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